• Radfahrer auf dem Oder-Neiße-Radweg, Foto: TMB-Fotoarchiv/Matthias Fricke
    Ort: Schwedt/Oder

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Mit Rad und Bahn in die Uckermark
Ein Ausflug nach Schwedt und in den Nationalpark Unteres Odertal

20. Mai 2015 von Matthias Fricke

Elbe, Havel, Oder, Spree. Brandenburg hat nicht nur 3000 Seen zu bieten, sondern auch beeindruckende Flusslandschaften. Das Beste ist: Um diese zu entdecken, braucht es kein Auto. Mit den Zügen von DB Regio Nordost sowie per Pedes und Fahrrad ist man ganz schnell dort, wo die Abenteuer warten. Unsere dritte Tour führt nach Schwedt an der Oder und in den Nationalpark Unteres Odertal.

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Anderthalb Stunden. So lange braucht man mit dem RE 3 von Berlin nach Schwedt. Man könnte in derselben Zeit mit dem ICE Hamburg erreichen oder Hannover. Aber wer nach Schwedt fährt, will keinen Szenenwechsel in Sachen Großstadthektik, sondern diese mal hinter sich lassen. Das beginnt schon beim Blick aus dem Zugfenster, an dem der Barnim und später dann die Uckermark vorbeiziehen. Landschaften, die sofort Lust auf Ausflüge machen, aber wir bleiben bis zur Endstation im Zug und werden nicht enttäuscht.

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RE 3 am Bahnhof Schwedt/Oder. Foto: TMB-Fotoarchiv/Matthias Fricke

Ankunft in Schwedt

Hier gilt es Vorurteile abzulegen. Die PCK-Ölraffinerie. Die Plattenbauten. Die Stadt, in der Achim Menzel das Autohaus nicht findet, in der Brandenburg-Hymne von Rainald Grebe. Das Schöne: Die "Nationalparkstadt", wie sich Schwedt seit einigen Jahren titulieren darf, macht es einem ganz leicht. Wo in den 80er Jahren noch über 50.000 Einwohner lebten, wird der Stadtwandel schon gleich hinter dem Bahnhof spürbar. Hübsch sanierte Plattenbauten und durchgrünte Straßenzüge prägen das Bild.

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Ein Kirchenbau für die Hugenotten: Der Berlischky-Pavillon in Schwedt Foto: TMB-Fotoarchiv/Matthias Fricke

Eine Kirche für die Hugenotten

Wie ein Fremdkörper aus ferner Zeit taucht plötzlich ein pastellfarbener Pavillon aus dem späten 18. Jahrhundert an einer der zentralen Verkehrsachsen auf: der Berlischky-Pavillon. Er weist auf die Spuren einer langen Stadtgeschichte, die bis ins 13. Jahrhundert zurückreicht. Benannt nach dem Baumeister Georg Wilhelm Berlischky diente der spätbarocke Pavillon den im 17. Jahrhundert angesiedelten Hugenotten als Kirche. Anders als das Schloss und weite Teile der Altstadt blieb dieses Gebäude im Zweiten Weltkrieg weitestgehend unzerstört und wurde 1984 denkmalgerecht saniert.

Die Hugenotten brachten auch den Tabakanbau in diese Region, die dafür günstige natürliche und klimatische Bedingungen bot. Im Dorf Vierraden nördlich von Schwedt können auch nichtrauchende Besucher die Geschichte und Gegenwart des Tabakanbaus in einer dreigeschossigen Tabaktrockenscheune erleben und so Neues über "Nicotiana", der botanische Name für Tabak, erfahren. Das Tabakmuseum Vierraden ist im Sommerhalbjahr donnerstags bis sonntags geöffnet.

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Kuss auf der Schwedter Lindenallee, Skulptur von Axel Schulz aus dem Jahre 1965. Foto: TMB-Fotoarchiv/Matthias Fricke

Die Stadt am Fluss

Am Ende der Lindenallee glänzen kupferfarben getönte Scheiben der Uckermärkischen Bühnen gen Himmel, es ist das bedeutendste Theater in der Region. Bis zum Abriss 1962 stand hier das Schwedter Schloss, das im Krieg schwer zerstört wurde. Hinunter zur Oder erstreckt sich der Schlosspark. An der Oder wurde eine sympathische Promenade gestaltet, die zum Bummeln und Verweilen einlädt.

Mitten im Stadtkern ist der mächtige Bau der St.-Katharinenkirche nicht zu übersehen. Gleich gegenüber in der Vierradener Straße decken wir uns in der Tourist-Information mit Infoflyern ein. Der Altstadtrundgang wird übersichtlich auf einem DIN A4 Blatt präsentiert, die Sehenswürdigkeiten sind auf der Rückseite kurz beschrieben. Natürlich gibt es hier auch alle Infos zu Urlaub und Ausflügen in die Uckermark und in den Nationalpark Unteres Odertal.

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Ensemble des jüdischen Ritualbads in Schwedt Foto: TMB-Fotoarchiv/Matthias Fricke

Bevor wir uns per Rad dahin aufmachen, rollen wir gemütlich durch die Altstadt. An fast jeder Ecke stößt der aufmerksame Betrachter auf Kunstwerke, z. B. auf einen Tabakbrunnen aus Keramik auf dem Vierradener Platz aus dem Jahre 1972. Die Plastiken, Reliefs und Skulpturen lockern das Bild des sanierten Stadtkerns weiter auf. In der Gartenstraße werfen wir einen Blick auf das Ensemble des Jüdischen Ritualbades, das zu den einzigartigen Zeugnissen der jüdischen Kultur in Brandenburg gehört.

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Eine soziale Plastik für den Tabakanbau in der Region: Der Tabakbrunnen von Jürgen Woysky auf dem Vierradener Platz. Foto: TMB-Fotoarchiv/Matthias Fricke

Hinein ins Naturerlebnis

Und dann geht es entlang der Berliner Straße bis zum Kreisel aus der Stadt hinaus, die Weite lockt. Nach dem Überqueren der imposanten Holzbrücke über den Hohensaaten-Friedrichsthaler Kanal, ist sie da. Ein kleiner Fahrrad-Rastplatz auf dem Oder-Neiße-Radweg, auf dem wir hier Richtung Criewen weiterfahren, lädt zu einem ersten Stopp ein. Durchatmen und staunen. Zu dem, was sich dem Auge hier darbietet, wäre der ICE nach Hamburg keine Alternative gewesen.

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Lesestoff zum Nationalpark Unteres Odertal am Oder-Neiße-Radweg. Foto: TMB-Fotoarchiv/Matthias Fricke

Der Nationalpark Unteres Odertal zählt zu den wenigen naturnahen Flussauen Mitteleuropas und ist eine der 15 Nationalen Naturlandschaften in Brandenburg. Auf über 60 Kilometern erstreckt sich die Flussniederung zwischen Hohensaaten und Szczecin (Stettin) in der Grenzregion zwischen Deutschland und Polen. Während der Oder-Neiße-Radweg abseits der geschützten Gebiete verläuft, kann mit einem Ranger zu geführten Kanutouren aufbrechen, wer den Reichtum der Arten und Pflanzen mal auf Augenhöhe erleben möchte.

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Der Oder-Neiße-Radweg führt auch an Schwedt vorbei. Foto: TMB-Fotoarchiv/Carsten Rasmus

Im beschaulichen Criewen

Wir starten nun durch in die Weite, der Wind säuselt um Nase und Ohren, die Waden spielen Tempomat. Die Augen liegen auf dem Sprung für das nächste Fotomotiv. Immer wieder tauchen Radausflügler allein, zu zweit oder im Pulk auf, dann herrscht wieder Menschenleere. Nach etwa fünf Kilometern winkt uns das Schild Criewen nach rechts in das beschauliche Dorf, für das man unbedingt etwas Zeit mitbringen sollte.

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Nationalparkhaus in Criewen im ehemaligen Schafstall der Gutsanlage. Foto: TMB-Fotoarchiv/Matthias Fricke

Denn zum einen lockt eine unbedingt sehenswerte Ausstellung über die Auenlandschaft des Nationalparks. Sämtliche 42 Fischarten, die in der Oder vorkommen, können Besucher in einem Aquarium erleben. Ansonsten gilt hier mitmachen und anfassen, was die Ausstellung besonders für Familien mit Kindern interessant macht. Das Nationalparkhaus ist im ehemaligen Schafstall untergebracht. Schräg gegenüber befindet sich der frisch sanierte Pferdestall, der seit Ende 2014 den Nationalparkladen beherbergt, in dem man regionale Produkte, aber auch Karten- und Infomaterial erhalten kann.

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Kirche im Lenné-Park in Criewen. Foto: TMB-Fotoarchiv/Ronald Keusch

Der Schlosspark nebenan, angelegt als Landschaftsgarten von dem Landschaftsarchitekten Peter Joseph Lenné zu Beginn des 19. Jahrhunderts, ist eine Schau für sich, ein echtes Kleinod. Heute, am 15.5.15, haben es besonders die Hochzeitspaare für sich entdeckt. Wer sich in Criewen spontan verliebt hat, kann im Gasthof "Linde" (Bett & Bike) pausieren und nächtigen. Hier wird auch der Nationalparkteller serviert mit frischen Produkten aus der Region zum Festpreis von 12 Euro.

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Hinauf zum "Grützpott"

Zurück auf dem Oder-Neiße-Radweg geht es weiter in südlicher Richtung nach Stolpe. Der Ort liegt malerisch am Oderhang und ist berühmt für seinen "Grützpott". Was etwas unappetitlich nach Haferschleim oder Babybrei klingt, ist de facto der Stolper Turm aus slawischer Zeit. Von dieser Anhöhe hat man einen fantastischen Ausblick ins Untere Odertal. Aber diese Endmoräne will erst einmal bezwungen sein! Steil aber glatt asphaltiert führt der Weg nach oben, vorbei am Schweizer Haus, einem Feriendomizil im alpenländischen Fachwerkstil.

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Blick auf Stolpe Foto: TMB-Fotoarchiv/Matthias Fricke

Beim grandiosen Blick hinunter ins Untere Odertal sind die Mühen des Aufstiegs schon wieder vergessen. Ein magischer Ort, um Weite zu spüren und den Kopf frei zu bekommen. Schon x-mal hier gewesen und jedes Mal wieder aufs Neue begeistert! Seit einigen Jahren gibt es auch eine Aussichtsplattform im Turm, Infotafeln zu dessen Geschichte sowie Sitzbänke.

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Auf dem Märkischen Landweg bei Crussow in der Uckermark. Foto: TMB-Fotoarchiv/Matthias Fricke

Letzte Etappe in Rapsgelb

Nun könnte man den Hügel wieder hinuntersausen und die Tour Richtung Angermünde auf dem hervorragend ausgeschilderten Uckermärkischen Radrundweg fortsetzen. Wir bleiben oben und nehmen den Grützpott Radrundweg, der ein Stück auf dem Märkischen Landweg verläuft, einem Wanderweg, der für Radler nur bedingt geeignet ist. Der "Vorteil" allerdings ist, man nähert sich Angermünde von Osten, kommt direkt am Mündesee raus und passiert von hier die sanierte Altstadt Angermündes auf dem Weg zum Bahnhof.

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Wegweiser zum Mündeseerundweg Foto: TMB-Fotoarchiv/Matthias Fricke

Zudem möchten wir unbedingt noch die "Rapsodie" der gelben Hügel erleben, die uns auf der Herfahrt zwischen Angermünde und Schwedt sofort in den Bann gezogen hat. Und richtig, hinter Dobberzin, auf dem Mündeseerundweg umwogt uns das gelbe Meer. Die "Po- und Busenlandschaft", wie ein ehemaliger Landesvater sie einst freizügig titulierte, erstrahlt in sattem Gelb, an dem wir uns nicht sattsehen können. Zurück im RE 3 lautet unser Fazit wie der treffende Slogan des Brandenburg-Berlin-Tickets: "Ein Tag, der bleibt".

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Endlos wogt das gelbe Meer am Mündeseerundweg bei Angermünde. Foto: TMB-Fotoarchiv/Matthias Fricke

Informationen

Der RE 3 verkehrt ab Berlin stündlich Richtung Angermünde. Weiter nach Schwedt fährt er im Zweistundentakt. Wer den RE 3 Richtung Stralsund erwischt, steigt in Schwedt in die RB 61 um und erreicht Schwedt im gleichen Takt ebenfalls nach ca. 1,5 Stunden.

Schon ab zwei Personen sind Sie mit dem Brandenburg-Berlin-Ticket günstig unterwegs. Wer sein Fahrrad mitnimmt, bucht beim Kauf des Brandenburg-Berlin-Tickets eine Fahrradkarte für 5 Euro pro Rad mit dazu.

Tipp für Radausflügler: Besonders in den Sommermonaten sollten Sie mit dem eigenen Fahrrad nur die direkten Züge Richtung Schwedt benutzen, da besonders die Züge Richtung Ostsee bei Radreisenden sehr stark nachgefragt sind. Trotz der nach und nach in diese Züge eingestellten Fahrradwagen bleibt die Mitnahmekapazität dem Andrang oft nicht gewachsen. Alternativ leihen Sie ein Fahrrad in Schwedt, z. B. im Fahrrad- und Touristikcenter Bodo Butzke.

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