• Sorbische Trachten, Foto: TMB-Fotoarchiv/Peter Becker

    Sorbische Bräuche im Spreewald und in der Niederlausitz

    Die ethnische Minderheit der Sorben, deren Sprache, Traditionen und Bräuche von der UNESCO als immaterielles Welterbe geschützt sind, prägen noch heute den Spreewald und die Niederlausitz.

    Die ethnische Minderheit der Sorben, deren Sprache, Traditionen und Bräuche von der UNESCO als immaterielles Welterbe geschützt sind, prägen noch heute den Spreewald und die Niederlausitz.

Online-Buchung



Sorbische Bräuche im Spreewald und in der Niederlausitz
Gelebte Traditionen

Das Rheinland hat den Karneval, in den Dörfern rund um Cottbus feiern die Sorben von Mitte Januar bis Anfang März den Zapust. Der Brauch stammt aus dem dörflichen Arbeitsleben und wurde noch bis in die 1950er Jahre von der Jugend als Abschluss und Höhepunkt der im Winterhalbjahr allabendlich stattfindenden Spinte gefeiert. Die Mädchen erzählten sich während ihrer Arbeit am Spinnrad Dorfgeschichten oder erlernten durch die Vorsängerin die sorbischen Volkslieder und Choräle. 

Der historisch ältere Bestandteil des Zapustes ist das Zampern. Maskierung, Verkleidung, Lärmen, Rutenschlagen und Tanz sollten Dämonen und Gefahren abwenden. Die Umzügler waren mit Weiden - und Birkenruten ausgerüstet und berührten Erwachsene und Kinder mit dieser "Lebensrute", welche die im Frühjahr neu steigenden Lebenskräfte symbolisierte. Zu den ältesten Vermummungen gehören die doppelte Person - "der Tote trägt den Lebendigen", der Schimmelreiter und der Storch als Symbole des beginnenden Frühlings oder der Erbsstrohbär als Symbol des abziehenden Winters.

Beim Zampern zieht die Dorfjugend mit Musik und Lärm von Haus zu Haus und sammelt Eier, Speck und Geld ein. Als Dankeschön wird die Hausfrau zu einem Tänzchen aufgefordert und dem Herrn ein "paleńc", ein Schnäpschen angeboten. Die eingezamperten Gaben werden meist eine Woche später beim "Eieressen" verzehrt.

weiterleseneinklappen

Die schönsten Ostereier

Das Färben und Verzieren von Eiern ist eine der ältesten künstlerischen Tätigkeiten der Menschheit. Die älteste bekannte Erwähnung von sorbischen Ostereiern stammt aus der Zeit um 1700. Bis heute ist das Ostereierverzieren einer der bekanntesten sorbischen Bräuche. Weit verbreitet ist die Wachstechnik. Mit besonders zurecht geschnittenen Gänsefedern wird auf die Eier heißes Wachs als Muster aufgetragen. Das erstarrte Wachs schützt die Schale vor der Farblösung. Der Vorgang kann nach jeweiligem Trocknen der Farbe wiederholt werden, so dass mehrfarbige Eier entstehen. Anschließend wird das Wachs durch Erhitzen und Abwischen entfernt. Das Muster tritt dann hervor.

Eine ruhige Hand verlangt die Kratztechnik. Dort wird auf das bereits gefärbte Ei das Muster mit einem spitzen Gegenstand eingeritzt. Bei der Ätztechnik trägt man auf das gefärbte Ei mit einer Schreibfeder Säure auf, welche die Farbe löst und wird dann vorsichtig abgewischt. Früher wurde Sauerkrautsaft, heute verdünnte Salzsäure benutzt. Die so geschmückten Ostereier werden untereinander oder Verwandte und Freunde verschenkt. Traditionsgemäß gehen die Kinder am Ostersonntag nach Patengeschenken und bekommen von ihren Paten 3 Eier und eine Ostersemmel geschenkt.

weiterleseneinklappen
Bemalen Sorbischer Ostereier in Wachsbossiertechnik Bemalen Sorbischer Ostereier in Wachsbossiertechnik, Foto: Museum Landkreis Oberspreewald-Lausitz

Waleien

Bei Kindern ist besonders das Waleien zu Ostern beliebt. Im Garten oder auf einer Wiese werden die geschmückten Ostereier auf einer vorher angelegten, abschüssigen Bahn heruntergerollt, wobei sie natürlich ins Trudeln geraten, was den Reiz der Sache erhöht. Eier, die dabei von einem nachrollenden Ei getroffen werden, gelten als geschlagen und der Besitzer bekommt das Ei, ein Geldstück oder ein Bonbon. Dieser Brauch diente ursprünglich ebenfalls als Fruchtbarkeitszauber, der den für die Bauern so wichtigen Graswuchs fördern sollte.

weiterleseneinklappen
Sorbische Ostereier Sorbische Ostereier, Foto: TMB-Fotoarchiv/Geertje Wieck

Rumpodich und Bescherkind

Den Weihnachtsmann mit rotem Mantel und weißem Bart gibt es heute mittlerweile auch im Spreewald. Er hat hier jedoch zwei fleißige Gehilfen. Bei den Sorben und Wenden, die im Spreewald leben, zieht das Bescherkind von Haus zu Haus und kündigt seine Ankunft mit einem Glöckchen an – selbst bleibt es aber stumm. Damit soll die Besinnlichkeit der Vorweihnachtszeit verdeutlicht werden. Außerdem ist sein Gesicht mit weißem Tüll und bunten Bändern verhüllt. Denn niemand soll das Christkind erkennen. Umso auffälliger sind sein Kopfschmuck und das Gewand, das aus den schönsten Teilen der sorbischen Brautjungferntracht besteht.

In der einen Hand trägt das verschleierte Mädchen eine mit bunten Bändern verzierte Rute aus Reisig. Damit hat es früher an Fenster und Türen geschlagen und sein Kommen angekündigt. Auch heute noch setzt es seine Rute ein – zum Beispiel während der Spreewaldweihnacht – und streift damit den aufgeregten Kindern leicht über die Schulter. Das ist aber nicht als Strafe zu verstehen, sondern soll ihnen Kraft, Glück und Gesundheit für das bevorstehende neue Jahr geben. Am anderen Handgelenk hat das Bescherkind ein kleines mit Süßigkeiten, Äpfeln und Nüssen gefülltes Bündel, um die Kinder damit zu beschenken. Dem Bescherkind zur Seite steht Knecht Ruprecht, der bei den Sorben und Wenden Rumpodich heißt. Er trägt einen Mantel aus weißem Schaf-Fell mit passender dunkler Mütze dazu.

weiterleseneinklappen
Spreewaldweihnacht Spreewaldweihnacht, Foto: TMB-Fotoarchiv/Peter Becker

Noch mehr kulturelle Seiten Brandenburgs entdecken?


Reiseexperten