• Kahnpostfrau Andrea Bunar, Foto: Deutsche Post DHL
    Ort: Lehde

Online-Buchung



Spreewald: Post kommt wieder mit dem Kahn
Andrea Bunar liefert Post wieder aus

11. April 2014 von Steffen Lehmann

Sie möchte ihren Arbeitsplatz auf keinen Fall eintauschen. Denn sie arbeitet da, wo andere Urlaub machen. Andrea Bunar ist Postbotin in Lehde im Spreewald und die Einzige, die mit einem Kahn ihre Post zustellt. Jetzt ist sie wieder auf den Spreewald-Fließen unterwegs.

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Andrea Bunar passiert ein Fachwerkhaus in Lehde Foto: Deutsche Post DHL

Es kribbelt wieder in Andrea Bunars Fingern. Das milde Wetter der vergangenen Tage hat ihre Vorfreude noch gesteigert. Anfang April ist es im Spreewald immer soweit. Dann steigt die Postbotin aus Lübbenau wieder in ihren gelben Kahn, um im Spreewalddorf Lehde die Post zu verteilen. Sie freut sich schon, die Kahnfährleute zu sehen. „Das habe ich in den vergangenen Monaten vermisst.“, sagt die einzige Kahnpostfrau des Landes.

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Balanceakt im Kahn

Über Arbeit kann sich Andrea Bunar nicht beklagen. In Deutschland wächst der Online-Handel rasant. Immer mehr Pakete werden durch die Republik geschickt. Das merkt auch die Kahnpostfrau. Und die Pakete werden mehr und größer. In der Woche stellt sie etwa 600 Briefe, Postkarten und Einschreiben sowie etwa 70 Pakete zu. Auf dem schwankenden Kahn mit den Paketen zu hantieren, dafür braucht es Geschick und Körperbeherrschung. Nasse Füße hat Andrea Bunar bislang noch nicht bekommen – und das soll so bleiben.

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Andrea Bunar liefert Post mit dem Kahn aus Foto: Deutsche Post DHL

Der gelbe Postkahn ist nicht nur ein schönes Fotomotiv, er erleichtert der Postbotin wirklich die Arbeit. Kürzlich hat sie einen Rasenmäher auf dem Landweg ausgeliefert. „Da hätte der Kahn echt geholfen“, meint sie. Vom Ufer sind die Höfe in Lehde einfach leichter zu erreichen. Bei Andrea Bunar landen nicht nur kleine Briefsendungen und Postkarten. Sie hat schon eine Hollywoodschaukel, ein Fahrrad und eine ganze Gartenhecke zugestellt.

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Acht Kilometer im Spreewald unterwegs

Für ihre sechste Saison auf dem Postkahn hat sie sich körperlich nicht besonders vorbereitet. Zweimal Sport nach der Arbeit und ein bisschen Nordic Walking. Das reicht. „Das Fitness-Studio kann ich mir sparen“, sagt Andrea Bunar. Auf den Kahn und los. Auch im sechsten Jahr wird es für sie auf ihrer täglichen Runde nicht langweilig. „Es ist jeden Tag spannend und abwechslungsreich“, sagt sie. Vor allem im Frühling schätzt sie ihre tägliche über die Spreewaldfließe. „Wenn alles zu blühen beginnt, das ist einfach schön“, sagt sie.

Andrea Bunar versorgt 65 Haushalte in Lehde mit Post. Mehr als 600 Karten und Briefe bringt sie durchschnittlich in der Woche zu den Inselbewohnern, dazu kommen bis zu 40 Pakete. Acht Kilometer legt sie täglich mit dem Kahn zurück. Dafür ist sie zwei bis drei Stunden unterwegs. Manchmal geht es schneller. Im Sommer, wenn es auf den Fließen voll wird, ist Geschicklichkeit gefragt. Dann kommt der gelbe Postkahn manchmal schwer voran.

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Kahnpostfrau Andrea Bunar wirft einen Brief ein Foto: Deutsche Post DHL

Noch keine Autogrammkarten

In der Urlaubszeit ist die Kahnpostfrau der heimliche Star auf den Fließen. Wenn sie die Urlauber in den Spreewaldkähnen passiert, werden reihenweise die Fotoapparate gezückt. Und auch der eine oder andere Spruch gemacht. Die Popularität gehört zum Geschäft. Andrea Bunar geht sehr gelassen damit um. Sie bekommt sogar Post von Touristen, die ihr Briefe, Fotos und Zeitungsausschnitte schicken. Ein Paar kommt jedes Jahr und begrüßt die Kahnpostfrau.

Mit dem Postkahn über die Fließe zu gleiten, sieht bei schönem Wetter reizvoll aus. So ist es aber nicht immer. Wenn es regnet und Andrea Bunar gegen den Wind und die Strömung ankämpfen muss, ist es mit der Idylle vorbei. „Wir liefern bei Wind und Wetter aus“, versichert sie. Schlechtes Wetter gibt es für sie nicht. Nur bei Sturm hat sie Mühe, den neun Meter langen, windanfälligen und leichten Aluminiumkahn auf Kurs zu halten. Wenn es gar zu arg wird, stellt sie sich auch einmal kurz unter. Tauschen würde sie ihren Job trotzdem nicht.

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Traumjob im Spreewald gefunden

Auch privat verbindet Andrea Bunar viel mit der Kultur und den Traditionen im Spreewald. Zu den passenden Gelegenheiten tragen Mutter und Tochter ihre Tracht. Ihr Sohn hat in der Schule die sorbische Sprache gelernt. „Der Spreewald ist einfach ein schönes Fleckchen Erde.“, sagt sie. Für die Postbotin ist die tägliche Tour auf den Fließen ihr ganz persönliches Entschleunigungsprogamm. Die Vorfreude beginnt, wenn sie mit dem Transporter in die Straße einbiegt, die zum Bootshaus in Lübbenau führt. Einmal im Boot, ist die Hektik des Alltags verflogen.

Im April 2012 hat sie die Nachfolge von Jutta Pudenz angetreten, die zuvor 21 Jahre die Kahnpostfrau im Spreewald war. „Ich habe meinen Traumjob gefunden und bin glücklich, dass ich das machen darf“, sagt Andrea Bunar, „und vielleicht schaffe ich die 21 Jahre meiner Vorgängerin ja zu übertreffen.“

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