• Fischernetz kurz vor dem Einsatz, Foto: TMB-Fotoarchiv/Nina Lenze
    Ort: Havelaue

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Fischer Schröder fischt frische Fische
Fischfangtradition im Westhavelland

05. Juli 2016 von Nina Lenze

Der Gülper See im Naturpark Westhavelland ist das Revier von Wolfgang Schröder - und eine Idylle. Hier zieht der Fischer seine Netze über den Boden des Sees. Zugfischen heißt die Technik. Wir durften es einmal ausprobieren und dafür zeitig aufstehen.

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"Die besten Fangzeiten sind im Herbst, wenn das Wasser kälter ist und die Fische sich weniger aktiv durchs Wasser bewegen. Im Sommer ist man eher nachts erfolgreich", erklärt mir Fischer Schröder bei einer starken Tasse Tee. Der große, hagere Mann Mitte Vierzig, traditionell mit einer dunkelgrünen, wasserfesten Wathose und blauweiß gestreiftem Hemd bekleidet, lächelt freundlich, fast ein bisschen verlegen. Als ich an einem Junimorgen das erste Mal nach Strodehne komme, spiegelt sich die Sonne an der Wasseroberfläche und mehrere Schwäne fliegen über den See.

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Idyllisches Fischerhaus am Gülper See

Nur 70 km von Berlin entfernt dient der Naturpark Westhavelland vielen Wat- und Wasservögeln als beliebter Rast- und Brutplatz. Anfang des Jahres 2014 wurde die Region zum ersten Sternenpark Deutschlands erklärt. Unmittelbar am Gülper See erhebt sich Wolfgang Schröders altes Fischerhaus in leuchtend-mediterranem Rot. Die Fensterläden in kontrastreichem Blau dazu sind mit kleinen Verzierungen versehen, natürlich alles Fischmotive. Es riecht angenehm nach Fisch und Geräuchertem.

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Familienbetrieb seit vier Generationen

Seit 1750 ist die Familie Schröder im Fischhandel tätig. "Damals waren wir noch als Händler in der Gegend unterwegs." Anfang des 20. Jahrhunderts erwirbt sie das Grundstück im ehemaligen Fischerdorf Strodehne samt Fischereirecht. Bis zu 17 Leute sind hier zwischendurch beschäftigt. Wolfgang Schröder fischt heute in der vierten Generation, er ist jedoch der letzte der Familie. Alle übrigen haben andere Berufe ergriffen. "Schon von klein auf wollte ich Fischer werden", erzählt er. "Fischer sein ist wie eine Berufung, das lässt sich nicht so einfach erlernen."

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Jede Fahrt raus aufs Wasser ist von neuem spannend, man weiß nie genau, was man mit nachhause bringt. Er ist gern da draußen unterwegs. Nur im Urlaub geht es auch mal in die Berge: "Aber das bestimmt dann meine Frau."

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Hecht, Zander und Wollhandkrabben

Dank der günstigen Lage zwischen Elbe und Havel und zusätzlichen Fischereirechten am Hohenauener See herrscht Fischer Schröder über mehrere Gewässer. Gefischt wird immer vom Boot aus mit Zug- oder Stellnetzen, Aale verfangen sich in verankerten Reusen am Grund. Ins Stellnetz gehen nur die Großen, für kleinere Fische sind die Maschen zu grob. Mit dem Zugnetz fängt man alle Fische, die müssen anschließend sortiert werden. Neben Süßwasserfischen wie Hechten, Zandern, Plötzen oder Brassen steht auch die eingewanderte Wollhandkrabbe auf dem Fangplan.

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Erlebnisfischen, Bootstouren und Kunstaktionen

Auch touristisch ist einiges geboten: Wer mal auf den Gülper See rausfahren will, kann Fischer Schröder beim Zugnetzfischen begleiten - Zupacken wird vorausgesetzt. Zusätzlich finden zusammen mit der Naturwacht geführte Touren auf dem Wasser statt, ein leckerer Fischimbiss inklusive. Von Mai bis Oktober können diverse Fischdelikatessen direkt am Hof probiert werden. Im Künstlerhaus Strodehne und im Atelier Havelblick finden außerdem immer wieder kulturelle Aktionen statt, teilweise zusammen mit Fischer Schröder, der den kulinarischen Part bestreitet.

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Das muss man im Naturpark Westhavelland erleben


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