• Lutherstein in Bad Belzig, Foto: TMB-Fotoarchiv/Lars Franke Lutherstein in Bad Belzig, Foto: TMB-Fotoarchiv/Lars Franke
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Eine "Dienstreise" anno 1530 Martin Luthers Predigt in Belzig

24. März 2017 von Lars Franke

Martin Luther ist tatsächlich in Belzig gewesen. Im Winter 1530, wie der Stein über der Pforte der Marienkirche erinnert. Am 14. Januar hat er hier gepredigt. In Brandenburg herrschte damals Kurfürst Joachim I. Ein Erzkonservativer, der am katholischen Glauben nicht rütteln ließ. Und den Reformator aus Wittenberg betrachtete er ohnehin als seinen persönlichen Feind. Wer sich also zu Luthers Lehren bekannte, musste mit härtesten Strafen rechnen.

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Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

Sogar vor seiner Ehefrau machte der Kurfürst nicht Halt, immerhin eine schwedische Königstochter. Von Juristen ließ er den Erfolg eines Gerichtsverfahrens prüfen. Der Fürstin gelang die Flucht. Erst sein Sohn, der zweite Joachim, machte 1547 offiziell den Weg frei für die Ideen aus Wittenberg. Was heute weitgehend vergessen ist: 1530 gehörte Belzig zu Sachsen. Erst nach dem Wiener Kongress gelangte dieser Teil des Fläming an das Fürstenhaus Hohenzollern. Eine kursächsische Postmeilen-Säule von 1725 erinnert an die sächsische Vergangenheit. Sie steht nahe des einstigen Heilig-Geist-Spitals, einem späteren Gefängnis, dem heutigem Burgbräuhaus.

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Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

Das mit dem Luther-Besuch hat also seine Richtigkeit. Sachsens Kurfürst Johann, genannt der Beständige, sandte den Reformator zur Visitation nach Belzig. Luther hatte zu prüfen, wie die neue Kirchenordnung tatsächlich eingehalten wurde. Außerdem unterzog man das Schulwesen einer Prüfung. Seine „Dienstreise“ gab Luther die Gelegenheit, Gottes Wort den Belzigern zu predigen. Die Marienkirche ist eines der ältesten Gotteshäuser im Hohen Fläming. So um 1220 könnte es entstanden sein. Teile des Gemäuers sind romanischen Ursprungs. Die Türme wurden erst im späten 17. Jahrhundert wiederaufgebaut. Eine Augenweide ist das Gebäude neben St. Marien. In dem malerischen Fachwerkhaus erblickte 1798 Carl Gottlieb Reißiger das Licht der Welt. Der Sohn eines Kantors machte als Kapellmeister und Komponist erst in Leipzig und dann am königlichen Hof in Dresden Karriere.

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Die Postsäule am Burgbräuhaus. Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

Durch die Altstadt sollte ein Spaziergang zum Schloss führen. „Spaziergang“ ist wortwörtlich zu verstehen, denn Touristen vermittelt sich der Eindruck, die Innenstadt bestehe nur aus Einbahnstraßen oder schmalen Gassen. Mit Parkplätzen ist Bad Belzig ohnehin nicht sonderlich gesegnet. Die einstige Festung Burg Eisenhardt ist älter als das Städtchen. Schon 997 wird eine deutsche Burganlage erwähnt. Der mächtige Bergfried streckt sich 28 Meter in den Himmel. Die Burgherren wechselten immer wieder und hinterließen ihre Spuren. Mal war Eisenhardt brandenburgisch und mal sächsisch. Eine Zeitlang gehörte die Burg dem Bischof von Brandenburg an der Havel. Eine Festung war Eisenhardt und ein Jagdschloss. An den Mauern bissen sich 1429 die erfolgsverwöhnten Hussiten ihre Zähne aus. Der russische Zar Peter I. übernachtete hier. Und im März 1813 kam Kaiser Napoleon nach Belzig, um sich vom Kampfwert seiner polnischen Truppen zu überzeugen.

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Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

In der Nähe der Stadt fand kurz vor der Leipziger Völkerschlacht ein Gefecht statt, das als Schlacht bei Hagelberg in die Geschichte der Befreiungskriege einging. Was Eisenhardt nicht alles war. Festung und Jagdschloss, Gericht, Getreide- und Salzmagazin, Schule und Jugendherberge, Verwaltungssitz und heute ein Hotel. Im Torhaus befindet sich das Heimatmuseum. Vor einiger Zeit ist aus Belzig Bad Belzig geworden. Nicht zuletzt wegen des modernen Reha-Klinikums, das vor allem Patienten mit orthopädischen und rheumatischen Leiden behandelt. Jeden Sonntag um 11 Uhr macht eine Stadtführung mit der Geschichte von Belzig und Burg Eisenhardt bekannt. Bei aller Begeisterung für die Historie: Die meisten Touristen kommen wegen der Wellness-und Bade-Oase SteinTherme in die Fläming-Stadt.

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Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

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