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  • Kulturtour in den Süden Brandenburgs, Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann Kulturtour in den Süden Brandenburgs, Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

    Kulturreise in den Süden Brandenburgs

    Haben Sie Lust den Süden Brandenburgs während eines Kultururlaubes zu entdecken? Ein Kulturfan empfiehlt eine mittelalterliche Entdeckungstour und durfte sich eine Nacht wie ein Schlossherr fühlen.

    Haben Sie Lust den Süden Brandenburgs während eines Kultururlaubes zu entdecken? Ein Kulturfan empfiehlt eine mittelalterliche Entdeckungstour und durfte sich eine Nacht wie ein Schlossherr fühlen.
    Ort: Jüterbog

1. Tag
Vormittags

Kultur in Brandenburg ist natürlich viel mehr als die Schlösser in Potsdam und Rheinsberg. Für ein Wochenende hatte ich mir eine Tour in den Südwesten Brandenburgs ausgesucht. Auf dem Plan standen Jüterbog, Schloss Wiepersdorf, Luckau und die Glashütte Baruth.

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Kulturtour in den Süden Brandenburgs Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

In Jüterbog könnte jederzeit sofort ein Mittelalterfilm gedreht werden. Und es müssten keine Kulissen gebaut werden. Alles schon da! Stadtmauer, Wehrtürme und Stadttore. Ein kleiner Stadtspaziergang ist eine Zeitreise zurück ins Mittelalter. Kurz vor Jüterbog liegt Kloster Zinna: Das Ensemble ist eine Augenweide und die Klosterkirche gerade frisch restauriert worden (man merkt, das Reformationsjubiläum wirft seine Schatten voraus).

Die Türme der Nikolaikirche sind der Wegweiser in der Stadt (warum die Kirche zwei verschiedene Türme hat, wird in der Kirche verraten). Das prächtige Bauwerk kann mit einigen Superlativen aufwarten. Hier steht die kleinste Orgel Brandenburgs, zu Himmelfahrt lässt die Kirchengemeinde eine Jesusfigur in den Himmel fahren und dann ist natürlich der berühmt-berüchtigte Kasten, in dem der Ablasshändler Tetzel sein Geld zu bunkern pflegte. Obwohl nicht ganz geklärt ist, ob die Kiste wirklich als "Tetzelkasten" diente. Das Ungetüm steht in der Marienkapelle und hat die Jahrhunderte ganz unbeschadet überstanden. Auch ein kleines Wunder.

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Kulturtour in den Süden Brandenburgs Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

Den Marktplatz beherrscht das Rathaus. Es ist das älteste in Brandenburg – und die Jüterboger sagen auch das schönste. Das mögen andere beurteilen, aber imposant ist es schon. Das 500 Jahre alte Möchenkloster ist das kulturelle Zentrum der Kleinstadt im Fläming. Heute sind hier die Touristinformation, die Bibliothek und das städtische Museum untergebracht. Zu einer mittelalterlichen Stadt gehörte auch eine zünftige Stadtmauer mit mächtigen Wehrtürmen. Beides ist in Jüterbog besonders gut erhalten.

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Kulturtour in den Süden Brandenburgs Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann
Mittags

So ein Gang durch die Geschichte macht hungrig. Direkt am Marktplatz liegt das Café „Die Förste“. Hier gibt es leckere Gerichte für den kleinen Hunger. Wer etwas mehr auf dem Teller mag, dem sei das Herrmann’s empfohlen. Die Brüder Benjamin und Björn Barthel kochen hier und es gibt echten Büffelmozarella aus Brandenburg. Irgendwann ist auch die schönste Mittagspause vorbei und meine nächste Station ruft.

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Kulturtour in den Süden Brandenburgs Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

Video: Radfahren und Kultur erleben in Brandenburg

Nachmittags

Schloss Wiepersdorf ist einer „der“ Orte in der deutschen Literaturgeschichte. Bettina von Arnim und ihr Mann Ludwig Achim waren das Dichterpaar der Romantik.

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Kulturtour in den Süden Brandenburgs Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

Die beiden waren 20 Jahre verheiratet, lebten die meiste Zeit aber getrennt und unterhielten sich in Briefen. Das ist auch heute noch spannend zu lesen! Höchste Zeit, dort einmal vorbeizuschauen. Als ich ankomme, zeigt das Thermometer fast dreißig Grad. Der wunderbare Park mit seinen alten Bäumen spendet erst einmal wohltuenden Schatten. Ich bin ganz allein. Nur Vogelgezwitscher unterbricht die Stille.

Ich laufe durch den Park, den der Maler Achim von Arnim-Bärwalde anlegte. Statuen aus der griechisch-römischen Sagenwelt und große Vasen säumen die Wege. Im Schloss gibt es eine kleine Ausstellung mit Möbeln, Gemälden und Originaldokumenten aus der Zeit der von Arnims. Bevor es weitergeht, will ich aber die Atmosphäre dieses Ortes noch ein wenig auf mich einwirken lassen. Ein paar Minuten auf einer Bank am Schlossteich – und die Welt um mich herum vergessen. Ich könnte noch Stunden hier sitzen …

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Abends

Die Hälfte meiner Kultour ist absolviert. Von Schloss Wiepersdorf geht es in Richtung Luckau. Mein Quartier für die Nacht wird fürstlich sein - ich habe ein Zimmer im Schlosshotel Fürstlich Drehna gebucht. 

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Kulturtour in den Süden Brandenburgs Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

Mitten in einem 50 Hektar großen Park gelegen, ist das Schloss ein wahrhaft fürstlicher Anblick. Auf dem Gang zu meinem Zimmer steht eine Ritterrüstung. Gut bewacht werde ich also in dieser Nacht sein. Bevor der Tag zu Ende geht, mache ich noch einen kleinen Spaziergang durch den Park.

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2. Tag
Vormittags

Ich habe geschlafen wie ein Schlossherr und beginne den Tag mit einem Spaziergang in der Morgenkühle. Wann mache ich das schon einmal in Berlin? Nach einem prächtigen Frühstück im Schloss mache ich mich schweren Herzens auf in Richtung Luckau.

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Kulturtour in den Süden Brandenburgs Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

Die Entscheidung aufzustehen, war aber doch die richtige: die kleine Stadt am Rand des Spreewalds empfängt mich nämlich mit einer tollen historischen Altstadt. Am Marktplatz mit dem Hausmannsturm und der Georgenkapelle reihen sich die wunderbar restaurierten Häuser aneinander. Ein Maibaum reckt sich in die Höhe. Über die Dächer lugt der Turm von St. Nikolai. Bevor ich aber in die große Kirche gehe, muss ich noch schnell zum Bäcker. Aber nicht irgendeinem Bäcker, sondern in die Bäckerei & Konditorei Klinkmüller. Das Gebäck aus der Familienbackstube ist legendär.

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Kulturtour in den Süden Brandenburgs Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

Eine der bedeutendsten Kirchen

Nachdem die Einkäufe getätigt sind, geht es nun in die Nikolaikirche. Sie ist eine der größten Hallenkirchen Brandenburgs und gehört zu den bedeutendsten Kirchenbauten des Mittelalters in Berlin und Brandenburg. Der gewaltige gotische Bau entstammt verschiedenen Bauphasen vom 13. bis 15. Jahrhundert und hat sogar mehrere Stadtbrände überstanden.

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Kulturtour in den Süden Brandenburgs Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann
Mittags

Die jüngste Sehenswürdigkeit der Stadt ist die Kulturkirche. Die ehemalige Klosterkirche wurde bis 2005 als Gefängnis genutzt (prominentester Insasse war Karl Liebknecht). Heute befinden sich das Niederlausitz-Museum und die Touristinformation in der Kulturkirche. Gleich gegenüber noch ein Novum: das Museum für Humor & Satire im Erdgeschoss des früheren Gefängnisses. Sozuagen ein Hochsicherheitstrakt für Humor. Das Cartoonmuseum ist das einzige in Brandenburg und Berlin! Die Ausstellungen wechseln häufig, da lohnt es sich, häufiger vorbeizuschauen.

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Kulturtour in den Süden Brandenburgs Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann
Nachmittags

Auf der Rückfahrt nach Berlin fahre ich auf der Autobahn an einem Schild „Glashütte Baruth“ vorbei. Gehört hatte ich schon davon. Ich fahre kurzerhand von der Autobahn. Die Glashütte Baruth ist Technikgeschichte und Naturerlebnis auf einem Fleck.

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Kulturtour in den Süden Brandenburgs Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

In seiner dreihundertjährigen Geschichte entstanden Ofenhallen, Schleiferei, Gasgenerator, Schule, Gasthof, Kegelbahn, Arbeiterhäuser und Glasmachergärten in einer großzügigen Anlage. Meine erste Station ist der „Alte Dorfkonsum“ gegenüber des Gasthof Reuner. Es gibt ofenfrisches Brot mit Schmalz und Gurke und eine Tasse Kaffee. Es muss nicht immer Haute Cuisine sein! 

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Kulturtour in den Süden Brandenburgs Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

Ein Dorf voller Kunsthandwerk

Auf dem Naturlehrpfad kann man die Glashütte Baruth einmal umrunden. Eine kurze Strecke laufe ich und komme hinter dem Museum mit dem Schornstein raus. Hier gibt es auch mehr über den berühmtesten Einwohner von Glashütte zu erfahren: Reinhold Burger, der Erfinder der Thermoskanne.

Heute leben Glasmacher, Glasbläser, Kunsthandwerker und Künstler in dem Dorf, in demFans von Glaskunst und Keramik sicherlich etwas für den eigenen Hausstand finden. Es gibt aber auch einen Kräuterladen, einen Puppendoktor, ein Leinenkontor und einen Laden für Spielzeug und Schmuck. Beim Streunen durch die Häuser vergeht die Zeit wie im Flug.

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Kulturtour in den Süden Brandenburgs Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

Kaffee aus selbstgetöpferten Geschirr

Am idyllischen Dorfanger betreibt Axel Rottstock mit seiner Frau das Café Potteria. Die beiden sind vor Jahren aus Berlin hergezogen – und haben es nicht bereut. Der Kaffee und Kuchen wird mit dem selbst getöpferten Geschirr kredenzt. Das wird mein letzter Stopp in der Glashütte. Für dieses Mal. Wiederkommen werde ich auf jeden Fall. Schließlich gibt es da am Jahresende wieder ein Fest, für das Geschenkideen immer gern gesehen sind.

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Kulturtour in den Süden Brandenburgs Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

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