• Holzskulptur, Foto: Anna Tkatsch
    Ort: Eberswalde

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Der Forstbotanische Garten in Eberswalde
Dinosaurier-Wald mit urzeitlichen Gewächsen

06. Mai 2015 von Matthias Schäfer

Früher stand Eberswalde für Industrie. Heute ist die Stadt geprägt durch die Lage am Finowkanal sowie die waldreiche Natur ringsherum. Und der Forstbotanische Garten ist ein zentraler Bestandteil davon. Eingebettet in das reizvolle Schwärzetal, unweit des Eberswalder Zoos gelegen, bietet der 1830 von Friedrich Wilhelm Leopold Pfeil gegründete Garten eine ideale Kombination aus Erholung und Naturkunde.

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Eingangstor Forstbotanischer Garten Eberswalde Foto: TMB-Fotoarchiv/Matthias Schäfer

Gerade im Frühjahr sind aromatische Düfte der verschiedenen Blüten ein ständiger Wegbegleiter. Überall blüht und grünt es im Forstbotanischen Garten in Eberswalde. Wer das rote Eingangstor passiert hat, dem öffnet sich ein weites Wegenetz durch die Anlage, sodass es Besuchern schwer fällt, eine Richtung einzuschlagen. In jeder Ecke lockt ein Baum, ein Stein oder eine Skulptur, die betrachtet werden wollen.

Außerdem gibt es hier spezielle Areale wie zum Beispiel das Ostasiaten-Quartier mit dem charakteristischen Pavillon oder das Alpinum, welches Einblicke in andere geographische Pflanzenarten gibt. Das Alpinum - auch Steingarten genannt - besteht seit 1997. In diesem hügeligen Abschnitt des Gartens sind Pflanzen zu finden, die typischerweise in den Alpen vorkommen.

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In einem hügeligen Abschnitt – dem so genannten Alpinum – wachsen verschiedene Pflanzen, die typisch für die Alpenregion sind – zum Beispiel die rosa blühende Schnee-Heide. Foto: Anna Tkatsch

Der Forstbotanische Garten im Barnimer Land wurde 1830 gegründet, als Friedrich Wilhelm Leopold Pfeil mit Unterstützung von Wilhelm von Humboldt beschloss, die Forstakademie von Berlin nach Eberswalde zu verlegen. Er wurde als Lehrgarten geführt und sollte den Studierenden auf anschauliche Weise die Kenntnis von heimischen und fremdländischen Gehölzen näherbringen.

„Forstwissenschaftler Friedrich Wilhelm Leopold Pfeil ist zunächst viel in der Region um Berlin herum gefahren und hatte sich schließlich für die Stadt Eberswalde wegen ihres Waldreichtums als Standort der Forstwissenschaftlichen Fakultät entschieden. Darüber hinaus trug wohl die verkehrsgünstige Lage der Stadt an der Eisenbahnstrecke Berlin-Stettin für die Standortwahl bei“, erklärt Harald Schill, Direktor des Forstbotanischen Gartens und Professor für Botanik an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung (HNE) in Eberswalde.

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Blühender Rhododendron hinter einer Skulptur aus Holz Foto: Anna Tkatsch

Auch heute dient der Forstbotanische Garten, der zu den ältesten in Europa zählt, der Forstwissenschaft und Hochschullehre an der HNE. Ein Besuch ist aber nicht nur für Studierende, Wissenschaftler und Fachleute lohnend, sondern auch für Ausflügler wird ein Gartenrundgang zu einem bleibenden Naturerlebnis.

Und dazu zählen insbesondere die Riesenschachtelhalme.„Ungewöhnlich groß ist dieses Vorkommen hier. Diese urzeitlichen Gewächse von bis zu zwei Metern Höhe vermitteln gerade bei Kindern den Eindruck, als würden sie sich in einem ,Dinosaurier‘-Wald befinden“, sagt Harald Schill. Sie sind im unteren Teil des Hanges und auf der großen Feuchtwiese in der Nähe der Schwärze zu finden.

„Diese Art ist bei uns besonders selten, und hier in unserem Forstbotanischen Garten haben wir eines der wenigen natürlichen Vorkommen.“ Der Schachtelhalm-Wald gibt Besuchern eine Vorstellung davon, wie vor Millionen Jahren diese Gewächse ganze ausgedehnte Wälder bildeten.

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Der sogenannte Wurzelkeller ist das zentrale Gebäude inmitten des Forstbotanischen Gartens. Foto: TMB-Fotoarchiv/Matthias Schäfer

In der warmen Jahreszeit steht im Forstbotanischen Garten sogar eine Palme. Doch diese muss zum Überwintern in ein Gewächshaus. Sie würde die mitunter sehr kalten brandenburgischen Winter mit bis zu minus 20 Grad Celsius sonst nicht überstehen. Eine weitere Besonderheit des Forstbotanischen Gartens ist der sogenannte Wurzelkeller. Es handelt sich dabei um das zentrale Gebäude inmitten des Gartens. Es ist halb in einen Hügel hineingebaut. Auf seinem Dach wachsen verschiedene Gehölze, deren Wurzeln bis in das Innere des Gebäudes ragen und dank Glaswänden betrachtet und studiert werden können.

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Auf dem Dach des Wurzelkellers wachsen verschiedene Gehölze, deren Wurzeln bis ins Innere des Gebäudes reichen. Foto: TMB-Fotoarchiv/Matthias Schäfer

Insgesamt wachsen im Forstbotanischen Garten auf einer rund acht Hektar großen Fläche 1.200 verschiedene Gehölze. Damit beherbergt er eine umfangreiche Sammlung einheimischer und fremdländischer Bäume und Sträucher. Ebenso seltene, heimische, vom Aussterben bedrohte Pflanzen sind hier zu finden. „Deutschlandweit gibt es gerade mal ein halbes Dutzend an Forstbotanischen Gärten. Darunter der in Tharandt bei Dresden sowie die in Göttingen und Freiburg“, sagt Harald Schill. Und nicht alle liegen so zentral wie der in Eberswalde. In unmittelbarer Nähe des Zoos und dank guter Bahnanbindung ist er somit besonders gut für Besucher ohne eigenes Auto erreichbar.

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Bei einer Führung durch den Forstbotanischen Garten erfahren Besucher, dass sich die Nadeln der Douglasie auch für einen leckeren Tee eignen. Foto: Stiftung WaldWelten

Ein Anlass, mal wieder nach Eberswalde zu fahren, ist zum Beispiel der „Tag der Sortenvielfalt“ in jedem Frühjahr. Unter dem Motto „Vielfalt der Nutzpflanzen“ präsentieren an diesem Tag Händler, Hobbygärtner und Vereine ihre Pflanzen-, Sorten- und Farbenvielfalt, und das alles umrahmt von der blühenden Kulisse des Forstbotanischen Gartens. Und im Winter lockt Mitte Dezember die WaldWeihnacht hier her – dann ist der Garten wunderbar erleuchtet, Waldgeister und Feen huschen vorbei und als krönenden Abschluss gibt es eine Feuershow.

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