• Kornfeld in der Uckermark, Foto: TMB-Fotoarchiv/Matthias Schäfer Kornfeld in der Uckermark, Foto: TMB-Fotoarchiv/Matthias Schäfer
    Ort: Joachimsthal

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Abkühlung im Buchenwald Mit dem Rad von Berlin nach Usedom

16. Juli 2015 von Matthias Schäfer

Fast 600 Hektar Fläche bedecken sie - die Buchenwälder im Grumsin. Damit zählen sie zu den größten noch zusammenhängenden Buchenwäldern Deutschlands. Wer diese urwüchsige Waldlandschaft mit ihren Sümpfen, Mooren und Seen erleben möchte, schwingt sich am besten auf's Rad und fährt eine Etappe auf dem Radweg Berlin-Usedom. Start ist der Bahnhof Joachimsthal in der Schorfheide.

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Buchenwald Grumsin Foto: TMB-Fotoarchiv/Inka Chall

Raus auf's Land

Endlich ist der Sommer da. Wir stehen in Berlin-Lichtenberg auf dem Bahnhof und warten auf den Zug in Richtung Eberswalde. Es ist morgens, kurz nach halb neun, und schon zeigt das Thermometer fast 20 Grad Celsius, so dass einige von unserer kleinen Vierer-Radlergruppe bereits auf dem Weg zum Bahnhof tüchtig ins Schwitzen kommen. Doch die Züge der Ostdeutschen Eisenbahn haben Klimaanlagen. So erreichen wir auf unserer Fahrt über Bernau und Eberswalde nach etwas mehr als einer Stunde erfrischt und mit kühlem Kopf den Startpunkt unserer Radtour in Joachimsthal. Dank der nun doppelt so langen Triebwagen haben wir unsere Räder bequem im Zug unterbringen können.

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Glatter Asphalt, hügelige Landschaft: Der Fernradweg Berlin-Usedom zwischen Peetzig und Steinhövel. Foto: TMB-Fotoarchiv/Matthias Schäfer

Duft von Kiefernnadeln

Sofort nach dem Aussteigen genießen wir die warme Sommerluft und den Geruch von Kiefernnadeln. Der kleine Ort Joachimsthal mit seinen rund 3.300 Einwohner - eingebettet zwischen Werbellin- und Grimnitzsee - ist das Tor zum Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin. Es umfasst eine Fläche von fast 1.300 Quadratkilometern und wurde im September 1990 - einen Monat vor der deutschen Einheit - von der DDR-Volkskammer unter Schutz gestellt. Heute zählt das Gebiet zu den größten Schutzgebieten Deutschlands.

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Marina am Werbellinsee Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

Auf ungewöhnlichem Pflaster durch den Barnim

Gleich hinter dem Bahnhofsgebäude erblicken wir die Wegweiser zum Radweg Berlin-Usedom und unserer rund 41 Kilometer langen Etappe nach Warnitz am Oberuckersee. Zunächst geht es in der angenehm kühlen Vormittagsluft über eine wenig befahrene Landstraße durch den Wald Richtung Parlow, bevor sich eine schöne alte Allee anschließt. Früher war diese komplett mit Feldsteinen gepflastert. Doch damit die Tour nicht gleich zur Tortur wird, wurden rechts und links Streifen asphaltiert und nur in der Mitte das historische Pflaster erhalten. Eine ungewöhnliche, aber für Radfahrer sehr angenehme Lösung.

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Radler-Infopunkt in Glambeck: Im restaurierten Taubenturm befindet sich ein kleines Museum. Foto: TMB-Fotoarchiv/Matthias Schäfer

Glambeck: Konzerte am Ende der Welt

Weiter geht es nach Glambeck. Wer eine erste Rast einlegen möchte, besucht die direkt an der Strecke liegende Dorfkirche. Die 1708 erbaute Kirche ist eine von wenigen Fahrradkirchen in Brandenburg und hat immer geöffnet. Im Sommer sitzen Radler, Wanderer und Konzertbesucher auf den Bänken und lassen sich den selbstgebackenen Kuchen schmecken. Das Fachwerkgebäude zählt zu den kleinsten Dorfkirchen Brandenburgs und war bis 1979 wegen Einsturzgefahr gesperrt. Heute erstrahlt das Haus in neuem Glanz und ist Schauplatz der Glambecker Konzertreihe, die es schon seit 1998 gibt.

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Moor-Landschaft am Radweg Joachimsthal-Warnitz in einem Buchenwald, dem Grumsin: Der Wald gehört zum UNESCO-Weltnaturerbe. Foto: TMB-Fotoarchiv/Matthias Schäfer

Auf der Suche nach Schnitzel mit Pommes

Hinter Glambeck streifen wir den nördlichen Rand der Buchenwälder des Grumsin, die zum UNESCO Weltnaturerbe gehören. Sie bedecken eine Fläche von rund 600 Hektar und zählen damit zu den größten noch zusammenhängenden Buchenwäldern Deutschlands. Gerade an heißen Tagen ist die Luft hier unter den hohen Bäumen und zahlreichen Mooren besonders schön kühl. Nach wenigen Kilometern blitzt das Wasser des Wolletzsees zwischen den Buchen hindurch.

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Buchenwald Grumsin Foto: TMB-Fotoarchiv/Jan Hoffmann

Rast im KaffeeKonsum

Von nun an verläuft die Strecke direkt am See entlang bis nach Wolletz. Kurz vor dem Ort müssen wir noch mal kräftig in die Pedale treten. Wer danach eine Pause braucht und Appetit auf ein zweites Frühstück hat, kehrt am besten im KaffeeKonsum ein. In dem ehemaligen DDR-Laden für "Waren des täglichen Bedarfs" gibt es heute unter anderem hausgemachten Kuchen. Wer es lieber herzhaft mag, bestellt sich eine würzige Wildbratwurst - frisch hergestellt von Wildschweinen aus den Wolletzer Wäldern.

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KaffeeKonsum Foto: TMB-Fotoarchiv/Matthias Schäfer

Wir entschließen uns weiter zu fahren und hoffen auf eine nächste Gaststätte, die Schnitzel mit Pommes im Angebot hat. So fahren wir in Richtung Steinhövel - vorbei an rund einem Dutzend Fischteichen in der Nähe von Angermünde. Es ist still - sehr still. Wir genießen die Ruhe, die nur ab und an in der Ferne durch das Rauschen eines vorbeifahrenden Zuges unterbrochen wird. Von hier an verläuft die Route zwischen den Teichen gen Norden zum Großen Peetzigsee, wo gerade die Stände für ein Fest der Freiwilligen Feuerwehr aufgebaut werden - Schnitzel leider Fehlanzeige.

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"Achterbahnfahrt" nach Steinhövel

Dafür werden wir mit dem Anblick der wunderbar hügeligen Landschaft in der Uckermark entschädigt, die unseren Hunger vergessen lässt. Die vielen Hügel merken wir auch beim Strampeln. Kaum rasen wir bergab, geht es auch schon wieder bergauf. Bis nach Steinhövel verläuft der gut asphaltierte Weg regelrecht wie eine Achterbahn. Am Ortsende biegt der Radweg rechts ab und wird zu einem zweistreifigen Betonplattenweg. Doch nach wenigen Metern ist der bislang gut ausgebaute Radweg zu Ende. Was folgt ist eine Schotterpiste, die teilweise grob gepflastert ist und viele Schlaglöcher hat. An manchen Stellen müssen wir sogar äußerst vorsichtig um Pfützen herumfahren.

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Romantischer Ausblick: Bäume und Wolken spiegeln sich im Wolletzsee. Foto: TMB-Fotoarchiv/Matthias Schäfer

In der hügeligen Landschaft der Uckermark wird die Radpartie zur "Achterbahnfahrt". Doch in Stegelitz liegt das Gröbste hinter uns und unsere Räder rollen auf Betonsteinplatten oder Schotter zu unserem Zielort Warnitz, wo wir hinter dem Bahnhof endlich eine Gaststätte finden. Nach dieser Berg- und Talfahrt haben wir uns das Schnitzel mit Pommes wirklich verdient.

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Das erlebt man auf der 3. Etappe des Radweges Berlin-Usedom


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