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  • Blick auf das Dorf Neuküstrinchen im Oderbruch,
        
    

        Foto: TMB-Fotoarchiv/Matthias Schäfer Blick auf das Dorf Neuküstrinchen im Oderbruch, Foto: TMB-Fotoarchiv/Matthias Schäfer
    Ort: Bad Freienwalde (Oder)
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TMB Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH

Fontane 200 Mit dem Rad zu Fontane-Orten im Oderbruch

13. Mai 2019 von Matthias Schäfer

Es ist eine Reise bis an den östlichsten Rand von Brandenburg. Unweit der Grenze zu Polen liegt das Oderbruch. Riesige Felder, stille Wiesen, durchzogen von Wassergräben, dazwischen ein paar niedrige Büsche soweit das Auge reicht. Das frühere Sumpfgebiet ließ einst der Alte Fritz trocken legen und von neuen Bewohnern besiedeln. Das lässt sich auch heute noch an vielen Ortsnamen erkennen: Sie heißen Neureetz, Neulietzegöricke oder Neuküstrinchen, um nur einige zu nennen. So ungewöhnlich wie manche Dorfnamen hier klingen, so eigensinnig ist auch die flache, weite Landschaft, die bestens mit dem Fahrrad erkundet werden kann.

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Idyllisch fließt die Alte Oder zwischen Wriezen und Bad Freienwalde, die auch mit dem Kanu erkundet werden kann. Alte Oder bei Schiffmühle, Foto: TMB-Fotoarchiv/Matthias Schäfer

Von Bad Freienwalde nach Schiffmühle

Der Zug bringt mich in etwas mehr als einer Stunde von Berlin über Eberswalde bis nach Bad Freienwalde. Es ist der älteste Kurort Brandenburgs, der zwischen den Ausläufern des hügeligen Barnims und des flachen Oderbruchs liegt. „Hübsches Wort für hübschen Ort“, schrieb Theodor Fontane einst in seinen Wanderungen über „die Bergstadt im Oderland“.

Von Bad Freienwalde aus trete ich in die Pedale und folge den Wegweisern des Theodor-Fontane-Radweges in Richtung Schiffmühle, der mit dem violett-farbenen Kürzel TF gekennzeichnet ist. Gleich nachdem ich die Brücke über die Wriezener Alte Oder überquert habe, halte ich mich links und lese den Hinweis „Fontanehaus“. Hier im Ortsteil Schiffmühle lebte zwischen 1855 und 1867 Theodor Fontanes Vater. Louis Henri Fontane war Apotheker und verbrachte dort, getrennt von seiner Frau, seinen Lebensabend bis zu seinem Tod 1867.

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Das Fontane-Haus in Schiffmühle bei Bad Freienwalde war einst das Wohnhaus seines Vaters Louis-Henri Fontane – heute ist es ein Museum. Fontanehaus Schiffmühle, Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann
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„Ich besuchte ihn alle Jahr einmal“, schrieb Theodor Fontane in seinem autobiographischen Roman „Meine Kinderjahre“. Zuletzt war er im Sommer 1867 in der ehemaligen Schifferkolonie gewesen – „an dem träg vorüberschleichenden und von gelben und weißen Mummeln überwachsenen Flusse“.

Sein Grab liegt hoch oben über dem Ortsteil Neutornow auf dem kleinen Bergfriedhof am Fuße der kleinen Dorfkirche. Fast wäre ich an dem Weg zu seiner Begräbnisstätte vorbei geradelt. Doch im letzten Augenblick fällt mir eine unscheinbare Tafel auf, die mir den Weg über eine verwunschene Treppe hinauf zu seinem Grab weist. Nach einem kurzen Aufstieg öffnet sich der weite Blick über das Oderbruch bis hin zu den hügeligen Ausläufern des Barnims. Und dann liegt es mir zu Füßen: das Grab von Henri Fontane. Gleich daneben lese ich auf einer Tafel ein Gedicht von Theodor Fontane; über den Vater heißt es dort:

„Und ein andrer Platz, dem verbunden ich bin:
 Berglehnen, die Oder fließt dran hin,
 Zieht vorüber in trägem Lauf,
 Gelbe Mummeln schwimmen darauf.
 Am Ufer Werft und Schilf und Rohr,
 Und am Abhange schimmern Kreuze hervor,
 Auf eines fällt heller Sonnenschein –
 Da hat mein Vater seinen Stein.“

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Schiffmühle: Neue Ausstellung im Fontanehaus

Unscheinbar und klein ist das Fachwerkhaus, das Theodor Fontanes Vater Louis Henri hier im Jahre 1855 erwarb. Bis zu seinem Tod 1867 war das kleine Haus sein Lebensmittelpunkt; in die Weltliteratur ging es durch Theodor Fontanes Beschreibung in den „Kinderjahren“ ein. Ein Exemplar der Erstausgabe ist in der neu gestalteten Ausstellung im Fontanehaus zu sehen!

Für die neue Ausstellung wurden die Wohn- und Schlafkammern sowie die Küche in moderne Museumsräume verwandelt. In der Wohnstube sind die Möbelstücke an die Wand gemalt. So bekommt der Besucher einen kleinen Eindruck, wie es im Hause Fontane ausgesehen hat. Im Haus gibt es neben Alltagsgegenständen und Heimatliteratur auch die Küche von Haushälterin Luise Papke zu bestaunen, die berühmt war für ihre Schweigsamkeit aber auch für ihren Eierkuchen und vor allem den wohlschmeckenden Kaffee. 

Beim Verlassen fällt ein Schriftzug über der Tür ins Auge: "Nun lebe wohl und lass dich noch mal sehen". Das waren die Worte von Louis Fontane an seinen Sohn bei seinem letzten Besuch in Schiffmühle.

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Wegweiser an der Kirche von Neutornow Fontane-Wegweiser in Neutornow, Foto: TMB-Fotoarchiv/Matthias Schäfer

Von Neutornow nach Neulietzegöricke

Nach einer kurzen Pause unter den Schatten spendenden Bäumen setze ich meine Tour fort. Von Neutornow bis nach Neuküstrinchen sind es knapp neun Kilometer. Es sind nicht die einzigen Orte, welche die Silbe „Neu“ im Ortsnamen tragen. Allesamt sind es ursprünglich königliche Kolonistendörfer, die nach Trockenlegung des Oderbruchs durch den preußischen König Friedrich II. (Friedrich der Große) zwischen 1747 und 1762 neu entstanden sind. Die ersten Siedler in dieser Gegend wurden einst gezielt außerhalb Preußens mit Vergünstigungen angelockt. An die meist aus der französischsprachigen Schweiz stammendenden frankophonen Bewohner erinnern heute noch die Ortsnamen Beauregard, Croustillier und Vevais. Auch Theodor Fontane schrieb darüber in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ in dem Band „Das Oderland“.

Ich schwinge mich wieder auf mein Rad und fahre Richtung Oder. Der Wind frischt auf je näher ich dem Wasser komme und sorgt für etwas Abkühlung, denn die Mittagssonne brennt unermüdlich vom Himmel. Ein guter Sonnenschutz ist unerlässlich, weil schattenspendende Bäume sind im Oderbruch eher rar gesät. Dann habe ich das östlichste Ende von Deutschland erreicht. Zeit für eine kleine Mittagspause in der Dammmeisterei in Zollbrücke direkt hinter dem Deich gelegen.

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Blick auf das Dorf Neuküstrinchen im Oderbruch Blick auf Neuküstrinchen im Oderbruch, Foto: TMB-Fotoarchiv/Matthias Schäfer

Wer Lust auf Kultur hat und zwischen Donnerstag und Sonntag hier ist, dem sei ein Besuch des „Theaters am Rand“ empfohlen, das im Laufe der Jahre immer weiter gewachsen ist. Einst gab es nur eine winzige Bühne in einem alten Fachwerkhaus. Heute ist das Areal um viele Quadratmeter größer geworden – mit Open-air-Bühne, einem Freiluft-Restaurant und einer großen Wiese mit blauen Holzbänken, von wo aus man das satte Grün des Oderbruchs im Blick hat.

Dann lese ich den Hinweis auf einen Ziegenhof in Zollbrücke, der nur 500 Meter weit entfernt liegen soll. Kurzer Hand entschließe ich mich zu einem Abstecher dorthin und lerne den Inhaber Michael Rubin kennen. Ein waschechter Brandenburger, der seit 1998 mit seinen insgesamt 200 Ziegen im Oderbruch lebt. Neben Ziegenkäse gibt es hier auch Eis aus Ziegenmilch. Genau das richtige für mich an diesem heißen Tag. Das Besondere: Das Eis gibt es wie zu DDR-Zeiten in einer Waffel in Muschelform. Äußerst praktisch! Zwei Eiskugeln finden dazwischen genügend Platz, es tropft nicht und die Finger werden nicht klebrig. Geniale Erfindung!

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Das „Theater am Rand“ in Zollbrücke: Inzwischen hat sich die Spielstätte weit über die Wiesen des Oderbruchs ausgedehnt. Theater am Rand in Zollbrücke, Foto: TMB-Fotoarchiv/Matthias Schäfer

Von Zollbrücke nach Groß Neuendorf

Mich zieht es danach weiter in das zuerst besiedelte Dorf Neulietzegöricke. Es ist Zeit für eine weitere Pause und so finde ich das von Martina Herrlich-Gryzan betriebene Kolonisten-Kaffee genau zur richtigen Zeit. Unter einer Birke lasse ich mir den hausgemachten Käsekuchen und einen grünen Tee genüsslich schmecken und plane die nächste Station meiner Tour.

Nach Groß Neuendorf radele ich weiter, durch den ebenso der Oder-Neiße-Radweg führt. Schon von weitem sehe ich den alten Verladeturm der ehemaligen Hafenanlage samt Bahnhof, der bis 1973 an das Netz der Oderbruchbahn angebunden war. Von hier aus wurde Getreide auf die Bahn sowie Schiffe umgeschlagen und zum Teil bis nach England transportiert. An diese industrielle Zeit erinnern fünf dunkelgrüne Güterwaggons, in denen man heutzutage übernachten und speisen kann. Es gibt wohl kaum schönere Fensterplätze am Wasser als diese. Eine kleine Attraktion sind zudem ein kleines Theater mit 28 Sitzplätzen in einem der Waggons sowie die beiden Schaukeln, die zwischen dem Verladeturm und Maschinenhaus hängen.

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Das Kolonisten-Café in Neulietzegöricke Kolonistencafé Neulietzegöricke, Foto: TMB-Fotoarchiv/Matthias Schäfer

Von hier aus führt mich der Theodor-Fontane-Radweg weiter nach Kienitz. Das kleine Dorf an der Oder erinnert bis heute mit einem alten sowjetischen Panzer an die Befreiung des Ortes vom Faschismus nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Nach kurzem Aufenthalt setze ich meine Reise über Letschin fort und fahre danach bis nach Altlewin. Ein wirklich sehr beschaulicher Ort, an dem man unbedingt anhalten sollte. Das Ensemble mit der kleinen Backsteinkirche und dem daneben liegenden Dreiseitenhof sowie das alte Schmiedegehöft stehen heute unter Denkmalschutz. Wer sich stärken möchte, findet eine reichhaltige Auswahl an Wild- sowie Fischgerichten im Restaurant „Alter Fritz“.

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Dieses romantische Ensemble aus Kirche und Gehöft in Altlewin steht unter Denkmalsschutz und ist unbedingt einen Besuch wert. Kirche in Neulewin, Foto: TMB-Fotoarchiv/Matthias Schäfer

Von Altlewin nach Kunersdorf

Ich mache mich auf zu meiner letzten Station im Oderbruch – nach Kunersdorf. Diesem Ort kurz vor Wriezen hat Theodor Fontane sogar ein ganzes Kapitel in seinen „Wanderungen“ gewidmet. Die Grabkolonnade, der Schlosspark, die Kirche sowie das Chamisso-Literaturhaus im Kunersdorfer Musenhof bilden ein einzigartiges Dorfensemble des Klassizismus. Der Musenhof gehörte damals zu den geistig kulturellen Zentren der Mark. Adalbert von Chamisso schrieb hier 1813 die Novelle „Peter Schlemihls wundersame Geschichte“.

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Die Kirche in Kunersdorf Kirche in Kunersdorf im Oderbruch, Foto: TMB-Fotoarchiv/Matthias Schäfer

Von Kunersdorf aus sind es über Vevais bis nach Wriezen nur noch rund sieben Kilometer. Von dort aus bringt mich die Bahn nach einer abwechslungsreichen Tour durch das Oderbruch über Eberswalde zurück nach Berlin.

 

Weitere Informationen:

Gesamtlänge der Radtour: rund 83 Kilometer

Anreise per Bahn: von Berlin bis Eberswalde, dort umsteigen in Regionalbahn bis Bad Freienwalde

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Die Grabkolonnaden am Schlosspark in Kunersdorf Grabkolonnaden in Kunersdorf, Foto: TMB-Fotoarchiv/Matthias Schäfer

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