Für diese Tour begeben wir uns quasi auf heiligen Boden. Die Prignitz war im Mittelalter ein Ort der Wallfahrer. Tausende Pilger zogen hierher. Die Wunderblutkirche in Bad Wilsnack kündet davon bis heute. Rund um das Stift Heiligengrabe verläuft der Annenpfad. Auf der Wanderung geht es durch die Weite der Prignitz – genug Gelegenheit für ein Innehalten und die Gedanken schweifen zu lassen. Der Annenpfad ist eine meiner Empfehlungen für alle, die sich dem Pilgern hingezogen fühlen – und natürlich alle anderen, die nur gerne an der frischen Luft sind.
Annenpfad in der Prignitz,
Foto: TMB Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH/Frank Meyer
Prignitz: im Mittelalter ein Wallfahrts-Hotspot
Im Mittelalter zog es viele Menschen zu Wallfahrten in die Prignitz. Die Wunderblutkirche in Bad Wilsnack war das Ziel der Pilger. Im Sommer 1383 wurde der Ort niedergebrannt. In der Kirche fand man drei unversehrte Hostien, die Blutflecken aufwiesen. Für die Menschen ein Zeichen, das den Ort für über 100 Jahre zu einem der bedeutendsten Wallfahrtsorte in Mitteleuropa werden ließen. Von ebenso großer Bedeutung ist das Stift Heiligengrabe, an dem meine Tour auf dem Annenpfad startet. Die Anlage ist heute die einzige fast vollständig erhaltene Zisterzienserinnenanlage.
Hinkommen: Mit dem RE6 ab Berlin bis Heiligengrabe
Für unterwegs: Proviant einpacken! Die Tour auf dem Annenpfad kann an jedem der drei Hauptorte begonnen werden.
Auf dem Annenpfad: allein mit der Natur - und sich
Nach ein paar Tagen am Schreibtisch brauche ich immer den Perspektivwechsel. Und auf dem Annenpfad gelingt er wunderbar. Man läuft durch die Weite der Prignitz und hat genug Zeit, den eigenen Gedanken nachzuhängen. Nichts lenkt ab. Der Annenpfad verbindet die Wallfahrtskirchen in Heiligengrabe und Alt Krüssow mit der Dorfkirche in Bölzke. Der Annenpfad wurde 2011 eingeweiht und erinnert an die heilige Anna. Sie war im Spätmittelalter eine der meistverehrten Frauen. Der Legende nach ist sie die Großmutter Jesu.
Meine erste Runde auf dem Annenpfad habe ich 2018 gemacht. Damals wollte ich den Weg endlich einmal laufen, weil er schon lange auf meiner Wunschliste stand. Der 22 Kilometer lange Annenpfad startet und endet direkt am Bahnhof in Heiligengrabe. Nach ein paar Minuten geht es schon in den Wald und über die Felder in Richtung Wilmersdorf. Der Blick über die Felder ist Brandenburg pur. Und man ist mit sich und der Landschaft allein. Unterwegs gibt es immer wieder sogenannte Zählstellen. Wanderer können einen Stein in ein Fach legen, damit ermittelt werden kann, wie viele Wanderer auf dem Annenpfad unterwegs sind. Eine erste Zählstelle an einem kleinen Rastplatz gibt es kurz vor Wilmersdorf.
Kloster Stift Heiligengrabe: ein besonderer Ort
Hinter Wilmersdorf geht es weiter über die Felder nach Alt Krüssow. Nehmen Sie sich die Zeit, um das Panorama zu genießen. Mittelpunkt des Ortes ist die Wallfahrtskirche, die 1520 geweiht wurde und das kleine Dorf mit knapp 100 Einwohnern dominiert. Die Kirche wurde in der für die Prignitz typischen Bauweise aus Feldsteinen und Backsteinen errichtet. Nehmen Sie sich die Zeit, um sich die Kirche anzuschauen (Bitte vorher anmelden!).
Nach Alt Krüssow ist das nächste Ziel die Dorfkirche in Bölzke. Die Wanderung auf dem Annenpfad ist ein schöner Mix von Feldwegen, Abschnitten durch den Wald und über Wiesen. Wer später im Jahr unterwegs ist, findet auch den einen oder anderen Obstbaum am Wegesrand und kann sich zwischendurch stärken. Von Bölzke sind es etwa vier Kilometer bis zum Kloster Stift zum Heiligen Grabe. Machen Sie eine Runde über das Areal! Es ist ein Denkmal von nationaler Bedeutung. Auf dem Klostergelände stehen 18 Stelen, die durch die bewegte Geschichte des Klosterstifts führen. Im Taubenturm befindet sich eine Information zur Klostergeschichte, die jederzeit zugänglich ist.
Fazit: Der Annenpfad ist für mich ein richtig toller Wanderweg, der durch eine bezaubernde Landschaft führt und zugleich noch jede Menge Kulturgeschichte vermittelt. Die Strecke kann ich daher auch für alle empfehlen, die mit dem spirituellen Aspekt des Pilgerns nicht viel anfangen können.
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