Nach Bernau und Oranienburg ohne Barrieren
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  • Das Schloss Oranienburg,
        
    

        Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann Das Schloss Oranienburg, Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

    Barrierefrei nach Oranienburg und Bernau

    Haben Sie Lust auf einen barrierefreien Kultururlaub im Berliner Umland? Wir haben einen echten Kulturfan auf Entdeckungstour nach Bernau und Oranienburg geschickt.

    Haben Sie Lust auf einen barrierefreien Kultururlaub im Berliner Umland? Wir haben einen echten Kulturfan auf Entdeckungstour nach Bernau und Oranienburg geschickt.
    Ort: Oranienburg

1. Tag
Vormittags

Häufig sind es Hochglanzbroschüren und Fernseh- oder Rundfunkberichte, welche Anregungen für einen Ausflug oder Urlaub liefern - bei uns war es in diesem Fall ein Lied, das viele kennen. Ich meine die lustige und anschauliche Beschreibung einer Hochzeitsfeier, nämlich jener des "Zickenschulze aus Bernau". Warum also nicht auch einmal den Ort dieses Geschehens sehen und Bernau besuchen. Die Begegnung mit Bernau war für uns das Kennen lernen einer historischen, mittelalterlichen Stadt, die Anfang des 13. Jahrhunderts gegründet wurde.

Obwohl es in der Stadt auch Architektur der DDR-Zeit gibt, vermittelt vor allem die Altstadt das Gefühl des Mittelalterlichen. Bei unserer Ankunft mit der S-Bahn freuten wir uns darüber, dass zum Ausstieg auf dem Bahnhof keine weitere Hilfe erforderlich war. Der gut mit Rollstuhl zu befahrende Bahnhofsvorplatz bot uns den Blick auf eine fremde und erst einmal für uns recht unübersichtliche Stadt. Also folgten wir den Hinweistafeln zur Touristinformation. Diese ist, nächster Pluspunkt, ebenerdig zugänglich.

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In der Kirche St. Marien in Bernau. Rollstuhlfahrer vor Kirche , Foto: TMB-Fotoarchiv/Hartmut Smikac

Mit Informationsmaterial und einer Routenempfehlung für das Kennen Lernen der Stadt gut versorgt, setzten wir den Weg durch die Bürgermeisterstraße zum Marktplatz und der im Jahre 1519 geweihte spätgotische Kirche Sankt Marien fort. Sie gehört zu den bedeutendsten Gebäuden der Stadt. Außerhalb der Zeiten für Gottesdienste ist dieses beeindruckende Bauwerk für jeden zu besuchen. Der Zugang ist schwellenfrei möglich. Wer sich den Altarraum genauer ansehen möchte, kann, dank mobiler Schräge, auch das tun, und sich die Bilder des schönen Altaraufsatzes ganz aus der Nähe betrachten. Für den weiteren Weg hatten wir die Brauereistraße gewählt. Auch hier hat man als Rollstuhlnutzer keine Schwierigkeiten. Nur am Kirchplatz gibt es Kopfsteinpflaster und enge Bürgersteige, die das Vorankommen etwas erschweren.

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Nachmittags

Für den Nachmittag stand ein ausgiebiger Spaziergang entlang der Stadtmauer auf dem Programm. Sie ist in großen Teilen erhalten. Dieses Zeugnis des Mittelalters ist rund acht Meter hoch und noch ungefähr 1.300 Meter lang. Zu ihr gehörten einst 42 Lughäuser, zwei Rundtürme und drei Stadttore. Reste der Lughäuser sowie das mit dem Hungerturm verbundene Steintor, das Mühlentor und der Pulverturm sind erhalten. Dank des Bandes breiter Platten ist auch dieser Weg entlang der Stadtmauer gut mit Rollstuhl zu befahren. Schade, dass das Wolf-Kahlen-Museum nur im Parterre ebenerdig und das Heimatmuseum im Steintor sowie das Museum im Henkerturm nur für gehfähige Besucher zugänglich sind.

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Positiv: Der weg entlang der Stadtmauer ist sehr gut für Rollstuhlfahrer geeignet. Stadtmauer in Bernau, Foto: TMB-Fotoarchiv/Hartmut Smikac

"Die Mauer ist Teil eines früheren dreifachen Wall- und Grabensystems." Diese Zeile aus einer der Broschüren war uns noch rechtzeitig eingefallen und der Grund dafür, dass wir ein zweites Mal entlang der Stadtmauer wanderten - jetzt jedoch außerhalb des Stadtkern. Beginnend mit Goethe- und Külzpark sowie dem größeren Stadtpark sind diese Wallanlagen nämlich nun schöne und an vielen Stellen blühende Parks mit vielen Plätzen der Ruhe und bunten Blumenrabatten, die man unbedingt gesehen haben sollte - und für die auch wir uns etwas Zeit genommen haben.

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Das Steintor. Steintor in Bernau, Foto: TMB-Fotoarchiv/Hartmut Smikac

Den Tag ließen wir im "Café Herz" an der Stadtmauer mit einem Eisbecher ausklingen - übrigens mit Eissorten, die man noch nicht überall bekommt. Bei einem Kaffee ließen wir unsere Gedanken noch einmal durch die Stadt wandern: Vom Bahnhof zum Kaiserlichen Postamt und zur Adler Apotheke, einer Apotheke, die es bereits im 17. Jahrhundert gab. Gedanklich ging unser Spaziergang noch einmal von der Berliner Straße bis zu dem Brunnen mit den Tierfiguren am Rathaus.

Auf dem Fotoapparates schauten wir uns im Café noch einmal unsere Bilder des Steintors mit dem Hungerturm, des Mühlentors und des Pulverturms sowie des Turms der Kirche Sankt Marien an. Nicht zu vergessen natürlich das Kantorhaus in der Tuchmacherstraße, das älteste Wohnhaus der Stadt. Damit waren wir dann auch gedanklich wieder in jenem Teil der Stadt zwischen Berliner Straße und Stadtwall angekommen in dem sich auch dieses Café befindet - eine kleine Fläche mit Cafés und Restaurants sowie Passagen, die gerade hier besonders viele bunten Blumenecken hat und hinter jeder Ecke neue Motive für ein Foto bereithält. 

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Der Pulverturm in Bernau. Pulverturm in Bernau, Foto: TMB-Fotoarchiv/Hartmut Smikac

Bei unserem Besuch in Bernau hatten wir auch gelernt, dass es den "Zickenschulze" nicht wirklich gegeben hat. Real ist jedoch ein Hotelrestaurant mit diesem Namen und das soll, abgesehen von einer steilen Schräge am Eingang, auch für Gäste mit Rollstuhl gut zugänglich sein. Wir konnten es bei unserem Tagesaufenthalt leider nicht besuchen. Das trifft auch auf das ebenerdig gut zugängliche Café am Steintor zu - ein Tag hat einfach zu wenig Mahlzeiten - aber dann vielleicht beim nächsten Mal.

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2. Tag
Vormittags

Warum sollte man nach Oranienburg fahren ? - Wir waren früher einmal dort und hatten jetzt davon gehört, dass das Schloss mit seinem gesamten Umfeld erneuert wurde - viele Gründe also, die Stadt am zweiten tag unserer Kulturtour zu besuchen und zu sehen, wie sie sich verändert hat.

Oranienburg ist eine alte Stadt, deren Geschichte bis in das 13. Jahrhundert zurückreicht. Sie hieß einst "Bötzow" und trägt seit 1652 den jetzigen Namen nachdem der Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg seiner Prinzessin Louise -Henriette von Oranien-Nassau hier ein Schloss im holländischen Stil hatte bauen lassen - die Oranje-Burg - ein Name der schon bald als "Oranienburg" auf die ganze Stadt überging. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte sie sich als Industrie - und Villenstadt am Rande Berlins.

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Der Blickfang: das Schloss Oranienburg Schloss Oranienburg, Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

Wer heute nach Oranienburg kommt, findet eine Stadt vor, in der es zwar frühere Bürgerhäuser gibt, im Stadtbild dominieren jedoch die Bauten der DDR-Zeit. Auf dem Weg vom Bahnhof durch die Stralsunder und die Bernauer Straße zur Touristinformation an der Havel schauten wir uns das alles in Ruhe an und stellten fest: Vieles ist anders. Die Stadt ist vor allem bunter geworden und insgesamt mit einem Rollstuhl gut zu befahren.

Nach einem informativen Gespräch sowie mit Faltblättern und Broschüren gewappnet, entschlossen wir uns, als nächstes die Kirche Sankt Nikolai zu besichtigen - eine "Kirche in der zweiten Etage". Nach dem Vorbild einer Kirche in Berlin-Frohnau hatte man sich beim Wiederaufbau dazu entschieden, im Untergeschoss Räume für Christenlehre und Verwaltung einzurichten und das Kirchenschiff dann in das Obergeschoss zu setzen. Durch einen Seiteneingang konnte ich als Rollstuhlnutzer über eine Schräge in das Gebäude gelangen und mit einem Fahrstuhl die Kirche erreichen. Vom Mittelgang der Kirche sind der Altarraum wie auch die Orgel gut zu sehen sowie die Bibliothek im Nebenraum zu nutzen.

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Mittags

Inzwischen war es Zeit geworden, Mittag zu essen. Im Bereich der Breite Straße und Bötzower Platz gibt es dazu mehrere Möglichkeiten. Unsere Wahl fiel auf das italienisches Restaurant "L'Oasi" im Blumenthalschen Haus am Schlossplatz. Nachdem wir die Schräge an der Rückseite entdeckt hatten, konnten wir einfach nicht widerstehen. Und es hat sich gelohnt.

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Nachmittags

Damit waren wir perfekt für den ereignisreichen Nachmittag gerüstet, den wir im Schloss mit dem Schloss- und dem Kreismuseum verbringen wollten. Links des Schlossportal gibt es eine unscheinbare Tür durch welche Besucher mit Rollstuhl Zutritt zu beiden Museen erhalten. Im Schloss reihten wir uns in eine Führung durch das Schlossmuseum ein - nur am Wochenende kann man sich diesen Teil auch als Einzelbesucher ansehen. Die 90 Minuten der Führung waren sehr interessant und vergingen wie im Fluge. Wir haben sehr viele Informationen über das Leben des Kurfürsten und seiner Gemahlin Louise Henriette erfahren und konnten uns alte Möbel, wertvolle Teppiche, Porzellan- und Goldgeschirr sowie viele Bilder von den früheren Bewohnern des Schlosses ansehen.

Für mich als Rollstuhlnutzer komfortabel: Die Tafeln mit den erklärenden Informationen sind so angebracht, dass sie insgesamt gut lesbar sind. Und - das alles ist schwellenfrei zu erreichen. Das trifft auch auf die Ausstellung des Kreismuseums zu. Angefangen von den dort ausgestellten Werkzeugen, Waffen und Schmuckgegenständen aus jener Zeit, da diese vor allem aus Stein oder Bronze bestanden, bis hin zur Ausstellung der Geschichte der Binnenschifffahrt sind die Exponate gut vom Rollstuhl aus zu sehen. Dass Binnenschiffe für Oranienburg wegen der Lage an der Havel eine besondere Rolle gespielt haben, war uns eigentlich klar, dass hier aber das erste Museum zur Binnenschifffahrt in Deutschland eingerichtet wurde, das war uns jedoch völlig neu.

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Der Schlosspark. Rollstuhlfahrer im Schlosspark Oranienburg, Foto: TMB-Fotoarchiv/Hartmut Smikac

Leider blieb dann nur wenig Zeit für das Kreismuseum. Beide Museen an einem Tag ist wohl doch "etwas zu viel des Guten" - und wir wollten ja unbedingt auch den Schlosspark sehen. So schlenderten wir dann den Rest-Nachmittag durch den historischen Park sowie vorbei an kleinen Themengärten und vielen bunten Blumen. Uns war dabei gleich die bunte Spiellandschaft aufgefallen - eine gute Idee, vor allem für Kinder, die sich auch bei unserem Besuch zwischen Kletterfelsen, Hüpfkissen und Spielhaus auf ihre Art mit der Natur vertraut machen. Wie andere Besucher auch, sind wir durch den historischen Park geschlendert und haben uns für die abwechslungsreichen Themengärten etwas mehr Zeit genommen. Dabei fühlten wir uns nicht nur von dem überdimensionierten Bett sondern auch von den Sportgeräten und mehreren Hochbeeten angezogen, die natürlich für Besucher mit Rollstuhl immer eine Möglichkeit sind, besonders nah an Blumen heranzukommen.

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Im Schlosspark Oranienburg. Rollstuhlfahrer im Schlosspark Oranienburg, Foto: TMB-Fotoarchiv/Hartmut Smikac

Für den Rückweg zum Bahnhof hatten wir uns den Bummel entlang der Havelpromenade ausgesucht - ideal, um noch einmal in Ruhe auf die Stadt zu blicken, die wir wieder neu kennen gelernt hatten. So ging es längs der Havel über den Louise-Henriette-Steg zurück zum Bahnhof. Es war inzwischen später als gedacht geworden. Zum Glück hatten wir ein Zimmer im Stadthotel Oranienburg gebucht. Hier aßen wir gemütlich zu Abend, genossen unser "Feierabend-Bier" und schauten in Ruhe jenen Menschen zu, die in der Eile des Feierabends ihre Einkäufe im Supermarkt auf der anderen Straßenseite erledigten. Besucher der Stadt Oranienburg, die länger als einen Tag bleiben möchten, könnten dann die Gedenkstätte Sachsenhausen oder das Ofen- und Keramikmuseum Velten besuchen, sich im Freizeitpark Germendorf erholen und diesen Besuch sogar mit Besuchen in Berlin oder Potsdam verbinden.

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Tipps für Ihren Besuch in Bernau und Oranienburg


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