• Kultour Potsdam, Foto: TMB-Fotoarchiv/Jan Hoffmann

    Kulturreise nach Potsdam

    Haben Sie Lust auf einen Kultururlaub in Potsdam? Wir haben einen Kulturliebhaber auf eine Entdeckungstour durch den Norden des Unesco-Weltkulturerbes geschickt.

    Haben Sie Lust auf einen Kultururlaub in Potsdam? Wir haben einen Kulturliebhaber auf eine Entdeckungstour durch den Norden des Unesco-Weltkulturerbes geschickt.
    Ort: Potsdam

1. Tag
Vormittags

Ja, gewiss, eine Kulturreise nach Potsdam hört sich auf den ersten Satz nicht sehr spannend an. Wer kennt sie nicht: Schloss Sanssouci, Schloss Babelsberg, das Holländische Viertel, die Glienicker Brücke und all die anderen Sehenswürdigkeiten des UNESCO Weltkulturerbes. Mit dieser kleinen Tour möchte ich Ihnen aber zeigen, dass es noch mehr in Potsdam zu entdecken gibt: das unbekannte Potsdam! Das habe ich dann an einem Frühjahrswochenende mal für Sie ausprobiert.

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Start in der "Verbotenen Stadt"

Meine Tour beginnt, nach einem ausgiebigen Frühstück, im äußersten Norden der Stadt, unweit der Grenze zu Berlin. Eine kurze Busfahrt und ich bin da, wo noch vor rund 25 Jahren kein Potsdamer ohne weiteres Einlass erhielt. Manche Potsdamer nennen den Norden Potsdams, der über Jahrzehnte der russischen Armee vorbehalten war, auch die "verbotene Stadt", frei nach dem chinesischen "Vorbild". Dieser Tatsache ist es zu "verdanken", dass hier im Schatten der deutsch-deutschen Grenze eine einmalige Melange aus Kultur und Natur entstehen konnte, die bis heute weitest gehend unentdeckt geblieben ist.

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Kultour Potsdam Foto: TMB-Fotoarchiv/Jan Hoffmann

Der nagelneue Weg beginnt direkt am Ufer der Jungfernsees. Hier hat der Mitbegründer der Weltmarke SAP - Hasso Plattner - für seine Privatuniversität ein Domizil gefunden. Dann ist es erst einmal vorbei mit moderner Architektur. Dafür begrüßt mich eine Vogelschar mit lautem Gezwitscher. Der unberührte Königswald, einst königliches Jagdrevier, könnte auch in Skandinavien stehen. Schon taucht die Villa Jacobs auf - 1835 durch Friedrich Ludwig Persius im toskanischen Landhausstil erbaut - und versetzt einen in eine gänzlich andere Stimmung: "Preußens Arkadien" begegnet mir hier das erste Mal und lässt mich danach nicht mehr los.

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Kultour Potsdam Foto: TMB-Fotoarchiv/Jan Hoffmann

Bierchen in der Alten Meierei

Dem Ufer auf der Bertinistraße folgend erreiche ich die "Alte Meierei" des Schlosses Cecilienhof im Neuen Garten. Das selbstgebraute Bier und der herrliche Blick laden zu einem zweiten Frühstück ein. Im Neuen Garten folgt nun Sehenswürdigkeit auf Sehenswürdigkeit, vor allem Schloss Cecilienhof, das jüngste der Hohenzollernschlösser und Schauplatz der Verhandlungen zum "Potsdamer Abkommen", in dem die Teilung Deutschlands und Europas entschieden wurde.

Rechts scheint das Marmorpalais durch die alten Bäume. "Jeder soll nach seiner Facon glücklich werden", sagte der "Alte Fritz". Ist das der Grund, dass die Potsdamer sich glücklich schätzen können, den wohl einzigen FKK-Strand in einem Weltkulturerbe ihr eigen nennen zu dürfen? In angemessenem Abstand lege ich mich (natürlich angezogen) auf eine Wiese und schaue über den Jungfernsee in Richtung Berlin zur fast kitschig wirkenden Pfaueninsel hinüber. 

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Mittags

Huups, eingeschlafen. Jetzt aber hurtig zur Glienicker Brücke. Ok, die kennt wieder jeder. Aber nicht die Villa Schöningen. Direkt dort, wo einst der "Kalte Krieg" mit dem Austausch von Spionen ein Kapitel schrieb, befindet sich heute ein Museum und eine international anerkannte Galerie. Die Villa Schöningen gehört zu einem Teil Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG. 

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Kultour Potsdam Foto: TMB-Fotoarchiv/Jan Hoffmann

In der Galerie stellen berühmte Künstler, wie Anselm Kiefer oder Markus Lüpertz, aus. Auch die ständige Ausstellung ist ein Muss. Sie schildert die jüngste Geschichte an der Glienicker Brücke. Kaum vorstellbar, dass an dieser Stelle vor einem viertel Jahrhundert noch Stacheldraht und Soldaten die Szenerie bestimmten. Wer jetzt Hunger hat, kann sich im kleinen Museumsrestaurant stärken. Denn schon geht es weiter über die Glienicker Brücke mit herrlichem Blick auf das Schloss Babelsberg und den Schlosspark Glienicke. Dem statte ich gleich mal einen Besuch ab. 

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Schloss und Park Babelsberg Foto: TMB/Jan Hoffmann

Geheimtipp im Schlosspark Glienicke

Der Geheimtipp: das Casino. Hier war ich schon mal vor vielen Jahren an einem Sommerabend. Sonnenuntergang über der Havel, das ist Romantik pur und der beste Ort für einen Heiratsantrag! Weiter geht es durch den Park, die Havel immer im Blick bis zur historischen Gaststätte „Moorlake“. Leider habe ich jetzt schon was gegessen. Eigentlich schade. Diese bekannte Berliner Sommerfrische versetzt einen glatt ins frühe 20. Jahrhundert.

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Kultour Potsdam Foto: TMB-Fotoarchiv/Jan Hoffmann
Nachmittags

Inzwischen ist es Nachmittag geworden. Über die Königstraße, die einen in Richtung Berliner Innenstadt führen würde, erreiche ich den Griebnitzsee. Wer immer nach nicht satt ist, kann hier übrigens im Biergarten des "Bürgershof" nochmal eine Kleinigkeit Essen (Achtung: hier sitzt es sich wunderbar, das Ganze ist aber kein Gourmettempel). Über eine kleine Brücke erreiche ich den Schlosspark Babelsberg. Das frisch renovierte Schloss strahlt in seinem "Neo-Tudor"-Stil mit dem der Sonne am blauen Himmel um die Wette.

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Schloss und Park Babelsberg Foto: TMB/Jan Hoffmann

Von hier hat man einen herrlichen Blick auf die Glienicker Brücke und die Potsdamer Innenstadt. Es folgt ein Spaziergang durch den Park. An seinem Ende besteige ich den Flatowturm und kann einen weiteren Höhepunkt in meinem geistigen Poesiealbum ablegen. Auf der anderen Seite der Havel gerät schon das nächste Highlight in mein Sichtfeld: die "Schiffbauergasse". Das Areal beherbergt neben seinem "Flagschiff", dem Hans-Otto-Theater, eine Vielzahl von Bühnen und Museen.

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Abends

Heute steht etwas Besonderes auf dem Programm: ein „Science Slam“ im Waschhaus. Junge Wissenschaftler „slammen“ um die Wette und versuchen uns Zuschauern komplizierte wissenschaftliche Sachverhalte unterhaltsam zu vermitteln. In der alten Zichorienmühle, in dem sich heute ein Restaurant befindet, klingt der ereignisreiche Tag aus. Zwischenfazit: Es stimmt: kein Sanssouci und trotzdem Kultur auf Schritt und Tritt in einer unerwartet einmaligen Landschaft, denn wo findet man sonst noch zum Teil unberührte Natur, neben einer Vielzahl von Weltkulturerbestätten und das inmitten einer Seenlandschaft?

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Zichorienmühle in der Schiffbauergasse Foto: TMB/Jan Hoffmann
2. Tag
Vormittags

Zweiter Teil meiner Stadterkundung. Durch die Berliner Vorstadt, dem "Promiviertel" der Stadt (ich sage nur Günther Jauch) gelange ich zum Heiligen See und damit ans andere Ende des Neuen Garten, den ich schon gestern besuchte. Jetzt schaue ich mir das Marmorpalais von Nahem an und genieße den schönen Blick über den See (hui, da ist ja auch die Villa von Wolfgang Joop).

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Gotische Bibliothek und Marmorpalais im Neuen Garten Foto: TMB/Jan Hoffmann

Kleine Stärkung in der Orangerie des Parks und weiter geht es durch die Berliner Vorstadt zur Alexandrowka. Diese einmalige russische Siedlung (ja, die preußischen Könige wollten nicht nur, dass es die Holländer schön kuschelig haben, sondern auch der Kosakenchor, den Zar Alexander seinem "Freund" Friedrich Wilhelm III "schenkte") besteht aus einem parkartigen Gelände, in dem neben einer Vielzahl an Obstbäumen zwölf russische Blockhäuser integriert wurden. In einem der russischen Blockhäuser befindet sich ein kleines Museum und in einem anderen ein kleines russisches Restaurant. Was soll ich sagen: beides führt dazu, dass es schon wieder mittags ist.

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Kultour Potsdam Foto: TMB-Fotoarchiv/Jan Hoffmann
Mittags

Dann mal hurtig eine kleine Anhöhe erklimmen (mit vollem Magen) und die russisch-orthodoxe Kirche auf dem Kapellenberg bewundern. Der nächste Höhepunkt lässt nicht lange auf sich warten. Einmal runter und wieder hoch erreiche ich das Belvedere.

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Russisch-orthodoxe Kirche Potsdam Foto: TMB/Jan Hoffmann

Von Friedrich Wilhelm IV einst als Casino geplant, ist es heute ein Aussichtsschloss, wie der Name schon verrät. Vorbei an beeindruckenden Terrakotten erklimme ich einen der beiden Türme und genieße den weiten Blick auf die Havellandschaft und die hier ganz nah wirkenden Innenstädte von Potsdam und Berlin. Erwähnen sollte ich an dieser Stelle noch, dass das Wetter heute wieder wunderbar ist.

Wahrhaftiger Ausdruck für die Wetterstatistik, nach der es in Potsdam genauso warm, sonnig und vor allem niederschlagsarm ist wie im Südwesten der Republik. Nach dem Motto „wir können alles außer Hochdeutsch“. Stimmt: Wetterstatistiken leicht uminterpretieren können sie auch. Kleiner Scherz! 

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Nachmittags

So, Berg runter. Vorbei an mehreren Villen, die italienischen Charme versprühen, stärke ich mich noch mal in "Kades" Restaurant am Pfingstberg. Jedenfalls hätte sich Goethe, wenn er etwas später gelebt hätte, seine Reisen nach Italien sparen können. Den Ruf, dass Potsdam - architektonisch betrachtet - die italienischste Stadt Deutschlands ist, kann ich nur bestätigen wie auch die "Römischen Bäder" im Park Sanssouci belegen.

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Römische Bäder Foto: TMB-Fotoarchiv/Wolfgang Pfauder/SPSG

Nun geht es wieder weiter zur Meierei im Neuen Garten (nein, nicht noch mal Essen ;). Hier wird es noch Mal richtig spannend. Über die Höhenstraße, die mit Häusern und Anwesen verschiedenster Baustile gespickt ist, erreiche ich wieder die Bertinistraße. Zwischen 1830 und 1930 entstanden hier herrschaftliche landhausartige Villen mit parkähnlichen Gärten für Industrielle und Bankiers. Mehrere jüdische Bewohner wurden nach 1933 von den Nationalsozialisten aus Ihren Häusern vertrieben.

Zeugnis dieser düsteren Zeit legt die Villa Guttmann ab, die schon seit einigen Jahren behutsam von der Schauspielerin Nadja Uhl zu neuem Leben erweckt wird. Gleich daneben befindet sich die Galerie "Kunst-Kontor", der ich noch einen Besuch abstatte. Nun bin ich wieder am Jungfernsee angekommen. Gut, dass ich jetzt auf den letzten Metern wieder die Natur auf der schönen Uferpromenade genießen kann, denn die beiden Tage waren so voller Eindrücke, dass es gut ist, jetzt "nur" das grün und blau der Bäume und der Havel in mich aufzusaugen.

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Kultour Potsdam Foto: TMB-Fotoarchiv/Jan Hoffmann

Fazit

Fazit: Ich kann mich nur meinen Ausführungen vom ersten Tag anschließen. :-) Zwei spannende Tage voller Natur und Kultur gehen zu Ende. Ich glaube, dass ich das unentdeckte Potsdam erobert habe. Jedenfalls ist mein Kopf voller Eindrücke und mein Magen ist es auch. 

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