• Abenddämmerung über dem See, Foto: TMB-Fotoarchiv/Stefanie Goldbrich
    Ort: Potsdam

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Heimaturlaub mal anders
Wie ich Brandenburg mit dem Hausboot entdeckte

29. Oktober 2015 von Stefanie Goldbrich

"Brandenburg, das ist meine Heimat. Hier kenne ich mich aus ...", dachte ich zumindest. Auf einer Reise, die ich so schnell nicht vergessen werde, wurde ich eines Besseren belehrt.  Meine Crew und ich erkundeten das märkische Land per Hausboot. Das war ein Abenteuer!

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Meine Heimat ist das schöne Brandenburg, um genau zu sein die Niederlausitz. In Wilhelm-Pieck-Stadt Guben wurde ich geboren und verbrachte hier die ersten knapp 20 Jahre meines Lebens. Anschließend folgten ein paar Auslandsaufenthalte. Man muss ja schauen, was es noch so gibt in der großen, weiten Welt. Nach vielen eigentlich nur guten Erfahrungen kehrte ich nach Deutschland zurück und ließ mich in Hessen nieder. Uih, das war eine Umstellung und ist nun mehr als 12 Jahre her. Ob ich hier den Rest meines Lebens verbringe, das weiß ich noch nicht. Aber eines steht fest: Brandenburg ist und bleibt in meinem Herzen. Hier bin ich aufgewachsen und verwurzelt - das ist meine Heimat.

Das ist wohl der Grund dafür, warum ich jedes Jahr drei bis vier Male in die Heimat fahre. Oder zumindest einer davon. Denn ein Aspekt allein begründet noch lange nicht, warum ich sooft die siebenstündige Autofahrt oder gar knapp neunstündige Zugfahrt auf mich nehme. Nein, da muss es mindestens noch einen zweiten, ganz wichtigen Grund geben. Und den gibt es: die Seen, nicht nur die Vielfalt an Seen, sondern auch die Anzahl.

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Das bin ich … Foto: TMB-Fotoarchiv/Stefanie Goldbrich

Seen in Brandenburg

Schon gewusst? In Brandenburg gibt es rund 3.000 Seen. Und da sind die knapp 7.000 Seen unter einem Hektar noch nicht mal mitgezählt. Es sind also insgesamt fast 10.000 Seen. Da bin ich als Brandenburgerin und Hausbootfan ein wenig stolz drauf. Wer das Wasser liebt, der ist in Brandenburg genau richtig. Also Sachen packen und ab an den See! Egal, ob es der Sommerurlaub im Bungalow, ein Camping-Wochenende im Zelt oder nur ein Nachmittag am Strand ist. Es wird auf jeden Fall großartig! Aber es geht noch besser. Die Devise lautet nicht Urlaub am Wasser, sondern Urlaub auf dem Wasser. Ab aufs Hausboot!

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Mitfahrer gesucht

Bevor ich diese Idee meiner Crew in spe - mein Mann und seine Eltern - vorschlug, ging ich davon aus, entweder auf taube Ohren oder gar Skepsis zu stoßen. Aber ganz im Gegenteil, mein Vorschlag wurde höchst positiv aufgenommen, auch wenn meine Schwiegereltern direkt hinzufügten, dass sie keinerlei Vorkenntnisse hätten. Das machte aber nichts. Schließlich waren mein Mann und ich schon des Öfteren mit einem Hausboot unterwegs und brauchten hierbei keine Hilfe. Viel mehr freuten wir uns darauf, nicht sooft selbst in der Küche stehen zu müssen und stattdessen zu "futtern wie bei Muttern".

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Fast so berühmt wie die Golden Gate Bridge in San Francisco: Die Glienicker Brücke in Potsdam. Foto: TMB-Fotoarchiv/Stefanie Goldbrich

Die Vorbereitung

So, die Crew stand schon mal fest. Nun brauchten wir ein Boot. Welches passt zu uns, vier Erwachsene, zwei Pärchen? Wir entschieden uns schnell für die Clipper. Sie ist elf Meter lag und knapp vier Meter breit. Mit zwei Kabinen mit jeweils einem eigenem Badezimmer, einer Küche, einem Salon und einem großen Sonnendeck war sie ideal für uns. Fakten sind gut, Bildchen sind besser und bewegte Bildchen am besten. Deswegen schickte ich den beiden Hausbootneulingen den Link zum virtuellen Rundgang des Bootes. Danach beantworteten sich plötzlich viele ihrer Fragen von selbst. Die Strecke stand relativ zeitig fest. Wir wollten so viel wie möglich von Brandenburg sehen. Also planten wir eine Einwegfahrt von Potsdam nach Marina Wolfsbruch. Das gefiel meinen Schwiegereltern.

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Die Tage vergingen und der Urlaub rückte immer näher. Ich freute mich wahnsinnig, jedoch stellte sich das Packen dieses Mal als schwierig heraus. Wer mich kennt, weiß, dass das Kofferpacken nicht gerade zu meinen Stärken zählt, aber dieses Mal war auch noch das Wetter so unbeständig. Dabei war es gar nicht April, sondern schon Mai. Ein Blick in die Wetter-App verriet uns, dass es in der geplanten Urlaubswoche trocken und kühl (um die 18° Grad Celsius) sein sollte. Mit dieser Information begannen mein Mann und ich die Reisetaschen zu packen. Komischerweise befanden sich in der Tasche meines Mannes vorrangig T-Shirts und kurze Hosen, wohingegen in meiner Tasche Pullover und Jeans lagen. Stiefel und Mantel durften natürlich auch nicht fehlen. Männer und Frauen sind in der Tat sehr unterschiedlich! Das lässt sich nicht abstreiten. Mit einem gut gefüllten Kofferraum fuhren wir schließlich nach Potsdam. Die Anreise für uns Neuhessen dauerte etwas länger, als die meiner Schwiegereltern, die quasi um die Ecke wohnen.

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Meine Schwiegermama Foto: TMB-Fotoarchiv/Stefanie Goldbrich

Der Hausbooturlaub beginnt in Potsdam

In Potsdam trafen wir uns mehr oder weniger pünktlich. Wer konnte denn ahnen, dass es auf dem Berliner Ring voll sein würde, haha. Wir waren also zuerst am Yachthafen Potsdam. Nachdem wir das Auto auf dem Hafengelände geparkt haben, gingen wir zum Le Boat Büro und checkten ein. Schnell das Gepäck auf dem Boot verstauen und dann ab ins Kaufland. Das war direkt um die Ecke, sodass wir das Auto stehen lassen konnten. Wir kauften nur den notwendigsten Proviant für die ersten Tage ein. Auf dem Rückweg trafen wir meine Schwiegereltern auf dem Parkplatz an. Wie passend! So konnten sie gleich beim Tragen helfen. Nachdem alles an Bord gebracht war, hätte es eigentlich losgehen können. Wir entschieden uns aber, diesen Abend noch in Potsdam zu verbringen und die durch Altstadt zu bummeln.

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Ab aufs Wasser

Der zweite Tag brach an und wir starteten nach dem Frühstück endlich unsere Hausboottour. Ich konnte es kaum noch erwarten. Wir verließen die Le Boat Basis gen Nordosten und kamen nach einigen Minuten an der Nikolaikirche vorbei. Die Kuppel ist schon von weitem gut zu sehen. Bevor wir Potsdam verließen, nutzten wir noch die Gelegenheit und hielten am Bootsanleger des Aldi. Wir kauften noch einige Lebensmittel nach. Irgendetwas vergisst man eben immer. Danach ging es unter der geschichtsträchtigen Glienicker Brücke hindurch und hinein ins Land Berlin. Dieser Teil der Strecke war vor 25 Jahren komplettes Sperrgebiet und jetzt fuhren wir einfach so hier entlang. Irgendwie seltsam, wenn man darüber nachdenkt. Es ist zwar schon lange her, aber immer noch in den Köpfen der Menschen.

Huch, was ist denn das? Eine Insel? Ja, die Pfaueninsel. Gut, dass wir sie rechtzeitig gesehen haben. Anlegen konnten wir hier nicht und fuhren deswegen weiter zum Großen Wannsee. Dort ankerten wir. Das hatte natürlich einen Grund. Mein Mann wollte unbedingt in diesen See springen und eine Runde schwimmen. Ganz schön mutig bei diesen Temperaturen! Aber gut, wir lassen ihm seinen Spaß und schauen ihm beim Bibbern zu. Stromaufwärts fuhren wir dann am Grunewald vorbei und erreichten schließlich das Berliner Stadtgebiet. Die erste Schleuse, die Schleuse Spandau, ließ nicht lange auf sich warten und brachte uns ca. zwei Meter höher.

Inzwischen war es Zeit, nach einem Platz für die Nacht Ausschau zu halten. Wir ergatterten einen der letzten Plätze am Bootshaus Eiswerder. Wer möchte, der kann von hier aus in die Berliner Innenstadt fahren. Wir blieben aber erst mal an Bord und empfingen Besuch, die geliebte Verwandtschaft aus Spandau. Schließlich mussten sie nach dem Rechten an Bord sehen. Na ja, eigentlich wollten sie nur mal ein Hausboot von innen sehen. Also baten wir sie herein und boten sogar noch etwas zu trinken an. Gegessen wurde dann aber bei den Spandauern im Haus.

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Ein Sprung ins kühle Nass des Ellenbogensees … Foto: TMB-Fotoarchiv/Stefanie Goldbrich

Reisen bildet ungemein

Am dritten Tag weckten uns die Vögel mit ihren Gesängen. Das war schon komisch. Schließlich waren wir doch in einer Großstadt, wo es nur so von Autos und Bussen wimmelt. Vielleicht war das auch ein Zeichen!? Denn laut Reiseplan hatten wir vor, an diesem Tag Berlin vom Boot aus zu sehen. Aber unser Zeitplan war sehr eng gestrickt. Wir ließen wir die Berliner Innenstadt aus und beschlossen, uns dieses Spektakel für das nächste Mal aufzuheben. Wir fuhren stattdessen gen Norden, also die Havel-Oder-Wasserstraße weiter flussaufwärts, und warteten ein paar Minuten auf die Seilfähre, kurz hinter dem Abzweig zum Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal.Kurz vor Henningsdorf erklärte mir mein Schwiegervater, dass die Teststrecke der Deutschen Bahn von Velten nach Henningsdorf verläuft. Aha, das wusste ich bis dahin nicht. Und wie es der Zufall wollte, fuhr just ein Zug vorbei - "Tschu Tschu".

Als nächstes waren meine Schwiegereltern an der Reihe. Uns kam nämlich ein großes Binnenschiff entgegen. Die Bedenken vor Wellen, die meine Schwiegermutter vor dem ersten Ablegen hatte, waren nun wie weggeblasen. Das war ein Erlebnis! Sie kam aus dem Staunen und Gucken gar nicht mehr raus. Nachdem das Schiff außer Sichtweite war, konzentrierten wir uns wieder auf unser nächstes Ziel: Oranienburg.

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Geschichtsträchtiges Oranienburg

Nach der idyllischen Einfahrt ins Stadtzentrum legten wir am Bollwerk Oranienburg an und vertäuten das Boot. Nun aber schnell, wir hatten alle Hunger und wollten nicht selbst kochen. Wir gingen ins Ristorante Paganini. Der Italiener war nur ca. 850m (zehn Minuten zu Fuß) vom Anleger entfernt. Den Nachmittag nutzten wir für einen Besuch im traumhaften Oranienburger Schloss. Kein Wunder, dass es als das schönste Schloss Brandenburgs gilt. Danach spazierten wir durch den wunderschönen Schlosspark. Allein die 16 Gartenzimmer, die verschiedene Themenbereiche wie Freude oder Eifer verkörperten, sollte man sich ansehen. Mein Tipp: Zeit mitbringen und "Kombiticket Oranienburg Schloss & Schlosspark" auskosten. Achtung: Das Kombiticket ist nur von Anfang Mai bis Anfang Oktober gültig.

Um noch ein Stück voran zu kommen, legten wir nochmal ab und hofften auf einen Übernachtungsplatz im Wassersportzentrum Oranienburg. Leider hatten wir kein Glück und setzten unsere Fahrt bis zum Lehnitzsee fort. Am ersten Hafen versuchten wir es gleich wieder und hatten dieses Mal mehr Glück. Es war der Steg eines Bootsvereins, der eigentlich nur für Mitglieder bestimmt war. Aber die anwesenden Vereinsmitglieder hatten nichts dagegen, dass wir uns für eine Nacht zu ihnen gesellten. Wir durften sogar die Vereinstoilette und -dusche benutzen. Brandenburger sind ja so freundlich!

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Abenddämmerung über dem See Foto: TMB-Fotoarchiv/Stefanie Goldbrich

Beeindruckende Schleusen

Nach einem ausgiebigen Frühstück am vierten Tag hieß es erneut "Leinen los". Wir überquerten den Lehnitzsee und machten vor der Schleuse Lehnitz im Wartebereich für Sportboote fest. Diese Schleuse ist bei einer Kammerlänge von 134 Metern, einer Kammerbreite von knapp 12 Metern und einer Fallhöhe von ca. sechs Metern eindeutig für die Berufsschifffahrt ausgelegt. Binnenschiffe und Schubverbände haben hier in jedem Fall Vorrang. Wir warteten nur 10 Minuten, bis die Ampel der Schleuse auf Grün schaltete. Da kein großes Schiff in Sicht war, fuhren wir ein und teilten uns die gesamte Kammer mit nur einem weiteren Motorboot. Wir kamen uns so klein vor in dieser mächtigen Anlage. Meine Schwiegereltern waren wieder einmal ganz begeistert und dabei hatten wir den ganzen Tag noch vor uns.

Auf dem nächsten Abschnitt der Oder-Havel-Wasserstraße wurde es plötzlich ruhig. Links und rechts des Kanals sahen wir Wiesen, Felder und Wälder. Wer hier nicht entspannt, ist selbst schuld! Am Oder-Havel-Dreieck bogen wir in den Vosskanal ein. Hier erwartete uns die Schleuse Liebenwalde. Da die Schleuse geschlossen war, legten wir erneut im Wartebereich an, gingen an Land und schauten nach, wie sie funktioniert. Aha, wir mussten also einen Knopf drücken, um die Schleuse zu öffnen. Das probierten wir doch gleich mal aus. Und was passierte? Das Schleusentor öffnete sich. Super! Also fuhren in die Schleuse und drückten hier erneut ein Knöpfchen. Das Schleusentor wurde geschlossen und der Schleusenvorgang startete automatisch. Danach öffnete sich das andere Schleusentor und wir setzten unsere Fahrt fort bis zur Schleuse Bischofswerder. Diese funktionierte genauso.

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Respekt einflößend: die Schleuse in Lehnitz Foto: TMB-Fotoarchiv/Stefanie Goldbrich

Zehdenick bietet mehr, als man denkt

Wir fuhren den Vosskanal weiter stromaufwärts und erreichten schließlich Zehdenick. Hier steuerten wir auf die Zugbrücke zu, die glücklicherweise grad geöffnet war. Anschließend nahmen wir noch die offene Schleuse Zehdenick mit und bogen direkt dahinter in den Stadthafen Zehdenick ein. Dieser kleine aber feine und vor allem saubere Stadthafen "Marina Zehdenick" sollte unser Schlafplatz für die Nacht sein. Aber die Nacht war noch ein paar Stunden entfernt. Somit war noch Zeit für Sightseeing. Bei einer Kleinstadt mit ungefähr 14.000 Einwohnern sollte man es wohl eher Stadtbummel nennen. Aber mal im Ernst: Für solch eine kleine Stadt hat Zehdenick ziemlich viel zu bieten.

Wir gingen von Bord, vorbei an der Schleuse bis hin zur Zugbrücke. Hier ging es erst mal nicht weiter, denn die Zugbrücke war oben. Boote fuhren hindurch, wie wir eben. Wir standen gespannt an der Promenadenmauer und beobachteten den Vorgang. Das war interessant!

So, die Brücke war wieder unten, festgestellt und für uns Fußgänger und Radschieber (Nicht mit dem Rad über die Brücke fahren!) freigegeben. Nach einigen Hundert Metern fielen uns eigenartige steinerne Köpfe auf dem Fußgängerweg auf. Was kann das bloß sein? Und welche Bedeutung haben sie? Das bekam ich schnell raus. Ich fragte einfach meinen Freund Google. Der weiß alles! Er verriet mir, dass es insgesamt zwölf Stück von diesen Steinköpfen gibt, die die "Guten Geister" von Zehdenick verkörpert. Und wieder was dazu gelernt! Den Abend ließen wir im Hafen-Restaurant "Da Vinci" ausklingeln und wurden mit einem atemberaubenden Sonnenuntergang belohnt.

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Ob der Weihnachtsmann Kaffee mag?

Der nächste Morgen begann sehr früh, so gegen 7:30 Uhr. Warum waren wir nur alle so zeitig wach? Mmhh, vielleicht die Neugierde auf das, was uns an diesem Tag bevorstand?! Wir hatten keine Ahnung, aber es muss irgendetwas in der Luft gelegen haben. Fast alle anderen Freizeitboote haben bereits den Hafen verlassen. Die waren also noch früher wach.

Nach einem kurzen Frühstück legten auch wir ab und fuhren weiter auf der Oberen-Havel-Wasserstraße Richtung Norden und legten eine Pause in der Marina "Alter Hafen" am Ziegeleipark Mildenberg ein. Nach einem kurzen Besuch des Industriedenkmals kehrten wir zum Hafen zurück und genossen die Sonnenstrahlen bei einem entspannten Mittagessen auf der großen Terrasse des Gasthauses.

So, genug entspannt. Es ging weiter. Wir hatten schließlich vier Schleusen (Schorfheide, Zaaren, Regow, Bredereiche) vor uns. Der nächste Abschnitt war sehr kurvenreich und führte uns nun durch einen sehr ländlichen Teil Brandenburgs. Was für eine friedliche und beruhigende Stimmung ... Aber aufpassen! Nicht zu sehr ins Träumen geraten, denn hier sind viele Paddler unterwegs. Auf die kleinen muss man schließlich Rücksicht nehmen, vor allem in den Schleusen. Wir erreichten den Stolpsee am Nachmittag und nahmen direkt Kurs auf das Stolpsee-Bootshaus Himmelpfort. Hier legten wir zum ersten Mal auf unserer Tour mit dem Heck zur Pier an. Die Sportlichen von uns sprangen einfach von Bord, die anderen fanden auch ihren Weg an Land, nur anders hihi. Der kleine Ort Himmelpfort besteht nur aus einer Straße, die hat es aber in sich.

Wer Kaffee mag, der geht am besten ins Himmelpfort Kaffee. Hier wird der Kaffee noch selbst geröstet. Meine Schwiegermutter war ganz begeistert. Ich trinke keinen Kaffee, war jedoch mit meinem Kuchen und der heißen Schokolade mehr als zufrieden. Schräg gegenüber vom Café "wohnt der Weihnachtsmann". Wie gut, dass ich das vorher schon wusste. Da der Weihnachtsmann grad im Urlaub war, ging ich zur Weihnachtsstube hinüber und warf meinen Wunschzettel in seinen Briefkasten. Mal sehen, ob alle meine Wünsche dieses Jahr in Erfüllung gehen. Wahrscheinlich wird er dafür einige Kaffeepausen brauchen, hihi. Nach einem Spaziergang durch das örtliche Kloster und den Kräutergarten kehrten wir zurück zum Hafen. Das Abendessen wartete bereits auf uns. Schade eigentlich, denn auf dem Rückweg sind wir an drei guten Fischrestaurants vorbeigekommen.

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Einfach nur mal Bootfahren!

Am nächsten Tag schliefen wir aus, bis 8:30 Uhr. Das war auch gut so, denn der Brötchenwagen kam sowieso erst um 9:00 Uhr vorbei. Nach dem Frühstück steuerten wir einmal quer über den Stolpsee und vorbei an einer Wasserskianlage. Hier war aber niemand zu sehen. Wer geht schon bei diesen Temperaturen ins Wasser? Wohl nur mein Mann! Weiter ging es durch den Schwedtsee und Baalensee bis zur Wartestelle der Schleuse Fürstenberg. Das ist eine sehr geschäftige Schleuse. Acht Boote unserer Größe passen dort in die Kammer. Aus diesem Grund muss man nie lange warten. Schon beim nächsten Schleusenvorgang waren wir dabei. Das Besondere: Eine Frau als Schleusenwärterin. Das hat man selten.

Nach dem Aufschleusen fuhren wir zum Röbelinsee und weiter zur Schleuse Steinhavel, anschließend durch den Ziernsee und bis hin zum Ellbogensee. An diesem Tag hielten wir nirgendwo an, außer vor den Schleusen. Wir genossen die sanften Wellen und ließen uns treiben. So muss Urlaub sein! Der erste Kessel vom Ellbogen gefiel uns so gut, dass wir hier den Anker warfen. Während die eine das Abendessen vorbereitete, die andere die Kamera rausholte und der dritte sich ein Bier öffnete, ging doch tatsächlich der vierte mal wieder baden. Also manchmal verstehe ich meinen Mann wirklich nicht. "Hoffentlich wird er nicht krank!", dachte ich. Seine Eltern belächelten seine Aktion nur. Wer weiß, was er als Kind immer ausheckte!?

Es wurde Nacht und die Sonne ging unter. Der Sonnenuntergang war unglaublich schön, fast wie gemalt. Einfach so zu ankern hat definitiv was Magisches. Die Ruhe auf dem Wasser genießen. Und das Beste ist, dass man keine Nachbarn um sich herum hat. Im Sommer ist's bestimmt noch schöner, wenn man ganz lange an Deck sitzen oder gar übernachten kann. Oh, das kommt sofort auf meine To-Do-Liste.

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Das Ziel unseres Törns durch Brandenburg: die Marina Wolfsbruch Foto: TMB-Fotoarchiv/Stefanie Goldbrich

Aufhören, wenn es am Schönsten ist

Der letzte Morgen brach an. Wir frühstückten an Deck. Die Sonne schien schließlich. Dann setzten wir zum Endspurt an. Wir steuerten das Boot durch den Ellbogensee, durch die Schleuse Strasen (mit Schleusenwärter bemannt), quer durch den Großen und Kleinen Pälitzsee, direkt in den Hüttenkanal und gegen Mittag erreichten wir unser Ziel, die Marina Wolfsbruch. Ach, welch ein Anblick! So schön und so bunt. Gerne wären wir länger geblieben, aber die geliebte Spandauer Verwandtschaft erwartete uns bereits. Sie winkten uns zu und riefen ganz laut. Oh man, wie peinlich. Wie gut, dass mich hier keiner kannte! Der Check-out wurde daher zu einer lustigen Angelegenheit, obwohl wir sehr wehmütig an die letzten Tage zurückdachten. Wir kommen wieder!

Fazit: Brandenburg ist so schön, noch viel schöner als ich dachte. Ich kenne meine Heimat nun ein wenig besser und freue mich auf den nächsten Besuch. Der nächste Hausbooturlaub in Brandenburg ist natürlich in Planung. Es gibt noch so viel zu entdecken!

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