• Eselwanderung durch die Uckermark, Foto: Heidi Diehl
    Ort: Suckow

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Reine Nervensache
Mit dem Esel durch die Uckermark

30. August 2012 von Regina Zibell

Mittagspause in der Uckermark. Wir sitzen fest. Auf der Picknickdecke. Rosi schnurpst gemütlich ihre Hunger-Schneise in die Wiese. Eigentlich aßen wir ja gerade Frühstück, aber mal schauen, was die Picknicktasche so hergibt. Wir haben schließlich eine Stunde Zeit, bevor es wieder weitergehen kann. Entschleunigung heißt so was, getarnt als Zeit-überbrückende Fresslust. Mit Appetit verspeisen wir Salamibrötchen, Schokoriegel, Obst und Gemüse.

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Gestern um diese Zeit waren wir noch total hektisch. Denn wir hatten einen Plan. Und den wollten wir einhalten. Denkste, dachte Rosi, unsere Eselin. Sie schleppte das Gepäck. Und sie zeigte uns, wann und wie schnell es in der Uckermark lang ging. Gerade allein gelassen mit ihr auf weiter uckermärkischer Flur machte sie uns schnell klar, wo der Hammer hängt: Wenn ich nicht will, geht gar nüscht.

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Wenn der Esel nicht will, muss der Wanderer stehen. Foto: Heidi Diehl

Der Esel gibt das Kommando

Merke: Beim Eselwandern in der Uckermark immer ruhig bleiben, auch wenn es noch endlos weit bis zur Abendstation scheint und man keine Ahnung hat, wie man dieses Ziel mit einem ständig stockenden Esel schaffen soll! Rosi (und ihre Gefährten) brauchen einfach Zeit, sich auf hektische Zweibeiner einzustellen.

Oder war es andersrum? Wir jedenfalls atmeten erstmal tief durch. Dann saßen wir es aus. Gutes Zureden ließ unser Grautier unbeeindruckt. Nichts half. Oder doch? Schließlich versuchten wir es mit Bestechung: Denn auch Rosi hatte einen schwachen Punkt. Und der hieß Beifuß. Da trabte Rosi langsam los. Die Betonung liegt auf langsam. Aber: Solange es vorwärts ging, wollten wir nicht meckern. Und es verbot sich von selbst, auf die Uhr zu schauen.

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Der Esel gibt den Rhythmus vor: Und der heißt Entschleunigung. Foto: Heidi Diehl

Eine Pause alle 90 Minuten

Trotzdem: Seit gestern leben wir im Eselstundenplan, denn Rosi steht und geht mit gesetzlich vorgeschriebenen Arbeitspausen! Laut Esels-Einmaleins braucht Rosi alle anderthalb Stunden eine Fresspause unter vorzugsweise idealen Bedingungen. Die da wären: Saftiges Gras, Schatten und Stille. Davon gibt es in der Uckermark reichlich. O-Ton Eselhalterin: "Rosi frißt etwa 20 Minuten und fängt dann an zu stieren."

Heute, am zweiten Tag, sind wir daran schon gewöhnt und kennen fast jegliche Eselmacke. Und freuen uns drüber. Wir haben unsere Mitte gefunden: Rosi ist der Punkt, um den sich bei uns alles dreht. Nach einer Stunde Pause wird sie wieder gesattelt. Darin sind wir jetzt Profis. Fell striegeln, die Decke auf den Rücken, noch ein Polster drauf, danach das Tragegestell. Festgezurrt. Gepäck aufladen, ab geht die (Esels-)Post.

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Drei Tage gemeinsames Wandern schweißen letztlich auch Esel und Mensch fest zusammen. Foto: tmu GmbH/Klaus-Peter Kappest

Allein mit Esel und Uckermark

Wir schnacken mit Leuten, die uns begegnen und neugierig sind. Rosi läuft wie eine Eins. Die Uckermark ist schön. Rosi kennt den Weg. Wir verlassen uns drauf und landen nach 14 km Tagestour direkt vor ihrer Koppel und der Eselherde. Dort nutzen wir den Hintereingang, eigentlich sollten wir vornerum rein, aber Rosi hatte keinen Bock drauf. Das sehen wir ein und tun ihr den Gefallen. Ein Anruf genügt und schon sind wir mitten auf der Eselkoppel und am Ende unserer Wanderung.

Fazit: Probieren Sie das Eselwandern in der Uckermark unbedingt aus. Testen Sie, wer die stärkeren Nerven hat. Das sture Grautier zog uns trotz ausgeprägter anfänglicher Widerborstigkeit (und späterer treuer Anhänglichkeit) schnell in seinen Bann. Achtung: Nach mehr als drei Tagen Eselstour kann es sein, dass man statt Pfunde zu verlieren, Kilos zulegt. Nicht nur Rosi, auch wir standen während der Tour immer gut im Futter!

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