• Der Schermützelsee bei Buckow, Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann Der Schermützelsee bei Buckow, Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann
    Ort: Buckow (Märkische Schweiz)

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Ein Besuch im Sommerhaus von Bertolt Brecht am Schermützelsee

03. Mai 2011 von Ronald

Im Naturpark Märkische Schweiz sind auf engem Raum Wälder und Wiesen, Seen, Hügel und Schluchten zu finden. Der von Tourismus-Managern viel bemühte und zitierte Theodor Fontane schwärmt über die Landschaft rund um den Schermützelsee und das kleine Örtchen Buckow. Doch mich führte am Sonntag, den 17. April, ein weltberühmter Schriftsteller, Poet und Theatermann hierher. Ich hatte mich von dem Brecht-Spaziergang anlocken lassen, der seit dem Jahr 2009 jeden dritten Sonntag im Monat stattfindet.

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Straßenschilder mit Wegweiser zum Brecht-Weigel-Haus Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

Schönes Grundstück am Schermützelsee

Ganz standesgemäß startet dieser Spaziergang im Brecht-Weigel-Haus in Buckow. Immerhin haben sich bei sonnigem Wetter 20 erwartungsvolle Teilnehmer eingefunden und der kleine Parkplatz gegenüber vom Haus ist gut gefüllt. Bevor die kleine Wanderung beginnt, haben sich alle im großen, Licht durchfluteten, Raum des Atelierhauses versammelt. Anfangs des Jahrhunderts wurde dieser Raum mit der riesigen Fensterfront als Werkstatt für den Bildhauer Georg Roch hergerichtet. Als Bertold Brecht und seine Ehefrau Helene Weigel, Schauspielerin und Intendantin des Berliner Ensemble, das herrschaftliche Haus später pachteten, richteten sie hier das Arbeits-, Ess- und Besucherzimmer ein. Helene Weigel sorgte für die Einrichtung mit alten und bequemen Möbeln, die noch original erhalten sind.

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Brecht-Weigel-Haus Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

Im Brechtschen Arbeitsjournal ist im Februar 1952 verzeichnet, dass Brecht und Weigel ein schönes Grundstück am Ufer vom Schermützelsee fanden, unter alten großen Bäumen und einem nicht unedel gebauten Häuschen. Bei einem Rundgang durch den Garten ist besonders der herrliche Blick auf den See beeindruckend. Auch fast 60 Jahre später kann der Besucher hier noch diese Schönheit empfinden. Sie ist nach Jahrzehnten genauso gegenwärtig wie das allermeiste, was Brecht in Buckow und anderswo aufgeschrieben und inszeniert hat.

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Steinerne Pferdestatue am Brecht-Weigel-Haus Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

Im Bootshaus der Wagen von Mutter Courage

Ein großer Gewinn für den Brecht-Spaziergang sind die zwei Gästeführer. Sabine Frost-Eichelkraut, als freischaffende Grafikerin im Brecht-Weigel-Haus tätig, verfügte über enge persönliche Bindungen zu Schauspielern des Berliner Ensemble und sieht sich bis heute als Muse für die Künstler in Buckow. Ihr Part ist vorrangig die lyrische Gästeführerin, sie trägt auf einzelnen Stationen des Spazierganges Texte von Brecht vor. Ihr zur Seite steht Thomas Mees, ebenfalls ein erfahrener und souverän agierender Gäste- und Stadtführer. Mit seiner kurz geschnittenen Brecht-Frisur, auf der er eine der legendären Brechtmützen trägt, sind Ähnlichkeiten schon gewollt, wenn er über Leben und Werk des Dichters erzählt. Die Gäste werden von den beiden durch den Garten geführt, vorbei an Kupfertafeln, auf denen Brechtsätze aus seinem Werk "Buckower Elegien" festgehalten sind, die hier geschrieben wurden.

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Wagen Mutter Courage Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

Eine Besonderheit bietet das Anwesen von Bertold Brecht und Helene Weigel im Bootshaus. Hier steht der Wagen der Courage, der für die erste Aufführung des Brecht-Stückes "Mutter Courage und ihre Kinder" am 11. Januar 1949 gebaut wurde. Diesen Wagen zog Helene Weigel in der Rolle der Mutter Courage auf der Bühne des Deutschen Theaters und später des Schiffbauerdammtheaters sowie auf unzähligen Bühnen Europas in insgesamt 405 (!) Aufführungen. Mich befällt bei diesem berühmten Requisit des Brecht-Theaters schon ein wenig Ehrfurcht und überkommt Beklommenheit. Denn immer noch rollen die Marketenderwagen und machen mit den Kriegen weltweit Geschäfte.

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Käthe Reichel auf der Sonnenbank

Der Spaziergang führt nun vom Brecht-Weigel-Haus und dem Schermützelsee weg und beginnt nach wenigen hundert Metern, den kleineren Buckowsee zu umrunden. In wenigen hundert Metern ist die erste Station erreicht: das kleine Haus unter Bäumen am See - so lautet auch eine Zeile in Brechts Buckower Elegien. Brecht kaufte dieses Haus, in dem seine 28 Jahre jüngere geliebte Schauspielerin Käthe Reichel wohnte, die er für das Berliner Ensemble entdeckte und die sich zu einer der ganz großen Schauspielerinnen in Deutschland entwickelte. Die Gästeführerin Sabine Frost-Eichelkraut führt die Gruppe ehrfürchtig etwas weiter weg von dem Haus der Theaterlegende Reichel, um sie, die hier immer noch wohnt, nicht zu stören. Doch als der Spaziergang auf der Buckowsee-Promenade fortgesetzt wird, sehen wir sie in bester Laune auf einer Bank am Wegrand in der Sonne sitzen. Sie lächelt allen Brecht-Spaziergängern zu. Prominenz ganz hautnah am Buckowsee.

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Auf der Seeterrasse des Brecht-Weigel-Hauses Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

Lied von der Moldau im Lunapark

Ein weiterer Haltepunkt des Spazierganges ist der Eiszeitgarten im Lunapark. Von Skandinavien hat sich das mehrere hundert Meter dicke Eis auf seinem langen Weg bis in die Buckower Gegend geschoben. Die hier verteilten hunderte Millionen Jahre alten Steine ab 500 Kilogramm Gewicht zeigen ganz plastisch, wie die Landschaft in mehreren Eiszeiten geprägt wurde. Der größte Findling wiegt 11.2 Tonnen, stammt aus Uppsala und wurde, wie das Brecht Double Thomas Mees erzählte, mit einem Bundeswehrtieflader nach Buckow gebracht. Auch in dieser Spazier-Pause werden von beiden Gästeführern Brechttexte vorgetragen. An einige Zeilen über die Vergänglichkeit der Macht erinnere ich mich. Sie lauten:

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"Das Große bleibt groß nicht

und klein nicht das Kleine.

Die Nacht hat zwölf Stunden,

dann kommt schon der Tag."

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Sie stammen aus dem Lied von der Moldau aus dem Werk von Brecht "Schweyk im 2. Weltkrieg". Anschließend singt Sabine Frost-Eichelkraut einige Liedzeilen. Es ist eines der vielen Lieder, die von Gisela May interpretiert wurde. Während ich mit den anderen Teilnehmern auf dem Erlenweg weiter lief, immer am Buckowsee entlang, nahm ich mir vor, zu Hause in den Bücherreihen und bei den Schallplatten mal wieder Brecht zur Hand zu nehmen. Möglicherweise war der Spaziergang dazu für andere Teilnehmer auch ein Anlass, wieder Brecht heraus zu kramen - denn seine Werke sind aktuell wie nie.

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Blick in die Wolfsschlucht Foto: Kultur- und Tourismusamt Märkische Schweiz

Tafelspitz à la Helene Weigel

Der Brechtspaziergang endete nach knapp zwei Stunden im Bellevue, dem Traditionshotel im Kurort Buckow. Hier wurde eine Berliner Löffelerbsensuppe mit einer Speckscheibe serviert. Das sei ein Gericht, das ständig auf dem Speiseplan der Kantine des Berliner Ensembles gestanden haben soll, so berichtete mir der Hotelier Udo Erdmann über seine Recherche. Als Hauptgang trugen die Kellner einen Tafelspitz auf Gemüse mit Meerrettich-Soße auf, eine Verbeugung vor Helene Weigel, die für ihre sehr schmackhaften österreichischen Gerichte bekannt war. Beides schmeckte vorzüglich. Die langjährige Leiterin des Brecht-Weigel-Hauses, Margret Brademann, kam auf die Idee zu diesen Spaziergängen, damit die Besucher den Brecht mit vielen Sinnen erleben können. Sie hat sich seit langem auf den Weg gemacht, Buckow als kleine Brecht-Stadt zu etablieren und sagt ganz selbstbewusst:" Das habe ich ganz sicher geschafft." Und der große Dichter, zu dessen Vorlieben wohl kaum das Wandern zählte, würde sicher die Brechtspaziergänge begrüßen. Sie ertüchtigen nicht allein die Gesundheit, sondern können zum Nachdenken anregen.

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Blick auf Buckow Foto: Kultur- und Tourismusamt Märkische Schweiz

Das muss man in Buckow erleben


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