• Aussicht vom Schloss Belvedere über Potsdam, Foto: TMB-Fotoarchiv/SPSG/Steffen Lehmann Aussicht vom Schloss Belvedere über Potsdam, Foto: TMB-Fotoarchiv/SPSG/Steffen Lehmann
    Ort: Potsdam

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Bürger retten Potsdams schönste Aussicht Die Sanierungsgeschichte des Belvedere auf dem Pfingsberg

27. Oktober 2015 von Steffen Lehmann

Der Pfingstberg mit dem Aussichtsschloss Belvedere fristete in der DDR ein Schattendasein. In unmittelbarer Nähe zu den Grenzanlagen verschwand das Ensemble Stück für Stück aus dem öffentlichen Bewusstsein. Bis 1988 eine Gruppe Potsdamer begann, die Gartenanlage zu retten. Ulrich Koltzer war von Beginn an dabei.

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Ulrich Koltzer im Schloss Belvedere Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

Erster Arbeitseinsatz im Schnee

Ich bin in der Nähe des Pfingstberges aufgewachsen und habe daran viele Kindheitserinnerungen. Nach dem Bau der Mauer zum damaligen Westberlin und der Stationierung sowjetischer Militärs im direkten Umfeld, war der Pfingstberg mit dem Belvedere und seinem weiten Blick ins Umland ein sensibler Bereich.

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Blick über die Gartenanlage auf dem Pfingstberg Foto: TMB-Fotoarchiv/Sophia Grützmann

Die wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse nach 1960 sorgten dafür, dass das Belvedere sich selbst überlassen wurde und verfiel. In den 1980er Jahren suchte man den Pfingstberg vergeblich auf Potsdamer Stadtplänen. Er verschwand aus dem öffentlichen Bewusstsein. Im März 1988 fand der erste Arbeitseinsatz der Arbeitsgemeinschaft Pfingstberg statt. Es lag noch Schnee. Die gesamte Anlage war verwildert. Die Freiflächen vor dem Pomonatempel und dem Belvedere waren zugewachsen. 

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Arbeitseinsatz 1988 am Belvedere auf dem Pfingstberg Foto: SPSG

Alle 14 Tage trafen wir uns zum Arbeitseinsatz. Handwerker, Krankenschwestern, auch ein Arzt, halfen mit. Wir machten schnell Fortschritte. In den Monaten vor und nach der Wende gab es bei uns auch viele Diskussionen. Die Staatssicherheit beobachtete uns natürlich auch. Von Beginn war unser Ziel, die Gartenanlage auf dem Pfingstberg wieder herzustellen. Im Juni 1989 feierten wir das erste Pfingstbergfest wodurch der Pfingstberg wieder ins öffentliche Interesse gerückt wurde.

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Belvedere auf dem Pfingstberg: Eigentlich nicht zu retten

Das Belvedere war in einem erbarmungswürdigen Zustand. Niemand hat daran gedacht, die Mammutaufgabe einer baulichen Instandsetzung anzugehen. 1993 gab es die ersten Überlegungen, das Belvedere zu retten. Wir bauten aus Gerüstteilen einen Aussichtsturm hinter dem Belvedere auf. Viele Potsdamer und Besucher konnten dadurch die wunderbare Architektur des Belvederes und die Aussicht vom Pfingstberg erstmals wieder in Augenschein nehmen.

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Treppenaufgang im Schloss Belvedere Foto: TMB-Fotoarchiv/SPSG/Steffen Lehmann

Die Entscheidung, das Belvedere vor dem Verfall zu retten, fiel als der rekonstruierte Pomonatempel Dank einer Spende der Herrmann-Reemtsma-Stiftung wieder eröffnet wurde. Da sagten wir uns, wir machen mit dem Belvedere weiter. Im Pomonatempel übernahm der Förderverein an den Wochenenden den „Tempeldienst“. Es gab Kaffee und Kuchen für die Besucher, die Kultur in der Natur erleben wollten. Dabei wurden weitere Spenden zur Restaurierung der Pfingstberganlagen gesammelt.

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Frontalansicht von Schloss Belvedere Foto: TMB-Fotoarchiv/SPSG/Steffen Lehmann

Der Förderverein Pfingstberg hätte ohne die vielen Spender keinen Erfolg gehabt. Wir haben damals das Telefonbuch aufgeschlagen und Firmen angerufen und gefragt, ob sie etwas spenden wollen. Einen ganz großen Anteil am Wiederaufbau des Belvedere hat der Versandhausbegründer Dr. Werner Otto. Ohne seine Unterstützung wäre Vieles schwerer oder gar nicht erst möglich geworden.

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Im Schloss Belvedere auf dem Pfingstberg Foto: TMB-Fotoarchiv/SPSG/Steffen Lehmann

Nach der Eröffnung des Belvedere 2001 besuchte er oft und gerne den Pfingstberg als einfacher Besucher, dem es wichtig war auch jedes Mal seine Eintrittskarte zu bezahlen. Er genoss es, wenn er unerkannt auf der Aussichtsplattform des Westturmes den begeisterten Äußerungen der Besucher angesichts der überwältigenden Aussicht lauschen konnte.

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Das muss man rund um den Pfingstberg erleben


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