• Tor zum Tempelgarten von Neuruppin, Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann Tor zum Tempelgarten von Neuruppin, Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann
    Ort: Neuruppin

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Der Kronprinz und sein Tempel Friedrich II. im Tempelgarten Neuruppin entdecken

25. April 2012 von Ronald

Auf der Suche nach einem Ausflug auf den Spuren Friedrich des Großen - der im Jahr 2012 seinen 300. Geburtstag feierte - stoße ich im Internet auf viele interessante Informationen. Neben solchen bekannten Orten wie Potsdam oder Rheinsberg stehen hier Adressen, die kaum jemand mit Friedrich dem Großen in Verbindung bringt, wie Kloster Zinna oder Peitz. Eine spannende Auswahl, die zu einer historischen Entdeckungsreise einlädt. Ich entscheide mich für das nördlich von Berlin gelegene, rund 90 Kilometer entfernte Neuruppin.

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Friedrich im Museum Foto: TMB-Fotoarchiv/Ronald Keusch

Junger Friedrich wird Chef eines Regiments

Bevor ich von der Rostocker Autobahn kommend in das Zentrum der Stadt gelange, werde ich auf der Hauptstraße standesgemäß von einem Fontane-Denkmal empfangen. Der Dichter sitzt lässig auf einer Bank und ruht sich von seinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg aus. Die Geburtsstadt des märkischen Dichters wird oft mit seinem Namen verbunden. Das neue moderne Hotel am See trägt seinen Namen, ebenso sein Geburtshaus, die Fontane-Apotheke sowieso und auch die größte Buchhandlung der Stadt.

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Das Resort am Neuruppiner See. Foto: TMB-Fotoarchiv/Ronald Keusch

Von den Erinnerungen an Friedrich den Großen, der sich als Kronprinz von 1732 bis 1736 vorwiegend in Neuruppin aufgehalten hat, ist kaum mehr etwas vorhanden. Nach seiner Haft in Küstrin erhielt Friedrich hier von seinem Vater sein erstes freies Kommando über das 15. Infanterieregiment. Der große Brand Jahrzehnte später im Jahr 1787 vernichtete drei Viertel der Stadt und auch fast alles, was an den jungen Friedrich erinnert, mit wenigen Ausnahmen: Erhalten geblieben sind zwei Kasernengebäude in der heutigen August Bebel-Straße und der Friedrich Engels-Straße sowie der Tempelgarten mit dem Apollo-Tempel.

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Kronprinz war kein früher Prinz Charles

Bis heute haben sich die Neuruppiner den Tempelgarten als ein anmutiges Kleinod der Stadt erhalten. Überall sauber angelegte Wege, gepflegte Blumenrabatten, verschiedene Skulpturen. Hier treffe ich den Wirtschaftshistoriker Dr. Peter Schmidt, einen Landes- und kirchenhistorischen Kenner, der viel über jene königstreue Zeit in Preußen weiß. Kronprinz Friedrich ließ sich nahe der Stadtmauer an den alten Wallanlagen einen kleinen barocken Garten anlegen und nannte ihn seine "Amalthea". Dieser Name einer griechischen Nymphe aus der Götterwelt spiegelte seinen Seelenzustand im Verhältnis zu seinem Vater wider.

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Der Apollo-Tempel: Knobelsdorffs architektonisches Erstlingswerk. Foto: TMB-Fotoarchiv/Ronald Keusch

Sein Freund, der junge Ingenieur-Offizier Knobelsdorff, errichtete darin in seinem Erstlingswerk einen Rund-Tempel mit einer Apollo-Figur. Der Tempel wird zum Treffpunkt des Freundeskreises vom Kronprinzen in der Stadt. Erzählt wurde auch über die Feste im Garten und den Allotria, den die jungen Herren Offiziere mit Schwarzpulver trieben. Damals war in der Stadtmauer zum Wall eine Pforte eingesetzt, durch die der Kronprinz sein Refugium direkt erreichen konnte.

Im Garten wurde für den Kronprinzen Obst angebaut. Sein Leben lang hat Friedrich gern Obst gegessen, war aber keineswegs ein früher Prinz Charles, der womöglich selbst im Garten Hand anlegte. Zur Stadtgeschichte gehört auch, dass der künftige preußische König seine ästhetische Position gegen die Weisungen seines sparsamen Vaters durchsetzte. Er verhinderte, dass der alte Baumbestand auf den Wällen abgeholzt wurde. Bis zum heutigen Tag schmücken viele alte Eichen die Wallanlagen. Im 19. Jahrhundert wurden Tempel und Garten umgebaut, erhielten durch die neuen Besitzer, die Familie Genz, eine maurisch-orientalische Architektur mit einem Gartenhaus.

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Gartenhaus im Neuruppiner Tempelgarten Foto: TMB-Fotoarchiv/Ronald Keusch

Denkmal für Nachfolger von Friedrich dem Großen

Die Neuruppiner Einwohner haben allerdings nicht Friedrich den Großen, sondern seinem Nachfolger Friedrich Wilhelm II. im 19. Jahrhundert im Zentrum der Stadt auf dem Schulplatz ein Denkmal gesetzt. Der in Neuruppin geborene Schinkel schuf den Entwurf für das Denkmal. Es ist heute wieder an seinem früheren Platz zu sehen und erinnert daran, dass der junge Preußenkönig in seinen ersten Regierungsjahren riesige Summen aus dem preußischen Staatsschatz für den Aufbau des abgebrannten Neuruppin zur Verfügung stellte. Niemals wieder wurde in Preußen eine Stadt so gefördert wie Neuruppin. Im Zeitraum von 20 Jahren entstand eine klassizistisch geprägte preußische Musterstadt mit breiten Straßen, viel Licht und Luft. Es macht mir viel Freude, durch die Stadt zu bummeln, die regelmäßige Stadtanlage mit den Hausfassaden zu betrachten und die Idylle der Seepromenade zu genießen. Übrigens sollte der Apollo-Tempel nebst Garten, mittlerweile durch den Aufbau von Sanssouci in Vergessenheit geraten, bei der neuen Stadtplanung eingeebnet werden. Erst der Einspruch von Friedrich Willhelm II. sorgte für die Erhaltung des Tempelgartens.

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Blick auf die Siechenhauskapelle in Neuruppin Foto: Up Hus Idyll

Menü "Fasan – Friedrich der Große"

Auf die Spur vom Alten Fritz kann der Besucher in Neuruppin auch auf kulinarischem Weg kommen - mit Friedrich-Gerichten. Im Resort Mark Brandenburg direkt am Neuruppiner See steht im Restaurant Parzival ein Friedrich-Menü auf der Speisekarte. Ich habe Glück und treffe den in Neuruppin gebürtigen Küchenchef Matthias Kleber, Teamchef der Nationalmannschaft der Köche Deutschlands, den die rührige langjährige Direktorin Martina Jeschke vor einem halben Jahr unter Vertrag nahm. Er erzählt davon, dass der Verein "Ruppiner Köche" Anfang des Jahres beschloss, den Gästen Gerichte anzubieten, die der preußische König, der bekanntlich zu den Gourmets seiner Zeit zählte, tatsächlich auf seinem Speiseplan hatte. Insgesamt seien bei den Recherchen 15 Rezepte aufgenommen und in diesem Jahr auf die Karte gekommen.

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Koch bei der Arbeit Foto: TMB-Fotoarchiv/Yorck Maecke

"Besonders gefragt ist bei unseren Gästen der Wildfasan mit Dörrobst, Semmelknödel, Rotkraut und Rote Beete sowie die königlich preußischen Klopse, die mit Flusskrebsen, Kapern und Sardellen verfeinert werden", erzählt Matthias Kleber. Ich probiere den Wildfasan und kann nur bestätigen, dass der alte Fritz durchaus ein Feinschmecker war. Nur schwer nachvollziehbar ist für mich, dass die königlichen Mittagstafeln über zwei bis drei Stunden oft zehn bis zwölf Gänge umfassten. Ich bin schon mit drei Gängen "Fasan - Friedrich der Große" gut gesättigt.

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Privates Preußen-Museum auf dem Gut von Husarengeneral Ziethen

Da das Heimatmuseum in Neuruppin wegen Rekonstruktion bis zum Jahresende geschlossen hat, bietet sich ein Besuch des Dorfes Wustrau an, das am Ende des lang gestreckten Neuruppiner Sees liegt. Hier in der 800-Seelengemeinde kann der Besucher weiter auf Preußens Spuren wandeln. Denn auf dem Guts-Gelände des ehemaligen Husarengenerals Hans Joachim von Ziethen, der den alten Fritz mit seiner leichten Kavallerie in seinen großen Schlachten begleitete, ist ein Preußen-Museum eröffnet worden. Dieses Museum unterscheidet sich von den allermeisten anderen Museen - es ist ein privates Museum. Eigentümer ist Ehrhardt Bödecker, der der zweitgrößte deutsche Privatbankier war. Vor 12 Jahren errichtete er für knapp sieben Millionen Mark dieses Museum.

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Brandenburger Preußen-Museum Foto: TMB-Fotoarchiv/Ronald Keusch

Hier bringt er seine Preußen-Verehrung zum Ausdruck und ruft damit unterschiedliche Meinungen hervor. Bei meinem Rundgang durch die Museumsräume bin ich schon beeindruckt, was hier der Hobby-Historiker Bödecker in seinem Geschichtsmuseum, auf sich allein gestellt, an Fakten zusammen getragen hat. Er präsentiert Preußens Leistungen auf den Gebieten Wissenschaft, Bildung, Rechtswesen - ein lohnender Diskurs. Wenn der Besucher allerdings bei der Aufzählung der Errungenschaften Preußens glaubt, dass sein kritischer Blick abhanden kommt, dann muss er sich nur an die literarischen Werke deutscher Schriftsteller wie Heinrich Heine oder Heinrich Mann erinnern. Denn Preußen samt dem alten Fritz - das ist bei weitem nicht nur eine Liebesgeschichte.

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