• Marionettenpuppen auf der Bühne, Foto: Museum des Mitteldeutschen Wandermarionettentheaters
    Ort: Bad Liebenwerda

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Wandernde Marionetten
Ausstellung über das mitteldeutsche Marionettentheater in Bad Liebenwerda

28. Juni 2014 von Steffen Lehmann

Sie hingen am sächsischen Fadenkreuz. Generationen von Marionettenspielern sind mit ihren Figuren in Preußen und Sachsen von Dorf zu Dorf gezogen. Eine Ausstellung in Bad Liebenwerda zeigt, wie sich diese Kunst entwickelte und warum sich das fahrende Volk ausgerechnet im südlichen Brandenburg ansiedelte.

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Durch die Nähe zu den großen Handelswegen war Liebenwerda prädestiniert für den Aufschwung des Wandermarionettentheaters. Foto: Museum des Mitteldeutschen Wandermarionettentheaters

Am Lebensende erfährt der Puppenspieler Anerkennung von ganz oben. Als er 1764 stirbt, versammelt sich in einer Kirche bei Liebenwerda die Trauergemeinde. Über sein Leben spricht der Pfarrer in der Predigt einen bemerkenswerten Satz: "Sein Leben war ein Schattenspiel." Im Taufregister ist als Beruf Schattenspieler und Komödiant vermerkt.

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Noch bis in das frühe 19. Jahrhundert hinein bilden sich Wandertheaterfamilien in der Region um Neu Saathain. Foto: Museum des Mitteldeutschen Wandermarionettentheaters

Im 18. Jahrhundert satteln viele Soldaten zum Puppenspieler um und ziehen mit einer Laterna magica über die Dörfer. So auch der ehemalige Grenadier Wolf. Er mischt sich nach dem Militärdienst unter das fahrende Volk. Keine unübliche Karriere in der damaligen Zeit. Die bis zum Wiener Kongress sächsische Region zwischen Elbe und Elster gilt als Wiege des sächsischen Wandermarionettentheaters am Ende des 18. bzw. zu Beginn des 19. Jahrhunderts.

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Nach der Armee zum Marionettentheater

Die Region um Liebenwerda liegt abseits der Metropolen Berlin, Leipzig und Dresden. Durch die Handelswege, die sich hier kreuzen, aber auch mittendrin. Das befördert den Aufschwung des Marionettentheater. Neuigkeiten verbreiten sich schnell, werden in die Stücke eingebaut und Publikum ist auch vorhanden.

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Für manche haben Marionetten bis heute nichts von ihrer Faszination eingebüßt. Foto: Museum des Mitteldeutschen Wandermarionettentheaters

Nach 1800 ziehen bekannte Marionettenspieler mit ihren Familien aus Sachsen und Schlesien in die Region und siedeln sich in Neu Saathain an. Hier entsteht ein regelrechtes "Komödiantennest". So bleibt das fahrende Volk unter sich. Von hier ziehen die Marionettenspieler samt Wohn- und Packwagen vom Frühjahr bis zum Herbst von Dorf zu Dorf. In den Sälen der Gasthöfe bringen sie ihre Stücke auf die prächtig gestalteten Bühnen.

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Die ganze Familie spielt mit

Die Marionettenspieler wechseln erkannt und unerkannt die Landesgrenzen, spielen zwischen Dresden und Berlin, sorgen für Spaß und Unterhaltung, aber auch Kritik. Das Theater war eine Familienangelegenheit. Die Frauen schneidern die Kostüme, die Männer spielen. Auch die Kinder stehen manchmal neben den Marionetten mit auf der Bühne. Noch heute wird in der Region osterländisch gesprochen, ein Zungenschlag, der leicht ans Hallensische erinnert. Nicht von ungefähr bezeichnen sich die Bewohner gerne auch als "Musspreußen".

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Hier kann die Ausstellung des Marionettenspielertums besucht werden. Foto: Museum des Mitteldeutschen Wandermarionettentheaters

Das Museum des Mitteldeutschen Wandermarionettentheaters in Bad Liebenwerda bewahrt diese Tradition. Neben zahlreichen Marionetten und Dokumenten zum Leben reisender Puppenspieler, beleuchtet die Ausstellung das Lebensumfeld jener Komödianten, Schatten- und Marionettenspieler.

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Informationen

Die Exponate sind mittlerweile als Dauerausstellung zu bewundern.

Kreismuseum Bad Liebenwerda

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr, von Oktober bis März 10 bis 17 Uhr

Eintritt: 4 Euro, ermäßigt 2 Euro

Adresse: Burgplatz 2, 04924 Bad Liebenwerda

Internet: www.lkee.de sowie Spieltermine des Theaters unter www.ambrella.de.

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