Pilze-Sammler kommen in Brandenburg nun wieder voll auf ihre Kosten. Mit Beginn der kühleren und feuchteren Tage sind die Voraussetzungen für das Sprießen von Pfifferlingen, Steinpilzen und Maronen deutlich gestiegen. Wo die Wahrscheinlichkeit am größten ist, Pilze zu finden und was dabei sonst noch alles zu beachten ist, erklärt der Potsdamer Pilz-Experte Wolfgang Bivour vom Naturschutzbund (NABU) im Interview.
Steinpilze wachsen bevorzugt in der Nähe von Kiefern, aber auch von Linden und Eichen.,
Foto: TMB Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH/Wolfgang Bivour
Wo sind in Brandenburg die Chancen am größten, Pilze zu finden?
In Kiefernwäldern mit nährstoffarmen Böden und viel Moos haben Sammler große Chancen, Pilze zu finden. Hier wachsen unter anderem auch die begehrten Pfifferlinge. Auch in lichten Buchenwäldern kann das Pilzvorkommen recht hoch sein. Dagegen wird man in Wäldern mit Heidelbeeren-Sträuchern, Farnkraut oder dichtem Gras kaum fündig werden.
Woran erkenne ich essbare Pilze?
Anfänger sollten sich beim Pilze-Sammeln zunächst auf die Röhrlinge beschränken, also Arten mit Röhren, auch Schwamm genannt, unter dem Hut. Hierunter gibt es nur ganz wenige schwach giftige Arten, die überdies in Brandenburg äußerst selten sind. Allerdings kann der harmlose Gallen-Röhrling oder Bitterling, der leicht mit dem Steinpilz oder auch der Marone zu verwechseln ist, wegen seiner Bitterkeit das Pilzgericht verderben. Übrigens ist eine bläuliche Verfärbung bei Verletzung oder Druck, wie sie bei einigen Arten auftritt, zum Beispiel bei Hexen-Röhrlingen oder in schwacher Form auch bei den beliebten Maronen, kein Zeichen für Ungenießbarkeit oder gar Giftigkeit. Ein allgemein anwendbares Mittel, einen Giftpilz zu entlarven, gibt es allerdings nicht.
Finger weg vom Grünen Knollenblätterpilz – sein Verzehr ist tödlich.,
Foto: TMB Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH/Wolfgang Bivour
Welche Technik ist beim Sammeln von Pilzen am besten geeignet?
Es wird immer wieder darüber diskutiert, ob es besser ist, einen Pilz mit dem Messer abzuschneiden oder ihn herauszudrehen. Beides ist möglich. Ein Messer sollte man aber immer dabei haben, um die Pilze gleich vor Ort auf Madenfraß zu untersuchen, schadhafte und angefressene Stellen herauszuschneiden und von Schmutz zu befreien.
Darf ich Pilze überall in Brandenburg sammeln?
In zahlreichen Naturschutzgebieten ist das Sammeln von Pilzen strikt verboten. Wer dagegen verstößt, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Es gibt jedoch auch Naturschutzgebiete, in denen das Pilzesammeln in bestimmten Zeiträumen erlaubt ist. Das hängt vom jeweiligen Schutzziel der Gebiete ab. Außerdem gibt es in Deutschland generell Beschränkungen beim Sammeln, die in der Bundesartenschutzverordnung und den Waldgesetzen der Länder geregelt sind. Danach dürfen Pilze nur in geringer Menge, maximal ein bis zwei Kilogramm pro Person und Tag, für den eigenen Verbrauch gesammelt werden. Der Verkauf von Pilzen aus deutschen Landen ist nur mit besonderen Genehmigungen gestattet.
Besonders begehrt: Pfifferlinge mit ihrem meist trichterförmigen Hut,
Foto: TMB Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH/Wolfgang Bivour
Was mache ich, wenn ich mir bei einem Pilz nicht sicher bin?
Wer sich nicht sicher ist, ob die gesammelten Pilze im Korb wirklich genießbar sind, sollte beispielsweise einen Termin mit mir ausmachen oder eine andere Pilzberatungsstelle im Land aufsuchen. Eine Liste mit Ansprechpartnern gibt es im Internet auf der Seite des Brandenburgischen Landesverbandes der Pilzsachverständigen. Die Beratung ist übrigens kostenlos.
Gibt es denn genügend Beratungsstellen im Land?
Leider nicht - daher freuen wir uns über jeden, der für uns ehrenamtlich als Pilzsachverständiger arbeiten möchte.
Vielen Dank für das Gespräch!
Schön anzuschauen, aber giftig: der Fliegenpilz.,
Foto: TMB Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH/Wolfgang Bivour
Weitergehende Informationen
Kompetente Beratung zum Thema Pilze bietet der Brandenburgische Landesverband der Pilzsachverständigen e.V. auf seiner Internetseite www.blp-ev.de.
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