• Sternenhimmel im Westhavelland, Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

    Im Westhavelland strahlen die Sterne in klaren Nächten besonders hell. Und das gerade einmal eine Stunde von der Metropole Berlin entfernt. Ein besonderes Naturerlebnis für Sternengucker!

    Im Westhavelland strahlen die Sterne in klaren Nächten besonders hell. Und das gerade einmal eine Stunde von der Metropole Berlin entfernt. Ein besonderes Naturerlebnis für Sternengucker!
    Ort: Gülpe

1. Tag
Nachmittags

Wann sieht man in der Großstadt schon einmal die Milchstraße oder den Großen Wagen. Die Wahrscheinlichkeitgeght gegen Null. Im Westhavelland stehen die Chancen schon besser. 2013 wurde die Region um Rathenow als erster deutscher Sternenpark ausgezeichnet. Astronomen messen hier Werte, die sie sonst nur aus Chile oder Namibia kennen. Und das eine knappe Stunde von Berlin entfernt!

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Im Naturpark Westhavelland Foto: TMB-Fotoarchiv/Thomas Rathay

Die letzten Tage habe ich immer wieder den Wetterbericht konsultiert. Wird das Wetter halten? Wird es eine klare Frühlingsnacht geben? Die Entscheidung loszufahren, treffe ich im letzten Moment, auch wenn die Vorhersage nicht ideal ist. Ich habe schon zu oft die Tour ins Westhavelland verschieben müssen.

 

 

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2013 zum ersten Sternenpark Deutschlands gekürt

Mein Sternengucker-Quartier ist die Kreativoase in Gülpe. Jordis Hammer hat hier ein kleines Refugium für alle geschaffen, die sich ohne störende Nebengeräusche erholen wollen. Neben mir sind noch zwei Radler aus Süddeutschland da, die sich auch vom Sternenhimmel verzaubern lassen wollen.

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Kreativoase in Gülpe Foto: TMB-Fotoarchiv/Thomas Rathay
Abends

Das Revier für mein Sternenerlebnis ist das kleine Dorf Gülpe an der Unteren Havel. Gleich nebenan liegt der Gülper See. Der See ist beliebter Rastplatz für Nordische Gänse, Singschwäne und Kraniche. Jedes Jahr rasten hier Tausende der Zugvögel vor ihrem Flug in wärmere Gefilde.

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Sternenpark Westhavelland

Der Sternenpark im Naturpark Westhavelland ist ein speziell ausgewiesenes Gebiet mit einer weitgehend natürlichen Nachtlandschaft und einem sternenreichen Himmel. Der Park verpflichtet sich, diese Naturschönheit zu erhalten und wo erforderlich schrittweise wiederherzustellen. Erreicht wird dies vor allem durch einen verantwortungsvollen Umgang mit künstlichem Licht. Davon kann ich mich in Gülpe wenig später selbst überzeugen. Die Straßenlaternen strahlen nicht nach oben in den Himmel ab, sondern nach unten. Mit dem Effekt, dass das Licht wie gedimmt wirkt.

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Sternenpark Westhavelland

Gegen 19 Uhr setzt die Dämmerung ein. Am Havelarm ist ein Rastplatz für Wasserwanderer. Genau der richtige Platz, um die Kamera klar zu machen. Das Wasser der Havel fließt träge vorbei. Die ersten Langzeitbelichtungen sind im Kasten. Gar nicht so schlecht. Die Sonne verschwindet am Horizont mit einem letzten Aufleuchten. Die Augen gewöhnen sich an die Dunkelheit. Für die Einstellungen an der Kamera muss ich ab und zu die Taschenlampe an meinem Telefon anmachen. Dann ist es wieder dunkel.

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Weißt du wie viel Sternlein stehen?

Im Dorf ist der Kirchturm angestrahlt und taucht den Ort in ein warmes Licht. Es ist inzwischen 20 Uhr. Wolkenschleier hängen am Himmel. Die ganz klare Nacht wird es heute wohl nicht werden. Jetzt heißt es, nicht entmutigen lassen.

Die ersten Sterne tauchen am Firmament auf. Aber schon das ist viel mehr, als ich in der Berlin jemals zu sehen bekomme. Von jetzt an geht es im Minutentakt. Immer mehr Sterne tauchen auf. Der Himmel beginnt zu funkeln, als ob jemand viele Taschenlampen angeknipst hätte.

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Sternenpark Westhavelland

Ein paar Schritte von der Dorfkirche entfernt, führt eine kleine Brücke über den Havelarm. Von hier gibt es einen sehr schönen Blick auf den Ort und die Havelniederung. Für einen besonderen Effekt sorgt ein Autofahrer, der mit seinem Geländewagen ganz nah ans Wasser fährt und mit seinen Scheinwerfern das Ufer ausleuchtet: „Festival of Lights“ im Havelland. Wunderbar.

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Sternenpark Westhavelland

Der Kirchturm im Dorf bietet einen schönen Kontrast zum dunklen Himmel. Hinten am Horizont gibt es noch viel künstliches Licht. Den dunkelsten Ort im Sternenpark scheine ich nicht erwischt zu haben. Ein Tipp für alle Sternenfans: Der Naturpark Westhavelland hat eine kleine Broschüre mit praktischen Tipps für Sternengucker herausgegeben. Darin sind auch fünf Orte aufgeführt, die sich besonders für die Sternenbeobachtung eignen.

Besonders gute Beobachtungsmöglichkeiten gibt es in der etwa 40 Quadratkilometer großen Kernzone zwischen Gülpe und Nennhausen. Einer dieser Beobachtungspunkte liegt am Nordufer des Gülper Sees. Den werde ich auf jeden Fall bei meinem nächsten Besuch im Sternenpark Westhavelland ansteuern.

Nach fast drei Stunden in den Himmel schauen, wird auch der größte Sternenfan müde. Es geht zurück in die Kreativoase. Kurz vor dem Einschlafen, geht mein Blick noch einmal in Richtung Himmel. Was für eine Nacht unter dem Sternenzelt.

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Tipps für Sternengucker

  1. Aufpassen im Naturpark

    Je weiter Sie von beleuchteten und bebauten Flächen entfernt sind, desto dunkler ist der Himmel sein und desto mehr Sterne sehen Sie. Bitte beachten Sie, dass sie sich größtenteils in Naturschutzgebieten bewegen. Verlassen Sie dort die Wege nicht.

  2. Mit Navi zu den besten Stellen

    Für jeden Platz sind Koordinaten für Navigationsgeräte angegeben sowie die dort gemessenen Himmelshelligkeiten. Je größer der Zahlenwert ist, desto dunkler ist der Himmel.

  3. Zum richtigen Zeitpunkt losfahren

    Informieren Sie sich, wann die Sonne untergeht und beginnen Sie die Beobachtungen mindestens eineinhalb Stunden später, so dass der Himmel richtig dunkel ist.

  4. Ideale Bedingungen

    Am besten sehen sie die Sterne, wenn der Mond untergegangen ist, denn das Mondlicht scheint so hell, dass schwächere Sterne oder die Milchstraße kaum zu sehen sind.

2. Tag
Vormittags

Geweckt werde ich von der Sonne, die in mein Zimmer in der Kreativoase scheint. Nach dem Frühstück geht es los in Richtung Brandenburg an der Havel. Für die Rückfahrt habe ich mir einen Abschnitt auf dem Havelradweg entlang der Unteren Havel ausgesucht. Hier schlängelt sich der Fluss durch die Landschaft und der Radweg führt die meiste Zeit des Weges schön nah am Wasser entlang. Kurzer Abstecher noch zum Gülper See bevor es Richtung Süden geht. Kleine Badestellen tauchen auf. Im Sommer kann der Radler sich hier optimal abkühlen.

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Badestelle am Havelradweg Foto: TMB-Fotoarchiv/Thomas Rathay
Mittags

Mittagspause im GastHof Milow. Der urige Landgasthof liegt direkt an der Havel. Vor der Terasse schippern Hausboote und paddeln Kanufahrer vorbei. Das kühle Radler läuft prickelnd die Kehle runter. Hier bleibe ich erst einmal, denke ich. Klaus-Dieter Aretz, der zusammen mit seiner Frau Katrin, den GastHof Milow betreibt, hat ein Havelländer Kochbuch geschrieben. Die Gelegenheit, in die Havelländer Küche einzutauchen, lasse ich mir nicht entgehen – und werde nicht enttäuscht.

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GastHof Milow Foto: TMB-Fotoarchiv/Thomas Rathay
Nachmittags

Hinter Milow entfernt sich der Havelradweg von der Havel. Ich rolle zügig weiter in Richtung Brandenburg an der Havel. Bei Pritzerbe geht es über die Havel und weiter in Richtung Kirchmöser. Das Schloss Plaue ist ein schönes Fotomotiv bei Hochzeitspaaren äußerst beliebt. Im Sommer finden hier außerdem oft Lesungen statt.

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Schloss Plaue Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

Brandenburg an der Havel ist eine Wasserstadt. Das merke ich, als weiter in Richtung Stadtzentrum fahre. Möserscher See, Breitlingsee kommen in Sicht. Eine letzte Pause vor dem Ziel am Hauptbahnhof mache ich an der Malge. Der Biergarten liegt direkt am Wasser. Aufgepasst: Der letzte Abschnitt in das Stadtzentrum kann auch mit einem Ausflugsschiff zurückgelegt werden. Los geht es ab dem Buhnenhaus, das auch einen wunderbar lauschigen Biergarten besitzt. Für heute habe das letzte Schiff knapp verpasst und rolle entspannt die letzten Kilometer in Richtung Hauptbahnhof. 

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Blick auf Jahrtausendbrücke Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

Zum Schluss meiner Sternengucker-Tour belohnt mich Brandenburg an der Havel noch mit ein paar fantastischen Aussichten. Die ehemalige Industriestadt hat sich zu einem echten Hingucker am Wasser entwickelt. Während ich an der Jahrtausendbrücke vorbei in Richtung Dom fahre, plane ich bereits meine nächste Havelland-Tour im Kopf. Im Frühling muss es hier zauberhaft sein ...

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