• Bergbautour, Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann Bergbautour, Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

    Ein aufregendes und vergängliches Erlebnis in der Lausitz: Gehen Sie auf Tour durch eine Landschaft, die seit Generationen vom Bergbau geprägt ist und sich nun in eine Seenlandschaft verwandelt.

    Ein aufregendes und vergängliches Erlebnis in der Lausitz: Gehen Sie auf Tour durch eine Landschaft, die seit Generationen vom Bergbau geprägt ist und sich nun in eine Seenlandschaft verwandelt.
    Ort: Welzow

1. Tag
Vormittags

Bergbau gehört schon seit Jahrhunderten zur Lausitz. Auch wer kein Bergmann ist, kann sich einen Tagebau aus nächster Nähe anschauen. Die Gelegenheit dazu gibt es bei einer Bergbautour in Welzow.

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Bahnhof Welzow Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

Treffpunkt ist der ehemalige Bahnhof in Welzow. Mit dem gelben Mannschaftswagen geht es los. Nach nicht einmal zehn Minuten liegt der Tagebau Welzow vor uns. Jetzt erklärt sich auch der Zusatz „Stadt am Tagebau“ auf dem Ortsschild. Die Sonne strahlt am blauen Himmel über der Lausitz. Bilderbuchwetter für eine ungewöhnliche Tour.

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Platz für über 4000 Fußballfelder

Der Tagebau Welzow-Süd erstreckt sich über eine Fläche von 3000 Hektar. Das entspricht 4200 Fußballfeldern. Eine Runde um dem Tagebau ist etwa 50 Kilometer lang. Das mache ich vielleicht ein anderes Mal. Auf einer asphaltierten Straße rollt der Mannschaftswagen in den Tagebau. Später, wird es etwas holpriger werden.

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Tour in den Tagebau Welzow Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

Der erste Blick fällt auf die Abraumhalden. Der Boden ist hier so sauer, dass hier nichts wächst. Das Wort Mondlandschaft kommt mir in den Sinn. Dann öffnet sich vor uns der Tagebau und ein Raunen geht durch den Mannschaftswagen. Die Dimensionen sind einfach riesig. In der Ferne steht der Koloss der Förderbrücke F60. Die riesige Maschine ist 500 Meter lang und 200 Meter breit. In der Lausitz sagen die Menschen „liegender Eiffelturm“ dazu. Der Mannschaftswagen hält vor der F60. Das Förderband dröhnt und die Förderbrücke schiebt sich im Schneckentempo vorwärts. Plötzlich fühlt man sich ganz klein vor der dieser riesigen Kulisse.

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Bergbautour Welzow Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann
  • Bergbautour Welzow, Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann
  • Bergbautour Welzow, Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann
  • Bergbautour Welzow, Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann
  • Bergbautour Welzow, Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

Der Tagebau in Welzow ist 110 Meter tief. Wenig später, eine Etage tiefer liegt die F60 in ihrer ganzen Größe vor mir. Was für ein Panorama! Der Auslöser meiner Kamera macht klick, klick, klick. Der Abraum fällt wie ein Wasserfall in die Tiefe und wird wieder aufgeschüttet. Wie riesig der Tagebau ist, wird deutlich, als der Mannschaftswagen uns zur letzten Station bringt. Wir fahren eine Viertelstunde, bevor wir den Schaufelradbagger erreichen. Sein riesiges Schaufelrad fräst sich durch den Kohleflöz, der hier 14 Meter stark ist. 50 Meter schafft der Schaufelradbagger am Tag. Mit einem lauten Dröhnen kommt er ungefähr 100 Meter vor uns zum Stehen.

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Mittags

Es ist kurz nach zwölf Mittags als wir das Gut Geisendorf erreichen. In dem kleinen Gutshaus mit der glänzend weißen Fassade, wartet eine zünftige Bergmannsvesper auf uns „Bergleute“.

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Gut Geisendorf Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

Die Bratwurst brutzelt schon auf dem Grill. Platten mit belegten Broten stehen auf den Tischen. Die Tour hat hungrig gemacht. Auch der Staub muss erst einmal von der Zunge gespült werden. Nach 45 Minuten kommt das Zeichen zum Aufbruch. Die Tour ist wie im Flug vergangen. Die Tour in den Tagebau ist ein Erlebnis, egal, wie man zur Braunkohle steht. Die Maschinen sind einfach beeindruckend.

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Gut Geisendorf Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann
Nachmittags

Von Welzow ist es nur eine kurze Fahrt nach Großräschen. Hier ist der Braunkohletagebau schon Vergangenheit und lässt sich die Zukunft besichtigen. Der Großräschener See wird seit einigen Jahren geflutet. Rings um den See ist man schon auf die Zeit vorbereitet, wenn Großräschen eine Stadt am Wasser sein wird.

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IBA-Terrassen Großräschen Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

Im Seehotel verbringe ich die Nacht. Gerold Schellstede hat hier mutig auf die Zukunft gesetzt. Ich bekomme ein Zimmer mit Blick auf den See. Und das hat was. Die Zukunft in Großräschen wurde mit der Internationalen Bauaustellung (IBA) 2004 eingeläutet. Die IBA-Terassen teile ich mir an diesem sommerlichen Montag nur mit einer Handvoll Gäste. Das wird garantiert anders sein, wenn die Boote im Stadthafen anlegen und der See voll geflutet ist.

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Seehotel Großräschen Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

Dass das Café geschlossen hat, ist nicht schlimm. Ein paar Meter weiter entdecke ich meinen Liebingsplatz für die nächsten Stunden. Eine Schaukel mit Blick auf den See! Schnell fasse ich einen Plan. Ich besorge mir zwei Flaschen mit einem kühlen Getränk und werde einfach nur die Aussicht genießen. Gesagt, getan. Der Nachmittag vergeht wie im Flug.

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Abends

Das Seehotel ist nicht nur das erste Haus am Platz in Großräschen. Es beherbergt auch das erste und einzige Fälschermuseum des Landes. Gegründet haben es die Brüder Posin aus Berlin, die hier ihre Werke ausstellen. Dass sie hier nicht jede Woche Besuch von der Polizei bekommen, liegt daran, dass klar ist, dass es sich um „Fälschungen“ handelt und die Brüder die Fälschungen mit ihrem Namen signieren.

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Fälschermuseum Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

Die drei Brüder stammen aus Russland und malen einfach gerne. Ihre Bilder stellen sie in einem Seitenflügel des Hotels aus. Die Eintrittskarte gibt es an der Rezeption. Auf dem Flur hängt ein Michelangelo, ich sehe einen Rembrandt. In einem Raum hängt ein Klimt neben einem Van Gogh. Einen Vermeer gibt es auch. Um die Originale sehen zu können, müsste ich quer durch Europa fahren. Hier habe ich einige der berühmtesten Bilder auf 300 Quadratmeter versammelt. Die Posins nehmen jede malerische Herausforderung an und haben sich auch an der Mona Lisa von Leonardo da Vinci versucht. Standesgemäß, wie im Pariser Louvre, steht sie hinter Glas.

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Fälschermuseum Großräschen Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann
2. Tag
Vormittags

Den Tag beginne ich mit einem Spaziergang an frischer Morgenluft. Eine Joggerin kommt mir entgegen, ansonsten bin ich wieder allein an den IBA-Terrassen. Nach dem ausgiebigen Frühstück geht es weiter nach Lichterfeld. Gestern habe ich die F60 in Welzow in Aktion gesehen. Heute werde ich die Förderbrücke besteigen und mir den „liegenden Eiffelturm der Lausitz“ aus der Nähe anschauen.

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Victoriahöhe Großräschen Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

Die Lausitz ist die Region der kurzen Wege. Von Großräschen brauche ich nur zehn Minuten nach Lichterfeld und dann steht sie in voller Größe vor mir: die F60. Dass sie heute zu besichtigen ist, verdankt sie der Wende. 1991 fertig gestellt, war sie nur wenige Monate in Betrieb, bevor sie 1992 stillgelegt wurde. Dass damals die Sprengung verhindert wurde, ist heute ein Glücksfall.

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F60 Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann
Mittags

Im Besucherbergwerk in Lichterfeld ist wie im Tagebau Welzow Helmpflicht. Mein Guide für die nächsten 90 Minuten ist Olaf Umbreit. Ungefähr 1,4 Kilometer liegen vor mir. Voller Elan erklimme ich die ersten Stufe. Mein Ziel erkenne ich in der Ferne: Die Aussichtsplattform am Ende der Förderbrücke!

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Besucherbergwerk Abraumförderbrücke F60 Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

Bis dahin ist es aber noch ein Stück. Alles ist hier groß. Schrauben habe die Größe meiner Faust. Erste Zwischenstation ist eine besondere Stelle an der F60. Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder besuchte im September 2000 die F60. Seitdem heißt die Stelle „Kanzlerblick“ und der Blick über den Bergheider See ist fantastisch. Dann sind es „nur“ noch 200 Meter bis zum Aussichtspunkt. Die Förderbrücke steigt leicht an. Der Wind weht mir ins Gesicht. Die Belohnung am Ende ist den Aufstieg wert: Die Aussicht ist grandios. Ich stehe 74 Meter über dem Boden.

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Besucherbergwerk Abraumförderbrücke F60 Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann
Nachmittags

Wer es exzentrisch mag, kann sich von der F60 auch abseilen. Ich wähle heute den klassischen Abstieg und stehe nach 15 Minuten wieder auf sicherem Boden. Das Lausitzer Seenland ist eine Landschaft im Wandel. Dass ich wiederkommen werde, steht nach den zwei Tagen fest.

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Besucherbergwerk Abraumförderbrücke F60 Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

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