• Fahrrad auf Brücke, Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

    Natururlaub im Ruppiner Seenland

    Haben Sie Lust auf Naturerlebnisse im Berliner Umland? Wir haben einen Naturfan aus Berlin auf den "Triathlon für Genießer" nach Neuruppin geschickt. Hier ist sein Bericht.

    Haben Sie Lust auf Naturerlebnisse im Berliner Umland? Wir haben einen Naturfan aus Berlin auf den "Triathlon für Genießer" nach Neuruppin geschickt. Hier ist sein Bericht.
    Ort: Neuruppin

1. Tag
Vormittags

Rad fahren, paddeln, zurück mit dem Fahrgastschiff: Eine Tagestour durchs Ruppiner Land von Neuruppin zur Boltenmühle und zurück mit Wasser satt und einem Hauch Abenteuer mit sportlicher Herausforderung und einmaligen Ausblicken.

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Neuruppin Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

Früh raus, auf nach Neuruppin, der Fontanestadt. Hier ist er 1819 geboren: Der Übervater aller Brandenburg-Expediteure. Hier soll er starten, mein Triathlon durchs Ruppiner Land. Das ist wohl nicht ganz nach der Façon des alten Fontane, der ja bekanntlich eher gemütlich-beobachtend durchs Land streifte, aber sei's drum. Ich bin gespannt – und auf alles vorbereitet, auch wenn der Veranstalter „Rhinpaddel“ es mit dem Triathlon nicht ganz so ernst nehmen: Hier wird kein Wettbewerb bis zum Umfallen veranstaltet.

Das Tempo bestimmt man selbst, man läuft immer nur kleine Abschnitte, über Wasser geht’s mit einem bequemen Paddelboot und die letzte Etappe sitzt man gemütlich auf einem Passagierschiff und tuckert zurück zum Ausgangsort nach Neuruppin. Zunächst melde ich mich bei der Touristeninformation am Bahnhof Rheinsberger Tor in Neuruppin. Dort bekomme ich alle Unterlagen, eine Karte, zahle und erhalte die erste Instruktion: Auf zum Seeufer. Dort, gegenüber vom Schiffsanleger, stehen das Rad vor dem Büro von Rhinpaddel für die erste Etappe bereit.

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Boots- und Fahrradvermietung in Neuruppin Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

Wer zu diesem Zeitpunkt erst noch einen Kaffee haben muss: Gerda's Cupcake Café (An der Seepromenade 10 a, 16816 Neuruppin, www.gerdas-cupcake-cafe.de) mit grandiosem Seeblick direkt an der Promenade ist dazu die beste Empfehlung. Ich schnappe mir eins der Räder, werfe einen Blick auf den morgendlichen Ruppiner See – und los geht’s.

Der Ruppiner See, gespeist vom Rhin streckt sich übrigens über 14 Kilometer und ist damit Brandenburgs längster See. Der eine oder andere Uferabschnitt würde schon jetzt glatt zum kurzen Reinspringen verführen – aber: ich radel weiter und komme in den Stadtpark. Die alte Seebadeanstalt, ein Bau aus den 1920er Jahren, bezeichnenderweise benannt nach Turnvater Jahn, kommt in Sicht. Ich komme langsam ins Schwitzen, aber auch in Fahrt.

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Badestelle am Ruppiner See Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

Es geht immer am bewaldeten Ufer entlang. Keine weiteren Ausflügler jetzt mehr auf der Strecke, ich lass mich treiben. Das Brandenburg-Feeling steigt langsam auf. 

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Immer am Wasser lang

Der Molchowsee kommt in Sicht, auch er Teil der eiszeitlichen Rinne, der wir die meisten Seen hier zu verdanken haben. Benannt ist der See nach dem anliegenden sehenswerten Runddorf Molchow, in dessen Dorfmitte ein markanter hölzerner Glockenturm aus dem 17. Jahrhundert steht, den schon Fontane reichlich seltsam fand und seinen „Wanderungen“ als „unheimlich und grotesk“ beschreibt, „als habe ihn ein Schilderhaus mit einer alten Windmühle gezeugt.“ Aber man müsste schon übersetzen, um das zu sehen...

 

 

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Wegweiser bei Molchow Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

Ich bleibe auf derselben Uferseite, der Radweg führt in den Heimburger Weg. Nach acht Kilometern ist Zeit für eine erste kleine Pause im "River Café", das ein Jazzmusiker erst im Sommer 2015 eröffnet hat. Bei "River Café" denke ich, vielleicht ist der Inaber Fan von Bruce Springsteen und des gleichnamigen Songs "The River". Aber die Geschichte hinter dem Namen des Cafés ist viel banaler. Statt Waldcafé oder Fluss Café entschied er sich für die englische Übersetzung. Ein toller Ort ist es ohnehin. Ich sitze direkt am Wasser. Das Aussflugsschiff, das mich am Nachmittag von Boltenmühle zurücknehmen wird, kommt vorbei. Das ist das Signal für mich, die letzten Kilometer bis zur Waldschänke in Stendenitz in Angriff zu nehmen.

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Mittags

Auf nach Stendenitz zur Waldschänke, meiner nächsten Station: Bis dahin sind es noch rund 4 Kilometer. Ein Katzensprung. Es führen kleinere Wege direkt am Teetzensee vorbei mit tollen Ausblicken. Der Weg führt durch Mischwald. Die frische Waldluft ist für mich Stadtmensch die reinste Wohltat.

Ich gehe es jetzt etwas langsamer an. Die letzten Kilometer rolle ich in aller Ruhe durch den Wald. Der Fahrtwind fährt mir durch die Haare. Ich lasse den Blick schweifen, höre den Vögeln zu. An der Waldschänke, wo am Wochenende auch allerlei Kulturelles von Ausstellungen bis Konzerten stattfindet, mache ich noch eine kurze Pause, bevor die zweite Etappe beginnt. 

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Waldschänke in Stendenitz Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

Umstieg ins Kanu

Das Rad lasse ich stehen und schnappe mir eins der bereitgestellten Kanus von Rhinpaddel. Man kennt und vertraut sich hier. Die Kellnerin ruft nur: „Ja, ja, nehmen se sich ma eins“. Gut, das mache ich, bugsiere meinen Hund noch ins Kanu, der das bislang noch nicht kannte und verdutzt dreinblickt als wolle er sagen: „Muss das sein?“. Ja, es muss, weil eine grandiose Erfahrung nun folgt: Wir schippern los, sind fast alleine auf dem vier bis sieben Meter tiefen und klaren Zermützelsee, in dem es sich Aale, Hechte, Zander, Welse, Barsche und Karpfen gut gehen lassen.

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Kanu auf dem Zermützelsee Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann
Nachmittags

Blau schimmerndes Wasser, weite Blicke. Umwerfend. Im Kanu fühlt man sich inmitten von dem allem, ganz nah, ein Teil davon. Vom Zermützelsee geht es links in das Rottstielfließ. Und jetzt beginnt ein ganz besonderer Teil der Tour. Manche Abschnitte am Ufer sehen aus, als ob sie noch nie von einem Menschen betreten worden sind. Vollkommen wild von dichtem Schilf und weiter am Ufer von Erlen bewachsen zeigen sich diese Abschnitte.

Am Ufer steht ein Fischreiher und guckt mich neugierig an. Er schaut zwar skeptisch, lässt sich von mir aber nicht weiter stören. Langsam gleite ich mit dem Kanu an ihm vorbei. Es lohnt sich ganz langsam, voller Genuss zu paddeln, zu lauschen und die Blicke schweifen zu lassen. Es ist ganz still. Nur das Eintauchen des Paddels ist zu hören.

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Nach einer halben Stunde auf dem Rottstielfließ kommt die Mündung in den fünften und letzten See unserer Tour in Sicht: der Tornowsee, Teil der Ruppiner Seenrinne, ebenfalls einem Überbleibsel aus der Eiszeit. Die Ufer gehen steil hoch – nicht ganz wie in einem Fjord, aber doch ist der See deutlich eingesenkt. Rechter Hand liegt eine kleine Insel. Ich paddele ein Stück auf den See hinaus und lasse mich von den Wellen treiben. Am Ufer steigt ein Reiher aus dem Schilf empor. Ein Schwan zieht seine Bahn. Langsam nehme ich Kurs auf die Boltenmühle. Am nördlichen Ende, linke Hand, liegt schon sichtbar der Bootsanleger und die Sammelstelle von Rhinpaddel (ein Schild weist darauf hin). Am Ufer liegt schon die "Gustav Kühn", die mich später zurück nach Neuruppin nehmen wird.

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Das Kanu hieve ich an Land. Es bleibt dort liegen, ohne dass man es irgendwo melden muss. Ein wenig durchnässt (meine Paddeltechnik scheint nicht ganz so professionell zu sein) laufe ich bei nun durchbrechender Sonne zur Boltenmühle, einem beliebten Ausflugslokal. Ich mache eine verdiente Pause. Die Boltenmühle ist dafür ideal mit ihrer großen Terrasse und der brandenburgischen Hausmannskost. Nach einigen Stunden, die man unterwegs ist, ist das schon sehr angenehm. Für mich gibt es statt Hausmannskost ein zünftiges Stück Kirschkuchen mit Schlagsahne und einen Kaffee.

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Boltenmühle Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

Wer will kann hier übernachten. Ein kleiner Wellnessbereich gehört sogar auch zur Anlage. Ideal für ein ganzes Wochenende. Nach über 18 km, aber nach dem Genuss einer gekräuterten Regenbogenforelle mit Salbei-Butter zufrieden satt, starte ich zur letzten Etappe meiner Tour...

An Bord eines Schiffes der Fahrgastschifffahrt Neuruppin (der Anleger liegt unterhalb der Boltenmühle) lasse ich mich zurück nach Neuruppin bringen. Unbedingt beachten: Die Abfahrtszeiten! Nachmittags geht das letzte Schiff. Ich setze mich oben an Deck. Rund zehn andere Gäste sind an Bord. Es ist jetzt schon später Nachmittag. Das Schiff bietet zum dritten Mal auf dieser Tour eine vollkommen neue Perspektive, was mich fasziniert.

 

 

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Ausflugsschiff am Tornowsee Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

Beine hoch auf dem Schiff

Ich schaue mir alte Häuser, Höfe und Kleingärten entlang der Ufer an. Wir passieren wilde Abschnitte, unterqueren Brücken, an denen wir die Köpfe einziehen, erleben das Runterschleusen in Alt-Ruppin, eh es zurück in den Ruppiner See geht und wir am Schiffsanleger mit einem wundervollen Blick auf die Altstadt von Neuruppin anlanden. Es ist jetzt 18 Uhr und auch ein Freizeit-Triathlon kann einen ganz schön schaffen. 

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Abends

Wer den Abend richtig entspannt ausklingen lassen will: Die Fontanetherme ist eine echte Empfehlung wert. Vor allem nach dem doch recht sportlichen Programm ist ein Kurzbesuch für 1,5 Stunden (oder auch länger) eine Wohltat. Von der Sauna kann man durch ein riesiges Panoramafenster auf den Ruppiner See hinausblicken und den Tag Revue passieren lassen. Mein Fazit: Unbedingt ausprobieren!

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Soleruhebecken in der Fontanetherme Foto: Resort Mark Brandenburg

Video: Indian Summer am Tornowsee bei Neuruppin

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