• Havelfloß auf dem Breitlingsee, Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

    Mit dem Floß durch das Havelland

    Haben Sie Lust auf ganz spezielles Erlebnis im Berliner Umland? Wir haben eine Erlebnishungrige Berlinerin auf eine Entdeckungstour mit einem Floß geschickt. Hier ist ihr Bericht.

    Haben Sie Lust auf ganz spezielles Erlebnis im Berliner Umland? Wir haben eine Erlebnishungrige Berlinerin auf eine Entdeckungstour mit einem Floß geschickt. Hier ist ihr Bericht.
    Ort: Brandenburg an der Havel

1. Tag
Mittags

Als Kind habe ich die Geschichten von Huckleberry Finn und Tom Sawyer verschlungen und mir immer vorgestellt, wie es wohl sein würde auf einem Floß von einem Abenteuer zum nächsten zu schippern. Der Wind pfeift einem um die Nase, die Sonne kitzelt in den Augen und wohin man auch blickt bietet sich die einmalige Gelegenheit für ein Abenteuer. Leinen los und auf geht’s in mein ganz persönliches Abenteuer in Brandenburg.

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Silhouette von Brandenburg an der Havel Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

Sonntag, 13:00

Berlin Bepackt mit Grillgut, Sonnencreme und allem, was man für eine Nacht auf einem Floß braucht machen wir uns auf den Weg nach Brandenburg an der Havel. In der Regionalbahn werden wir neugierig beäugt. Es scheint so als ob in Gedanken alle überprüfen ob jemand anderes vielleicht noch einen besseren Plan für den perfekten Sommertag hat. Wir sind überzeugt: unseren Plan kann niemand toppen.

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Nachmittags

Sonntag, 13:45 Uhr Brandenburg an der Havel

Knapp eine Stunde später sind wir weit weg vom quirligen Berlin. Stau, Stress und Schattenplatzkämpfe haben wir weit hinter uns gelassen. Vor uns liegt das beschauliche Städtchen Brandenburg an der Havel. Man meint fast, dass sich hier alle knapp 70.000 Einwohner beim Namen kennen, der Taxifahrer weiß jedenfalls mit einem Blick auf uns genau wohin wir wollen und fährt uns durch die historische Altstadt zum Bootsanleger der Pension Havelfloß an der Jahrtausendbrücke. Dass wir etwas spät dran sind löst bei ihm nur ein Schulterzucken aus, in Brandenburg hat man immer Zeit.

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Havelflösse in Brandenburg an der Havel Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

Sonntag, 14:00 Bootsanleger Pension Havelfloß

Mit Sack und Pack nehmen wir „Albert“ in Beschlag, so heißt unser Floß nämlich. Ausgestattet mit allem, was man für einen perfekten Sommertag auf dem Wasser braucht. Inklusive Grill. Nach einer kurzen Einweisung und zwei verschiedenen Routenvorschlägen fühlen wir uns bereit für das Abenteuer. Floß fahren hat sich bei der Einweisung ganz einfach angehört und für den Notfall haben wir die Handynummer vom Floßverleiher. Es kann also nichts mehr schief gehen. Denken wir.

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Ausparken klappt schon einmal

Sonntag, 14:30 irgendwo auf der Brandenburger Niederhavel

Nachdem das Ausparken fast reibungslos geklappt hat (ich habe fast nur ein anderes entgegenkommendes Boot gerammt), schippern wir jetzt die Niederhavel runter Richtung Breitlingsee. Das mit dem Lenken müssen wir allerdings noch üben, denn dass das Lenkrad langsam anschlägt ist quasi untertrieben. „Yvooooonnne, da kommt ein Boot, fahr nach RECHTS“. Ich lenke nach rechts. Nichts passiert. Ich lenke nochmal nach rechts. Das Boot kommt näher. Nichts passiert. Ich schlage das Lenkrad komplett nach rechts ein und zack stehen wir quasi im rechten Winkel zur Fahrrichtung. Lenkrad also schnell wieder nach link, links, LINKS. Ich hätte nicht gedacht, dass Floß fahren doch so viel Konzentration erfordert.

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Havelfloss auf der Havel Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

Sonntag, 15:30 irgendwo auf dem Breitlingsee

Die Niederhavel haben wir mit zig Schweißausbrüchen, aber mit Bravur gemeistert. Ich weiß zwar immer noch nicht, was die ganzen Zeichen bedeuten und ob die roten Bojen jetzt rechts oder links vom Floß sein müssen, aber eine Pause haben wir uns erstmal verdient. Wir werfen den Anker aus und lassen uns die Sonne auf den Bauch scheinen.

Sonntag, 16:30 immer noch irgendwo auf dem Breitlingsee

Die Sonne verkriecht sich hinter Wolken, heiß ist es aber immer noch. Der Wetterbericht sagt, dass abends eventuell Gewitter aufziehen könnten. Da wir mehr Landratten als Seebären sind einigen wir uns darauf, eine sichere Anlegestelle zu suchen anstatt irgendwo am Seeufer wild zu ankern. Ob wir das mit dem Ankern nämlich so drauf haben, da sind wir uns nicht wirklich sicher. Ein Blick auf die Karte verrät uns, dass die nächste Anlegestelle einmal quer über den Breitlingsee liegt.

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Strand am Breitlingsee Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann
Abends

Sonntag, 17:30 links von der Kanincheninsel

Das Gasthaus Malge können wir von hier schon sehen. Massig Boote liegen dort vor Anker und auch ein anderes Havelfloß hat dort eingeparkt. Dann können wir das mit Sicherheit auch. Mittlerweile haben wir auch den Dreh mit dem Lenkrad schon besser raus. Geduld ist der Geheimtipp. Die Lenkung bekommt nämlich sehr wohl mit, wenn man nach rechts will und tuckert mit Sicherheit auch in die richtige Richtung, wenn man einfach tief durchatmet und wartet, anstatt hektisch immer weiter lenkt.

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Steuerrad auf Havelfloss Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

Sonntag, 17:45 Malge Marina

„Wollt ihr nur kurz parken oder bleibt ihr über Nacht?“ Wir bleiben über Nacht. Und parken gekonnt ein (zumindest erinnere ich mich so daran - wer das Gegenteil behauptet soll bitte Videobeweis bringen). An der Malge Marina ist jeder willkommen und die Gäste im Biergarten beäugen uns neugierig. So ein Havelfloss sieht man hier wohl doch eher selten.

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"Terrasse" mit Seeblick

Sonntag, 18:00 Malge Marina

Wir sitzen auf unserer „Terrasse“ und genießen die letzten Sonnenstunden. Immer wieder kommen Leute vorbei und fragen uns neugierig nach unserem Floß aus. „Ja, das kann man mieten, ja auch für ein paar Tage, ja man kann hier auch drin schlafen, ja, das macht unheimlich viel Spass“.

Sonntag, 18:30 Malge Marina

Langsam bekommen wir Hunger. Es wird Zeit den Grill anzuschmeißen. Das darf man allerdings aus Brandschutzgründen nicht auf dem Floß selbst sondern nur an Land. Eigentlich ein bisschen schade, weil wir „Albert“ nur ungern verlassen, aber Sinn macht das schon. Wir schmeißen die Würstchen auf den Grill und packen den Salat aus. Genauso muss Sommer schmecken.

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Gedeckter Tisch auf einem Havelfloß Foto: TMB-Fotoarchiv/Yvonne Zagermann

Sonntag, 19:30 Malge Marina

Wir sind gerade fertig mit Essen als die berühmt berüchtigte Ruhe vor dem Sturm aufzieht. Ein Gewitter naht. Während die anderen Bootsbesitzer eifrig alles fest vertäuen und abdecken sind wir froh, dass wir ein festes Dach über dem Kopf haben und nicht nur eine Plane, wie so manch anderer. Und wir sind auch froh, dass in dem Moment gerade zwei Brandenburger mit ihrem Segelboot um die Ecke biegen und uns beim Vertäuen helfen. Damit sind wir doppelt und dreifach gesichert und die Jungs bekommen dafür auch Asyl in unserer Floßhütte während dem Sturm. Als Gastgeschenk bringen sie eine Buddel voll Rum mit, was auch sonst?

Sonntag, 19:45 Malge Marina

Der Sturm kommt schneller als manch einem lieb ist. Die Regentropfen prasseln auf unser Dach und in der Ferne zucken die Blitze am Himmel. Doch wir, wir sitzen trocken und glücklich auf unserem Havelfloß und schauen gebannt aus dem Fenster. Gut, dass die Hütte quasi ein Faradayscher Käfig ist und wir damit bestens geschützt sind vor dem Gewitter.

Sonntag, 23:30 Malge Marina

Der Sturm hat sich langsam gelegt und die Flasche Rum ist auch schon fast leer. Jetzt wird es Zeit aus den gemütlichen Bänken ein Bett zu zaubern. Mit zwei, drei Handgriffen ist auch das erledigt und wir schlummern sachte im Rhythmus der Wellen ein.

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2. Tag
Vormittags

Montag, 08:00 Malge Marina

Ausgeruht frühstücken wir in aller Ruhe auf unserer „Terrasse“, der Sturm hat sich in der Nacht beruhigt und vor uns liegt ein neuer, sonniger Tag.

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Havelfloss im Hafen Foto: TMB-Fotoarchiv/Yvonne Zagermann

Wir wollen früh los um noch möglichst lange unser Havelfloß genießen zu können und so schippern wir noch ein bisschen rum, unterhalten uns von Floß zu Floß mit anderen Kapitänen und parken dann pünktlich um 12 Uhr wieder bei der Pension Havelfloß ein. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge verabschieden wir uns von unserem „Albert“, 24 Stunden sind doch zu kurz – wir machen das wieder und dann gleich für ein paar Tage!

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Auf einem Havelfloss Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

Video: Unterwegs mit einem Havelfloß

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