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  • Nationalpark Unteres Odertal, Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann Nationalpark Unteres Odertal, Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

    Ein Wochenende im Nationalpark Unteres Odertal

    Haben Sie Lust auf Entschleunigung im Berliner Umland? Wir haben Berlinerin, die weiß, wie Entschleunigung geht, auf Entdeckungstour in den Nationalpark Unteres Odertal geschickt.

    Haben Sie Lust auf Entschleunigung im Berliner Umland? Wir haben Berlinerin, die weiß, wie Entschleunigung geht, auf Entdeckungstour in den Nationalpark Unteres Odertal geschickt.
    Ort: Angermünde

1. Tag
Vormittags

Brandenburg und Natur, das gehört für mich zusammen. Schon lange mache ich gerne Touren durch Brandenburg und entdecke immer wieder interessante Geschichten, schöne Unterkünfte, historische Mauern, moderne Kultureinrichtungen. Besonders aber hat es mir Brandenburgs Natur angetan, deshalb mir war klar, dass ich in Brandenburgs einzigem Nationalpark (und Deutschlands einziger Flussauen-Nationalpark) unbedingt ein paar Tage verbringen wollte.

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Nationalpark Unteres Odertal Foto: TMB-Fotoarchiv/Dieter Damschen

Ein Wald ist am Vormittag immer am schönsten, finde ich: Das Licht schimmert morgendlich durch die Baumkronen, Vögel und Rehe sind aktiv. Deshalb entscheide ich mich an diesem Vormittag für den Buchenwald Grumsin, UNESCO Weltnaturerbe und seit Jahren ein ersehntes Ziel von mir. Alte Baumbestände in Deutschland sind selten geworden, der Buchenwald Grumsin ist einer der größten Tiefland-Buchenwälder weltweit. Seit 20 Jahren hat sich der Mensch hier zurückgezogen und so langsam kehrt der Urwald zurück, der hier früher einmal seinen Bestand hatte.

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Buchenwald Grumsin Foto: TMB-Fotoarchiv/Inka Chall

Für mich gibt es mehrere mögliche Wanderstrecken um den „Kern“ des Waldes, der als Naturschutzgebiet komplett für Besucher gesperrt ist. Ich entscheide mich ein bisschen frustriert für die kürzeste Variante, die nicht einmal eine Stunde dauert, weil die Zeit schon so fortgeschritten ist. Später bereue ich das, denn der Buchenwald ist wirklich schön und abwechslungsreich mit seinen Mooren und Seen und Tümpeln und der hügeligen Landschaft, die die Eiszeit hier hinterlassen hat. Hier könnte ich gut einen halben Tag verbringen. Der Weg ist sehr breit und einfach, ich muss beim Schlendern und Gucken nicht aufpassen, wohin ich trete und finde das sehr angenehm und atme entspannt die Waldluft ein.

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Buchenwald Grumsin Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann
Mittags

Mittags wird es Zeit, mir das Highlight anzuschauen, weshalb ich in diese Gegend gekommen bin: Das Untere Odertal.

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Aussichtspunkt Richterberg Foto: TMB-Fotoarchiv/Inka Chall

Der Nationalpark ist ein langgezogenes, mit vielen Auenwiesen und kleinen Flüssen durchzogenes Gebiet zwischen der Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße und der Oder. Ich beginne eine Erkundung gerne mit einem Überblick, deshalb zieht es mich zuerst zu dem Aussichtspunkt auf dem Richterberg in Stützkow, der einer der schönsten dieser Gegend sein soll. In Stützkow folge ich den Hinweisschildern „Blick ins Odertal“ und werde am Ende nicht enttäuscht: Ein herrliches Panorama breitet sich vor mir aus und ich bleibe ein Weilchen. Nicht zuletzt, weil mich die schöne Picknickbank einlädt und ich hier meine mitgebrachten belegten Brote verzehren kann.

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Radfahrer im Nationalpark Unteres Odertal Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

Nach der Stärkung überquere ich die große Brücke, die ich schon vom Aussichtspunkt gesehen habe und mache einen kurzweiligen Spaziergang zum etwa einen Kilometer entfernten Beobachtungsturm am Oderdeich. Der Weg geht auf dem Deich entlang und auch für Fahrräder geeignet und ich bin ein bisschen traurig, dass ich meines nicht dabei habe.

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Aussichtsturm Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

Das Fahrradnetz ist hier gut ausgebaut und beschildert. Zwischendurch scheuche ich eine große Schar Wildenten auf, die es sich am Deich gemütlich gemacht hat. Von außen sieht der elf Meter hohe hölzerne Aussichtsturm gar nicht sonderlich groß aus, aber beim Hinaufsteigen bin ich froh, keine ausgeprägte Höhenangst zu haben. Von oben ist die Sicht herrlich, der Abstecher hier hat sich gelohnt.

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Nachmittags

Am Nachmittag ist es Zeit für eine entschleunigte Wanderung: Ausgangspunkt ist der Ort Criewen. Im Nationalparkzentrum erkundige ich mich erst einmal über die verschiedenen Wandermöglichkeiten, aber eigentlich hätte ich das gar nicht gebraucht, die Wanderwege sind gut ausgeschildert und ich entscheide mich für den "Auenpfad", einen etwa drei Kilometer langer Wanderweg zur Oder.

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Auenpfad Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

Ganz allein auf dem Auenpfad

Bevor ich starte, schaue ich mich kurz in der kostenlosen Ausstellung um, die über den Nationalpark informiert. Wieder geht es über eine Brücke, dann über den Deich und einen Feldweg mit alten Betonplatten entlang, die gut zu laufen sind. Die Gegend ist spannend von der Flora und Fauna, die Landschaft weit und nur von einzelnen Bäumen, vor allem Weiden und Linden durchbrochen und vielen kleinen Wasserstraßen. Ich stöbere gerne am Wegesrand und versuche zu raten, welche Pflanzen ich dort sehe. Storchenschnabel, falsche Kamille, Schafgarbe - einige sind mir vollkommen neu, zum Beispiel die Riesendisteln.

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Auenpfad Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

Ich sehe viele Vögel und habe leider abgesehen von Wildenten und Graureihern einmal wieder keine Ahnung, welche das sind. Manchmal wünschte ich mir da einen Förster oder Ranger als Begleitung herbei. Tatsächlich gibt es in der ganzen Gegend viele geführte Touren, aber auch das Faltblatt, das ich im Nationalparkzentrum bekommen habe, informiert über einige Arten. Außerdem flattern Schmetterlinge am Wegesrand, Frösche hüpfen über den Weg und ich sehe eine Echse.

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Auenpfad Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

Auch hier hätte ich ein Fahrrad nehmen und den Oder-Neiße-Weg fahren können, aber ich mag das entschleunigte Wandern. Es kommt gar nicht auf die Strecke an, sondern nur auf die zurückgelegte Zeit, auf die Momente, in denen man etwas Schönes entdeckt und die sich aneinanderreihen wie Perlen auf der Schnur. An der Oder angekommen grüße ich Polen einmal per Winke Winke und mache mich dann gemütlich auf den Rückweg. In Anitas Eisstube in Criewen gönne ich mir dann einen Kaffee und ein Holunderblüteneis.

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Abends

Für heute bin ich genug herumgelaufen und möchte nur noch mein schönes Abendessen in Angermünde genießen. Vorher allerdings drehe ich eine kleine Runde durch Angermünde, schaue mir die schönen alten Fachwerkhäuser an.

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Marktplatz Angermünde Foto: TMB-Fotoarchiv/Tilo Grellmann

Ich bin erstaunt, eine uralte Burgmauer der alten Stadtburg vorzufinden, die aussieht, als sei sie gerade aus dem Dornröschen-Märchen entsprungen. Eine riesige Wildrosenhecke erstreckt sich einmal rundherum - so etwas habe ich wirklich noch nie gesehen. Außerdem laufe ich noch schnell zum Mündesee, der sich an der Ostseite Angermündes entlangstreckt. Wunderschön und still liegt er da und ich setze mich noch ein paar Minuten, um die Ruhe zu genießen und den schönen Tag ausklingen zu lassen.

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Mündesee Angermünde Foto: TMB-Fotoarchiv/Inka Chall
2. Tag
Vormittags

Heute früh hatte ich mir das eigentlich etwas anderes vorgestellt: Ganz früh aufstehen, auf einen nahegelegenen Hügel hier im Nationalpark Unteres Odertal klettern und im Morgengrauen schöne Nebelfelder über der Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße fotografieren.

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Blick auf das Schweizer Haus in Stolpe Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

Doch das gemütliche Bett im Schweizer Haus in Stolpe, in dem ich untergekommen bin, hält mich zurück. Das Wetter ist netterweise grau, also habe ich eine hervorragende Ausrede, mich noch einmal umzudrehen und weiterzudösen. Nach dem Aufstehen klöne ich mit Gabriele Pust, der Besitzerin des Schweizer Hauses, und erfahre beim Frühstück viele interessante Geschichten aus der Gegend. Im Nu sind zwei Stunden rum, das Wetter hat aufgeklart und ich möchte jetzt auch dringend los, um die Gegend zu erkunden.

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Hoch zum Grützpott

Ohne zu wissen, was mich erwartet, laufe ich in Stolpe wenige hundert Meter den Berg hinauf zum "Stolper Turm". Die Bezeichnung "Grützpott" auf einem Schild hatte mich neugierig gemacht, was es mit diesem Turm auf sich hat. Auf dem Weg stehen Schilder, die über die Geschichte aufklären und ich bin völlig baff: Der Stolper Turm gehört zu den seltenen Turmburgen, ist die dickste Turmburg Deutschlands und ist aus dem 12. Jahrhundert!

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Blick auf Stolper Turm Foto: TMB-Fotoarchiv/Inka Chall

Schon kurz vor dem Turm hat man ein sagenhaftes Panorama über das Odertal und ich beschließe, dass ich mir das gerne auch einmal von der Burg ansehen möchte. Für zwei Euro kann ich die Burg besichtigen und bekomme außerdem vom ehrenamtlichen Mitarbeiter noch die spannende Geschichte dieser Burg erzählt.

Dass im Jahr 1445 der Kurfürst von Brandenburg "Eisenzahn" diese Burg eroberte und dabei der obere Teil abbrannte, war vermutlich ein Glück, denn mit den Trümmern wurde die Burg Jahrhunderte über geschützt, bis man sie erst im 20. Jahrhundert wieder freilegte. Sogar eine echte Ritterrüstung wird im Burg ausgestellt.

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Mittags

Nach dieser spannenden Geschichte, die mir so zufällig über den Weg lief, steige ich noch auf das neu errichtete Dach der Burg und genieße die kilometerweite Aussicht über das Odertal. Warum die Burg auch der "Grützpott" genannt wird? Dieses Geheimnis lüftet man am Besten selbst vor Ort.

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Bank im Nationalpark Unteres Odertal Foto: TMB-Fotoarchiv/Inka Chall

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