• Angela Merkel besucht Spielberg und Tom Hanks beim Dreh, Foto: Bundesregierung/Berg Angela Merkel besucht Spielberg und Tom Hanks beim Dreh, Foto: Bundesregierung/Berg

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Sieben Tonnen Kunstschnee für die Glienicker Brücke
Hollywood dreht „Bridge of Spies“ in Potsdam

26. November 2015 von Steffen Lehmann

Im November 2014 herrschte noch einmal Kalter Krieg auf der Glienicker Brücke. Soldaten patroullierten auf der Brücke. Das Wahrzeichen des Kaltes Krieges war in helles Scheinwerferlicht getaucht. Hollywood-Regisseur Steven Spielberg drehte mit Tom Hanks eine Woche für seinen Agententhriller „Bridge of Spies – Der Unterhändler“. Und sogar die Bundeskanzlerin schaute zu.

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Szene mit Sebastian Koch (li.) und Tom Hanks vor dem Schloss Marquardt aus „Bridge of Spies – Der Unterhändler“. Foto: 2015 Twentieth Century Fox Foto: 2015 Twentieth Century Fox

Sektorengrenze, Sperrgebiet, Agentenaustausch: die Glienicker Brücke, in deren Mitte heute schlicht die Stadtgrenze zu Berlin verläuft, war jahrzehntelang Teil der Grenze zwischen der DDR und West-Berlin. Kurioserweise trug sie zu dieser Zeit den Namen „Brücke der Einheit“. Die Brücke wurde international berühmt, als 1962, 1985 sowie 1986, Agenten aus Ost und West auf der Glienicker Brücke ausgetauscht wurden.

Für seinen Agententhriller „Bridge of Spies“ kam für Steven Spielberg eigentlich kein anderer Ort infrage als die Brücke zwischen Potsdam und Berlin. Schließlich fand hier 1962 der Austausch des Sowjet-Spions Rudolf Abel gegen den Piloten Francis Gary Powers statt. Die Begebenheit mitten im Kalten Krieg, kurz nach dem Mauerbau, bildet die Vorlage für „Bridge of Spies – Der Unterhändler“.

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Glienicker Brücke für „Bridge of Spies“ eine Woche dicht

Fünf Monate wurde die Sperrung der wichtigen Verbindung zwischen Potsdam und Berlin vorbereitet. Nicht weniger als 23 Behörden und Einrichtungen mussten ihre Zustimmung für die Sperrung der Brücke geben. Eine Mitarbeiterin des Studio Babelsberg machte fünf Monate nichts anderes, als Genehmigungen einzuholen und Absprachen zu treffen. Ein Woche war die Glienicker Brücke während des Drehs für den Verkehr gesperrt – außer für Rettungsfahrzeuge. Und drei Mal musste Regisseur Steven Spielberg auch die Kameras anhalten, um die Feuerwehr durchzulassen.

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Kinoplakat von Bridge of Spies Foto: 2015 Twentieth Century Fox

Für die besondere Stimmung auf der Brücke wurden Scheinwerfer und Nebelmaschinen auf Booten und im Park Babelsberg installiert. Auch die Glienicker Brücke bekam ein Make-up verpasst. Um historisch korrekt auszusehen, mussten einige Elemente auf der Brücke abgedeckt werden. Darunter die erst nach 1989 entstandene Bronzeskulptur „Nike 89“. In einem Interview mit dem ZDF-Kulturmagazin „Aspekte“ sagte Regisseur Steven Spielberg, wie wichtig ihm der Dreh an dem authentischen Ort der Glienicker Brücke gewesen sei. Alles andere wäre nicht „ehrlich zur Geschichte“ gewesen. Es sei für ihn, so Spielberg, ein besonderes Gefühl gewesen, als er das erste Mal über die Glienicker Brücke gelaufen ist, auf der der Austausch stattfand.

Ein paar Grad unter Minus zeigt das Thermometer als Tom Hanks an einem kalten Novemberabend die Brücke zwischen Potsdam und Berlin betritt. Genauso wie im Winter 1962 als der Unterhändler James Donovan (gespielt von Tom Hanks) damals zur Glienicker Brücke kommt, um den Austausch zwischen Rudolf Abel und Francis Powers zu vollziehen. Nur diesmal begleiten ihn Regisseur Steven Spielberg („Schindlers Liste“, „E.T“) und die Bundeskanzlerin Angela Merkel. Kleiner Staatsbesuch am Filmset.

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Filmorte in Potsdam entdecken

Wenn die Schauspieler, Komparsen und Filmcrews längst abgereist sind, die Drehorte sind immer noch da. Und gerade die Locations, an denen Steven Spielberg für „Bridge of Spies“ gedreht hat, sind einen Besuch wert. Wer über die Glienicker Brücke gegangen ist und den Blick auf die Havelseen und auf die historischen Parkanlagen von Babelsberg und Glienicke genossen hat, kann noch einen Abstecher in das Museum Villa Schöningen machen. Die Villa, die auf Potsdamer Seite direkt am Kopf der Brücke liegt, informiert in ihrer Dauerausstellung anschaulich über die Geschichte der Glienicker Brücke und das Leben unmittelbar am Grenzstreifen.

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Die Villa Schöningen an der Glienicker Brücke. Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

In Sichtweite zur Glienicker Brücke liegt Klein-Glienicke. Der Ortsteil lag auf dem Gebiet von West-Berlin, gehörte aber zur DDR: Eine Ost-Enklave im Westen, komplett umschlossen von der Mauer. Die einzige Verbindung nach Potsdam war eine schmale Brücke, die nur mit schriftlicher Genehmigung passiert werden durfte. Spontanbesuche gab es nicht in Klein-Glienicke, selbst Familienfeiern mussten Monate im Voraus beantragt werden. Beim Spaziergang durch Klein Glienicke informieren Stelen über diese außergewöhnliche Geschichte. Einige Szenen wurden auch im Schloss Marquardt bei Potsdam gedreht. Das Schloss war schon oft Kulisse für Dreharbeiten.

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Das muss man in Potsdams Filmkulisse erleben


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